Pressekonferenz

"Selbstsüchtig" und "dumm" – Woods sagt sorry

Erstmals nach Bekanntwerden seiner Seitensprünge trat Tiger Woods vor die Öffentlichkeit. Zwar hatte der weltbeste Golfer neben seiner Mutter Kultida und Freunden auch Journalisten geladen. Fragen aber durften nicht gestellt werden. "Ich habe Schande über mich gebracht", sagte Woods beim Versuch, sein Image zu retten.

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Der Profi-Golfer hat sich erstmals seit dem Mediensturm um seine eheliche Untreue öffentlich geäußert. Er entschuldigte sich dabei für seine Seitensprünge. Wann er zum Sport zurückkehrt, ließ er offen. Zunächst wolle er seine Therapie wegen Sexsucht fortsetzen.

Video: Reuters
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Mit einem Rührstück hat sich Golfprofi Tiger Woods nach seinem Sexskandal in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Der Weltranglistenerste hatte zahlreiche Affären mit diversen Frauen gestanden und war Ende 2009 von der Bildfläche verschwunden. Freitag trat er im Hauptquartier der Profigolfervereinigung PGA in Florida vor das Mikrofon und gab eine Erklärung ab. Offenbar der Auftakt zu einer umfangreichen Kampagne, die sein ruiniertes Image aufpolieren soll. Zuletzt hatten sich zahlreiche Sponsoren von Woods abgewandt.

Zwar hatte der beste Golfer der Welt neben seiner Mutter Kultida, Freunden und Bekannten auch Journalisten geladen. Die waren aber ebenso handverlesen wie mundtot: Fragen, das war von vornherein klar, durften nicht gestellt werden. Die Vereinigung der US-Golfjournalisten GWAA boykottierte daraufhin die Ein-Mann-Schau des Tigers.

Ein bemerkenswertes Schauspiel. Vor dunkelblauen Samtvorhängen trat Woods in dunklem Sakko, aber ohne Krawatte, an das Rednerpult. Blass sah er aus, als er zehn Minuten lang seine Erklärung verlas. Darin ging es vor allem darum, sein eigenes Verhalten zu geißeln. Begriffe wie „selbstsüchtig“, „dumm“, „peinlich“ und „enttäuschend“ fielen, und besonders oft das Wort „sorry“ – „Entschuldigung“. Woods’ Ehefrau Elin Nordegren war bei der öffentlichen Beichte nicht anwesend. Einmal schluckte er so heftig, dass die Zuschauer schon einen tränenreichen Gefühlsausbruch erwarteten. Doch Woods beherrschte sich.

Das war nicht immer der Fall. „Ich war untreu, ich hatte Affären, ich habe betrogen“, räumte Woods ein. Er habe gewusst, dass sein Verhalten falsch gewesen sei. „Ich habe nur an mich gedacht.“ Er entschuldigte sich bei seiner Frau Elin, den beiden Kindern Sam Alexis und Charlie Axel, seinen Freunden, den anderen Spielern, den Fans und Sponsoren sowie den Mitarbeitern seiner Stiftung. „Ich habe Schande über mich gebracht“, sagte der 34-Jährige, „und habe alle enttäuscht.“

Immer wieder prangerte der Golf-Star sein privates Verhalten an. „Ich dachte, ich komme mit allem durch, was ich will. Ich hatte das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben lang hart gearbeitet habe und es verdiente, alle Verlockungen um mich herum zu genießen“, erklärte der Sportler. Inzwischen wisse er, dass für ihn dieselben Grenzen gälten wie für jeden anderen auch.

Er werde nun alles dafür tun, ein besserer Mensch zu werden und das Vertrauen seiner Familie zurückzugewinnen. Allerdings dementierte er die Gerüchte, er habe neben seinen Sexaffären auch noch Drogen konsumiert. Auch sei es nie zu „häuslicher Gewalt“ gekommen. Medien hatten berichtet, dass seine Frau ihn mit einem Golfschläger attackiert haben soll, als sie von den außerehelichen Eskapaden erfuhr. „Elin hat mich weder an diesem noch an irgendeinem anderen Abend geschlagen, es gab in unserer Ehe nie einen Fall von häuslicher Gewalt. Niemals.“ Seine Frau verdiene für ihre Haltung während dieser „Tortur“ nur Lob. Die Medien sollten sie und seine beiden Kinder in Ruhe lassen, forderte er.

Ende Dezember hat sich Tiger Woods in Therapie begeben, um seine Sexsucht zu bekämpfen, berichtete er, und er werde diese weiter fortsetzen: „Es ist schwer, es zuzugeben, aber ich brauche Hilfe. Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan.“ Besonders die Rückbesinnung auf den Buddhismus, der bereits in seiner Erziehung eine große Rolle gespielt habe, hat ihm geholfen, sagte Woods. „In der Therapie habe ich gelernt, dass es wichtig ist, seine Spiritualität auszuleben.“

Er plane, eines Tages auf die Golftour zurückzukehren, sagte er: „Ich weiß aber noch nicht, wann das sein wird.“ Woods schloss nicht aus, dass er bereits in diesem Jahr wieder spiele. Einige Sponsoren erklärten sich inzwischen mit Woods solidarisch. Sportartikelhersteller Nike erklärte, man zu Woods und seiner Familie. „Wir freuen uns auf seine Rückkehr auf den Golfplatz, wenn die Zeit für ihn und seine Familie reif ist“, gab Electronic Arts bekannt.

Nach dem Auftritt verließ Tiger Woods die Bühne, küsste seine Mutter, drückte die in der ersten Reihe sitzenden Freunde und verschwand hinter dem Vorhang. Niemand klatschte, obwohl der Abgang wirklich sehenswert war.

„Ich habe Schande über mich gebracht“, sagte Tiger Woods gestern in Florida und entschuldigte sich mehrfach vor der Öffentlichkeit. Am Ende seiner zehnminütigen Rede umarmte und küsste der Golf-Star seine Mutter Kultida