Golf

Sex-Beichte von Tiger Woods erzürnt Kollegen

Tiger Woods dürfte mit seiner TV-Beichte nach den zahlreichen Sexaffären kaum neue Freunde gewonnen haben. Die Berufskollegen des reichsten Golfprofis der Welt hat er vergrätzt. Immobilienhai Donald Trump, Intimus des einstigen Helden der Nation, glaubt nicht, dass er seine Ehe wirklich retten will.

Foto: Reuters / Reuters/REUTERS

Ruhm kann seltsame Wirkungen entfachen. Prominente beklagen das in vielfältiger Weise. Besonders hinterhältig schlägt er sich auf dem Pfad der Tugend nieder: Er macht ihn gefährlich schlüpfrig.

Eldrick Woods, 34, genannt Tiger, kennt sich da aus. Er ist der berühmteste Golfprofi der Welt. Der besthonorierte Athlet auch, „ein amerikanischer Held“, lobt der Chef der Berufsgolfervereinigung PGA, Tim Finchem. Überladen mit Superlativen musste der brave Woods geradezu auf dem Lebensweg ins Rutschen kommen und mit Riesenbums auf der Nase landen.

Seit der verheiratete Familienvater von zwei Kindern am 27. November vorigen Jahres mit seinem Auto nahe der eigenen Haustür havarierte, flog das ganze Ausmaß seiner Leidenschaft auf. Galerien mit Porträtbildern begleiten nun seine öffentliche Begutachtung wie man sie aus amerikanischen Schulbüchern mit den Abschlussjahrgängen kennt: Weil gleich ein Dutzend Damen reklamiert, sexuell intim mit dem Tiger gewesen zu sein, schwankt das auf prüde plädierende Amerika zwischen Entsetzen und heimlicher Hochachtung.

Am Freitag erfuhr sein Schicksal nach drei Monaten der Golfpause und des Schweigens eine sensationelle Wendung. Vor einer Kulisse wie bei einer öffentlichen Hinrichtung gestand Woods fast alle Vorwürfe mit leichenbitterer Miene, kunstvollen Pausen und geradem Blick, als hätte ihm eine der erfolgreichen Agenturen für Krisenmanagement Regieanweisungen gleich mit in das Skript notiert: „Ich war untreu. Ich hatte Affären. Ich habe Schande über mich gebracht.“

In der Inszenierung verlas Woods zum Wohle seiner gesellschaftlichen Reintegration eine Entschuldigungsrede. „Ich fand, dass ich mein Leben lang hart gearbeitet hatte und verdiente, alle Versuchungen um mich herum zu genießen. Dank des Geldes und des Ruhmes musste ich nicht groß nach ihnen suchen. Ich irrte. Ich war dumm. Für mich gelten keine anderen Regeln.“

Sender unterbrachen dafür ihr Programm, als rede nicht ein promiskuitiver Profi über private Peinlichkeiten sondern der Präsident zur Lage der Nation. An der New Yorker Wall Street rauschten die Börsenumsätze abgelenkter Makler in den Keller: von 576,8 Millionen Aktien wurde 15 Minuten lang fast ein Viertel weniger gehandelt.

Während Woods am Sitz der PGA-Tour in Sawgrass/Florida vor einem blauen Samtvorhang und drei Stuhlreihen mit sorgfältig ausgesuchten Freunden, Geschäftspartnern und drei Journalisten seine exakt choreographiert wirkende Leseviertelstunde hielt, führten zwei Stripperinnen der zwei Kilometer entfernt harrenden Medienmeute vor, was er meinte. Sie hielten ein Schild, auf dem zu lesen war: „Ich will die Nummer 16 sein.“

Kurz darauf gab eine der Nummern von früher, der ehemalige Pornostar Joslyn James, eine von Woods erfolgreichen Versuchungen aus dem Porträtreigen, eine Pressekonferenz. Dabei heulte sie und Anwältin Gloria Allred erklärte: „Sie hat das Pornogeschäft auf seinen Wunsch hin aufgegeben und versteckte sich, als der Skandal ausbrach, um ihn zu schützen, aber bis heute hat er sie nicht kontaktiert, um sich zu entschuldigen.“

Als Heimat von Hollywood, Glamour, Glitz und Golden Globe liebt Amerika die große Show. Das Volk gibt sich gern prüde, aber wenn einer wie Bill Clinton eine Affäre mit seiner Praktikantin hat, verzehrt es sich nach den intimsten Details – aber sobald der Präsident um Haaresbreite seiner Amtsenthebung entkommen ist, treibt es seine Popularitätswerte höher als je zuvor. In seiner Heuchelei erlaubt es Alkoholkonsum öffentlich nur, wenn die Gefäße mit braunen Papiertüten kaschiert werden, schickt aber seine Teenager jedes Frühjahr zu wilden Sauf- und Sexgelagen über die Grenze nach Cancun.

Den Gesetzmäßigkeiten folgt nun auch Woods’ neueste Kampagne. Seine Landsleute sind hin- und hergerissen. Doch ihnen dämmert, dass der Auftritt wohlorchestriert gewesen sein dürfte. Sogar die Vereinigung der Golfjournalisten verweigerte sich der Teilnahme am Canossagang von Sawgrass: Da keine Nachfragen erlaubt waren, wähnte sie sich als bestellte Kronzeugen.

Als der Auftritt im Anschluss aufmerksam seziert wurde, kam immer mehr zum Vorschein, wie elegant er sich trotz des schmuddeligen Anlasses einfügte in Woods Karriere: Er hatte viel von der klinischen Kühle, mit der der Tiger sonst auf Golfplätzen so zielsicher einzulochen und die Gegner abzukochen pflegt. Woods flog mit dem Hubschrauber ein und gleich wieder aus, um seine bereits 45 Tage währende Sextherapie noch gestern fortzusetzen.

Er gebrauchte zwar häufig das Wort „Entschuldigung“ und gleich zehn Mal den Vornamen seiner leidgeprüften Frau: „Wie Elin mir deutlich gemacht hat, können Worte nicht meine wahre Entschuldigung liefern, sondern nur mein Verhalten in der Zeit, die vor uns liegt.“ Von der Liebe aber, einem Wort, das Amerikaner eher inflationär als bescheiden zu gebrauchen pflegen, ist nicht die Rede. Auch fehlte Elin bei der Beichte, und Woods trat ohne Ehering auf. Prompt zweifeln sogar Freunde wie der Geschäftsmann Donald Trump an der Ehrlichkeit des Versuchs, die Ehe retten zu wollen: „Die ist so beschädigt. Ich würde Tiger vorschlagen, er sollte die schlechte Erfahrung akzeptieren, Bye-Bye sagen, gehen, ein wundervoller Playboy sein, der Turniere gewinnt und sein Leben genießt.“

In einem Land, das Erfolg gern an ökonomischen Werten festmacht, drängt sich der Verdacht auf, Woods könnte nach seinem gebremsten Aufstieg zum Sportmilliardär nun wieder Schwung aufnehmen wollen auf dem Weg zur Einnahmenmilliarde – auch wenn er den Zeitpunkt seines Comebacks auf die Profitour nicht genau benennen wollte. Doch räumte er ein: „Mein Verhalten hat zu beträchtlicher Beunruhigung bei meinen Geschäftspartnern geführt.“

Die Kollegen zürnen, dass er ihnen mit seiner üblichen Selbstgefälligkeit die Show gestohlen hat beim parallel stattfindenden Turnier, das von Accenture gesponsert wird, jenem Unternehmen, das sich als erstes nach dem Skandal von Woods getrennt hatte. „Das ist egoistisch“, schimpfte Ernie Els, „dies raubt dem Golf viel Beachtung. Montage sind gut für solche Statement, Freitage nicht.“