Leichtathletik

Weltrekordler Usain Bolt baut sich ein neues Image

Sprintstar Usain Bolt ist auch außerhalb der Saison omnipräsent. Er lässt sich gerade ein neues Image aufbauen und schmeißt demnächst eine Riesenparty. Es geht um Wohltätigkeit, Spaß – und Business. Passend dazu sagt sein Trainer weitere Rekorde voraus: 20 Prozent mehr Kraft seien drin.

Tiere und Kinder gehen immer, lautet eine Grundregel unter PR-Strategen. Was soll also noch schiefgehen, wenn sogar Tierkinder ins Spiel kommen? Die Fotos von Usain Bolts neuester Errungenschaft jedenfalls sind diese Woche um die Welt gegangen: Der schnellste Mann der Welt adoptiert einen kleinen Gepard, das schnellste Tier der Welt. Wer das nicht putzig findet, ist selber schuld.

Ein knappes Vierteljahr, nachdem er bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin die Bestmarke über 100 Meter auf wahnwitzige 9,58 Sekunden drückte, sorgen seine Berater dafür, dass Bolt (23) omnipräsent bleibt. Und das nicht als Sprinter und Clown, den er auf der Laufbahn gern gibt, sondern als Botschafter für die gute Sache – also auch für sich selbst. Ein Mann, eine Marke. Bolt.

Wie Tiger Woods und Roger Federer

Den Trip nach Kenia Anfang der Woche nahm der Jamaikaner auf Bitten seines Freundes Jochen Zeitz, 46, vor. Erst neulich hatte der Vorstandschef der Puma AG eine nach sich benannte Stiftung gegründet, die weltweit nachhaltige Projekte fördert. Einen besseren Multiplikator aus dem Sport als den Olympiasieger aus der Karibik könnte Zeitz derzeit kaum haben.

Längst ist es so gekommen, wie es sich der Manager aus Herzogenaurach erhofft hatte: Bolt spielt in einer Liga mit Sportgrößen wie Tiger Woods (Golf) und Roger Federer (Tennis), den Nike-Weltstars. Gezielt wird der kecke Junge aus dem nordjamaikanischen Kaff Sherwood Content auf dem Weltmarkt inzwischen als verantwortungsvoller Global Player positioniert, dem erfolgreich der Blick über die Bahnbegrenzung hinaus gelingt.

In München sprach er vorige Woche über seinen Beitrag für eine bessere Welt: „Schon früh war ich mit der Natur verbunden und weiß daher, was nachhaltiges Verhalten wirklich bedeutet. Ich möchte andere inspirieren, mich auf dem ,Long Run’ zu begleiten.“ Klingt ein bisschen gedrechselt, aber Bolts Popularität macht es allemal wett.

Millionenofferte aus China

Mitte nächsten Jahres läuft dem Vernehmen nach sein jetziger Vertrag mit Puma aus. Schätzungsweise zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro kassiert der Sprinter von seinem deutschen Sponsor jährlich. Angesichts der Meriten in den Jahren 2008 und 2009 dürften es künftig deutlich mehr werden, zumal ein chinesisches Unternehmen im September einen fünfjährigen Ausrüstervertrag im Wert von umgerechnet rund 78 Millionen Euro offerierte – mit der Option, das Salär durch Prämien und eine eigenen Textilkollektion noch zu steigern. Angeblich besitzt Puma aber das Recht, mit jedem Angebot eines anderen Interessenten gleichziehen zu dürfen.

Diesen Herbst und den Winter über werden Bolts Manager nun nutzen, um ihren Klienten auch finanziell näher an die Riege der Weltstars zu bringen – und gleichzeitig an seinem neuen Image abseits der Tartanbahn zu werkeln. Carole Beckford, Bolts Presseagentin, erklärte im „Jamaica Observer“: „PR im Sport wird dann kritisch, wenn es darum geht, Image und einen guten Ruf aufzubauen und strategisch zu denken im Bezug auf Medien außerhalb des Sports, die direkt unsere Zielgruppe betreffen. Wir würden zum Beispiel mehr auf Lifestyle-Publikationen setzen. Auch Wohltätigkeit ist ein wichtiger Teil von PR, denn es steht für die Message: ‚Helfen, der Gemeinschaft etwas zurückgeben’ – Schlüsselbotschaften also zur Entwicklung einer Gesamtmarke.“

"9,58 SuperParty" Anfang Dezember

Der frühere Weltklasse-Hürdensprinter Colin Jackson (42) wie Bolt Botschafter für „The Long Run“, meint: „Sport ist eines der besten Mittel um Menschen für Themen zu sensibilisieren – ähnlich wie Musik, die alle Sprachbarrieren überwindet.“ Es ist insofern kein Wunder, dass Usain Bolt Anfang Dezember keine banale Dankesparty daheim in Jamaika schmeißt, sondern eine „9,58 SuperParty“ über gleich zwei Tage mit eine Serie von Aktivitäten, handverlesenen Promis, Tickets für Familien und Fans für 30 US-Dollar (rund 20 Euro) und dem Ziel, einen Fonds für wohltätige Zwecke anzufüllen, was u.a. einem Gesundheitszentrum in seiner Heimatstadt zugute kommen soll. Und außerdem, gibt Bolts Manager Norman Peart zu, geht es hierum: „Business.“

Längst hat Usain Bolt in Jamaika nicht nur Kult- sondern sogar Diplomatenstatus erlangt, auf der Insel ist eine Schnellstraße nach ihm benannt, er ist begehrter Gast in Talkshows wie „David Letterman“ und auf Galas wie jener des Leichtathletik-Weltverbandes – doch die Basis aller Möglichkeiten sind und bleiben seine Siege und die Zeiten, die er auf die Bahn trommelt.

Ob bewusst oder unbewusst, geformt wird der Mythos des Wunderläufers dabei durch Bolts enges Umfeld. Sein Trainer Glen Mills etwa ließ verlauten, Bolt werde die Weltrekorde über 100 und 200 Meter in den kommenden Jahren „definitiv“ noch weiter verbessern: „Ich denke noch immer, dass er bei seiner physischen Stärke, besonders bei seiner Größe, noch einige Schippen drauflegen kann. Vielleicht sogar noch 20 Prozent mehr.“

Bis Ende Dezember hat Usain Bolt noch Zeit für Aktivitäten abseits von Kraftraum und Bahn, dann wird der gestrenge Herr Mills zum Training für die neue Saison zurückbitten. Die nächsten Olympischen Spiele wird Bolt allerdings auslassen: Jamaikas Bobteam hätte ihn zwar in Vancouver 2010 gern als Anschieber an Bord gehabt, doch Bolt winkte ab: „Zu kalt.“ Alles geht eben doch nicht.