Spiel gegen Stuttgart

Der Psychotest für Hertha BSC

Hertha bleibt mindestens bis zum 4. April Tabellenführer - egal wie das Spiel heute gegen Stuttgart heute ausgeht. Doch der Trubel um Ebert und mögliche Tricks von Gegen-Torwart Lehmann machen die Partie zum Psychotest. Verfolgen Sie das Spiel im Live-Ticker von Morgenpost Online.

Foto: AP

Als er die Meisterschale aus Pappe sieht, grinst Jaroslav Drobny. Ein Fan am Trainingsgelände von Hertha BSC hat sie mitgebracht und Fotos aller Spieler drauf geklebt. Torwart Drobny unterschreibt auf seinem Konterfei und tippt dem Mann anerkennend auf die Schulter - vor dem Spiel beim VfB Stuttgart träumt Berlin weiter von der Meisterschaft. Und auch die Spieler wissen, dass sie in dieser Saison etwas Großes erreichen können. "Wir wollen unsere gute Serie so lang es geht halten", sagt Drobny.

Die meisten Spieler betonen, dass das offizielle Saisonziel die Qualifikation für den Uefa-Pokal bleibt. Jeder für sich macht sich aber inzwischen den Druck, mehr erreichen zu wollen. Das Spiel in Stuttgart ist für Hertha auch deswegen ein Psychotest. Unabhängig vom Ausgang der Partie bleiben die Berliner mindestens bis zum Spiel gegen Borussia Dortmund am 4. April Tabellenführer. Denn Hertha hat derzeit vier Punkte Vorsprung vor dem Tabellenzweiten Bayern München, und in der nächsten Woche ist Länderspielpause. Nun gilt es zu beweisen, dass auf Grund der guten Ausgangssituation keiner überheblich wird. "Stuttgart wird ein schweres Spiel für uns", sagt Drobny, und Manager Dieter Hoeneß fordert: "Die Mannschaft muss genau so arbeiten wie in den vergangenen Wochen. Dann sind in Stuttgart Punkte drin."

Trubel um Ebert trübt die Stimmung

Außerdem bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Profis von dem Trubel um Patrick Ebert ablenken lassen. Trainer Lucien Favre hat den 22 Jahre alten Mittelfeldspieler für das Spiel suspendiert, weil er in der Nacht zu Mittwoch bis 3.40 Uhr gefeiert hatte. Seit dem vergangenen Donnerstag trainiert Ebert mit der U 23 und spielt mit dem Nachwuchs morgen gegen den 1. FC Magdeburg. Hinsichtlich der Konzentration seiner Mannschaft "macht das etwas aus", ärgert sich Favre. In der Mannschaft ist das Fehlverhalten Eberts ein Thema. Vor allem die erfahrenen Spieler ärgern sich, dass die positive Stimmung getrübt wird. Statt über die Tabellenführung spricht ganz Berlin über Eberts Partynacht. Ein Radiosender imitiert sogar schon eine Werbung für einen Autowerkstatt, in dem eine Frauenstimme singt: "Ebert randaliert, Favre tauscht aus." Hertha muss auf einmal wieder Spott ertragen - trotz Platz eins.

"Es ärgert mich, dass er nicht begreift, dass er ein Vorbild für die Jugend ist", sagte Hoeneß Stern.de. Gerade in der aktuellen Phase sei das Ganze sehr unerfreulich. Zumal Hertha heute "ein richtiger Kampf" erwarte. Bis auf die Niederlage in Bremen (0:4) in der vergangenen Woche habe der VfB eine hervorragende Bilanz.

Trick-Gefahr bei Lehmann

Tatsächlich verfügt Stuttgart über die sechstbeste Offensive der Liga (42 Tore) und hat vor heimischem Publikum schon fünf Mal zu Null gespielt. Dies ist auch Jens Lehmann zu verdanken. Zuletzt fiel der ehemalige Nationaltorhüter aber nur durch Streitereien mit Gegenspielern auf. In Bremen geriet er mit Werders Diego aneinander. "Du bist ein Betrüger", sagte Lehmann und beschuldigte den Brasilianer, Fouls zu schinden. Diego wehrte sich: "Er macht in jedem Spiel Probleme und provoziert."

In der Partie gegen die TSG Hoffenheim (3:3) hatte der 39-Jährige den Schuh von Sejad Salihovic, denn der Bosnier im Strafraum verloren hatte, auf das Tor geworfen. Lehmann scheint die Leistungsträger des Gegners bewusst provozieren und verunsichern zu wollen. "Wenn ich die Aktionen von Lehmann im Fernsehen anschaue, lache ich drüber. Ich habe großen Respekt vor ihm. Wenn ich sauer bin, versuche ich aber, meine Gefühle im Griff zu haben", sagte Drobny. Im Hinspiel (2:1) im vergangenen Oktober hatte Lehmann versucht, für Unruhe zu sorgen und sich über eine Kamera im Tor beschwert. In der Nachspielzeit hatte er beinahe den Ausgleich erzielt.

Pantelic dabei

Marko Pantelic beobachtete die Szene damals von der Tribüne. Favre hatte den Stürmer aus dem Kader gestrichen, weil er in der Woche vor der Partie ein Training verschlafen hatte. Heute wird der Serbe dem Aufgebot der Berliner angehören, aber auch im dritten Spiel nach seiner Verletzung nicht von Beginn an spielen. Für den suspendierten Ebert wird wohl Nicu auf die rechte Außenbahn rücken, für den wiederum Babic auf links spielen wird. "Ich versuche, der Mannschaft auch Rückenwind zu geben, wenn ich nicht spiele", sagte Pantelic. Seine Körpersprache aber verrät, dass seine Unzufriedenheit mit jeder Woche auf der Ersatzbank größer wird.