Motorsport

Peking feiert das Dreamteam Schumacher/Vettel

Beim "Race of Champions" in Peking treten Formel-1-, Rallye- und Tourenwagen-Piloten gegeneinander an. Die Fans feiern Michael Schumacher, als Botschafter guter deutscher Tugenden ihr Held. Er siegte mit Sebastian Vettel, der als Sieger von Shanghai die Herzen der chinesischen Motorsportfreunde gewann.

Foto: AP

Der Typ ist immer noch ein Star. Nur mit Mühe und sanfter Gewalt können zehn Mitglieder der Race-of-Champions-Organisation (ROC) einen Schwarm junger Chinesen und Chinesinnen davon abhalten, Michael Schumacher über den Haufen zu rennen, um ein Autogramm zu ergattern. Der Mann tut zwar sein Möglichstes, die Fans in den Katakomben des Vogelnests in Peking zufrieden zu stellen, doch irgendwann wird es ihm zu viel – so ein Rentner braucht schließlich auch mal seine Ruhe.

Zugegeben: Michael Schumacher ist mit seinen 40 Jahren ein bemerkenswert fitter Ruheständler. Drahtig wie zu aktiven Formel-1-Zeiten, die bereits drei Jahre zurückliegen, schwingt sich der siebenmalige Weltmeister in die zwei verschiedenen ROC-Buggys und fegt über die gut 1100 Meter lange Strecke im Olympiastadion, als habe er sein Cockpit erst gestern verlassen. Und die rund 20.000 Chinesen, die sich in der 80.000 Menschen fassenden Arena etwas verlieren, sind begeistert – Schumacher als Botschafter guter deutscher Tugenden ist ihr Held, obwohl sich die stürmisch bejubelten einheimischen Fahrer immerhin bis ins Halbfinale des Nationen-Cups gedriftet hatten.

Mit den Namen der anderen ausländischen Fahrer kann die junge Autonation China allerdings noch nicht viel anfangen: Ein Dakar-Sieger Giniel de Villiers oder ein Rallye-Pilot Tanner Foust sind dem Publikum genauso fremd wie der französische World-Touring-Car-Champion von 2008, Ivan Muller, oder das Ass der Deutschen Torenwagen-Meisterschaft, Mattias Ekström. Für immer ins Herz geschlossen haben sie außer Schumacher allerdings den siebenmaligen Le-Mans-Gewinner Tom Kristensen, der einst mit seinem Audi-Rennboliden über den Platz des Himmlischen Friedens rollte, sowie den Zweiten der Formel-1-WM, Sebastian Vettel, der als Sieger des Regenrennens von Shanghai im April die Herzen der chinesischen Motorsportfreunde gewann.

Doch ging es damals in harten Fights um wichtige WM-Punkte, klopfen sich die Piloten beim alljährlichen Saisonabschluss der Motorsportwelt neidlos auf ihre durchtrainierten Schultern – wie auch immer die Rennen ausgehen. Denn was die Temporecken da beim seit 21 Jahren existierenden Race of Champions leisten, ist beste Unterhaltung. Vettel bringt es auf den Punkt: „Das ist ein Riesenspaß hier, wenn man mal gegen Rallye- und Tourenwagenpiloten antreten kann. Aber wenn du den Helm aufsetzt, willst du gewinnen.“

Und so fahren sie auch alle. Voll am Limit, auch wenn sie keinen Pfennig für ihren Auftritt bekommen. Aber es gilt, ein Image zu verteidigen. Oder zu betonieren. Die vielen Berührungen mit den weichen Banden enden fast immer glimpflich, der Kick auf eine Betonbegrenzung setzt schon mal ein Auto schachmatt. Die Zuschauer freut’s, auch wenn sie sich wegen eines plötzlichen Kälteeinbruches in Peking die Nasen blau frieren und eine dünne Schneedecke hartnäckig die kargen Rasenflächen in der Mitte des Asphaltbandes bedeckt. Für den fairen Eintrittpreis zwischen umgerechnet zehn und 62 Euro pro Tribünenplatz harren sie bis zum Ende der Veranstaltung gegen Mitternacht aus. „Das Publikum ist hier wirklich enthusiastisch“, sagt Schumacher.

China ist schon Autobau-Nation Nummer drei

Ein Grund mehr, dass der PS-Zirkus – erfunden und veranstaltet von der früheren Rallyefahrerin Michele Mouton und ihrem Gatten Fredrik Johnsson – nach Stationen auf Gran Canaria, in Paris und London nun die chinesische Hauptstadt zum Mittelpunkt des Saisonabschlusses erkoren hat: Als Autobau-Nation hat sich China auf Platz drei nach den USA und Japan gearbeitet, zu den bislang vier im Riesenreich verteilten Rennstrecken kommen in absehbarer Zeit vier weitere Formel-3-fähige Schleifen. Der Automarkt hat pro Jahr die Acht-Millionen-Grenze erreicht, und ein Engagement im Reich der Mitte hat bei europäischen Firmen oberste Priorität. So feiert Volkswagen gerade Absatzrekorde (von Januar bis Oktober 1,19 Millionen verkaufte Autos), dreht „Der 7. Sinn“-Folgen nach für den chinesischen Markt und ist mit einem eigenen Scirocco-Cup in den chinesischen Motorsport eingestiegen.

Das Race of Champions nährt zudem den Hunger auf schnelle Autos. Nachdem Schumacher im spannenden Finale gegen Formel-1-Weltmeister Jenson Button gewann und Vettel gegen Andy Priaulx verlor, musste ein Stechen her: Schumacher gegen Priaulx. Der Deutsche gewann im 170-PS-Buggy. Damit kassierten Schumacher und Vettel bereits zum dritten Mal hintereinander die prestigeträchtige Nationenwertung. Wenn’s nach Vettel geht, sollte das noch ein paar Jahre so bleiben: „So alt ist Schumacher ja noch nicht...“

Im Einzelrennen setzte sich Schumacher im Halbfinale gegen seinen Landsmann Vettel durch, fand aber im Endlauf in DTM-Star Mattias Ekström seinen Meister. „Es gibt keinen Grund, enttäuscht zu sein. Es gab halt einen, der besser war, und das war Mattias“, sagte Schumacher.