Kolumne "Boxenfunk"

Schumacher und Vettel auf getrennten Wegen

Die rennfreie Zeit nutzen die Stars der Formel 1 zum Urlaub machen. Und im Winter bietet sich da das Skifahren an. Während Michael Schumacher und Niki Lauda in einem kleinen Dorf am Arlberg auf ihren gewohnten Luxus verzichten, hat Sebastian Vettel ein eigenes Fitness-Studio bekommen.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb/dpa

Zug. Ein Minidorf oberhalb von Lech am Arlberg. 104 Einwohner. Eine winzige Kirche. Seit ein paar Tagen ist der Schnee zurück. Die Saison ist eröffnet in einem der schönsten Skigebiete Österreichs.

Mit dem Schnee kommt auch die Formel 1 hierher, seit Jahrzehnten. Zug gehört nämlich zu großen Teilen zwei Männern, die zwischen März und November die schnellsten Autofahrer der Welt ernähren: Karl-Heinz Zimmermann und Joschi Walch. Zimmermann ist der Wirt, der die Hospitality von Chef Bernie Ecclestone mit Leben und kulinarischen Köstlichkeiten erfüllt. Hier speisen Könige, Staatsoberhäupter und Vorstände großer Unternehmen. Und Niki Lauda, der schon lange mit Zimmermann befreundet ist.

Berühmt geworden ist Karl-Heinz Zimmermann, weil er, ein passionierter Jäger, bei jedem WM-Gewinn Michael Schumachers mit einer großen Pistole ein paar krachende Schüsse in den Himmel schickte, die das ganze Fahrerlager in Angst und Schrecken versetzten. Danach trank Schumacher regelmäßig einige Gläser besten Rotweins und rauchte seine Siegerzigarre.

Lauda und Schumacher werden auch dieser Tage wieder im einfachen Gasthaus von Zimmermann logieren, mit Toilette auf dem Gang und in ursprünglichster Alpen-Manier.

Nur ein paar Schritte entfernt befindet sich das Hotel von Joschi Walch. Gut möglich, dass den Gästen hier in den nächsten Tagen Fast-Weltmeister Sebastian Vettel über den Weg läuft. Denn Walch und seine Familie sind zu so etwas wie seinem zweiten Zuhause geworden.

Und so, wie Schumacher regelmäßig die Nähe von Zimmermann suchte, sucht Vettel jetzt die von Walch. Auch, weil Zimmermann und Walch nicht unterschiedlicher sein könnten.

Der ältere, Zimmermann, erfahren, konservativ, mächtig. Der jüngere, Walch, stämmig, ein bisschen spitzbübisch und modern. Während Zimmermann sein Gasthaus so belässt, wie es Jahrzehnte lang war, baut Walch permanent aus: Wellness, moderne Zimmer und beste Küche. Hier fühlt sich Vettel wohl. So wohl, dass Walch seinem „Baschti“ jetzt sogar ein kleines eigenes Fitness-Eldorado gebaut hat.

Lange Jahre stand Walch für die modernste Form der Gastgeberschaft in der Formel 1. Er führte die Mega-Hospitality von BMW. Journalisten- und Besuchermagnet. Es wäre bedauerlich, würde dieser Mann der Königsklasse nicht erhalten bleiben. Vielleicht engagiert ihn ja Norbert Haug für sein neues Team Mercedes-Team.

Peter Lauterbach (32) reist seit zehn Jahren mit der Formel 1 um die Welt und ist Reporter beim Pay-TV-Sender Sky. Er betrachtet jeden Montag die Formel 1 bei Morgenpost Online.