Fußball-Bundesliga

Hertha BSC gibt Junior Cesar einen Korb

Der Transfer des Brasilianers Junior Cesar nach Berlin ist geplatzt. Manager Dieter Hoeneß beugte sich Trainer Lucien Favre und sagte dem 26-Jährigen ab. Eine Niederlage für Hoeneß – und er hatte am Dienstag noch mehr zu schlucken.

Foto: AP

Mit Spannung war die Präsidiumssitzung um 17 Uhr bei Hertha BSC erwartet worden. Es ging um die Frage, ob es sich der Fußball-Bundesligist in diesem Winter leisten kann, einen Spieler zu holen. Und darum, wie der Klub die Etat-Lücke von rund 7,5 Millionen Euro für die Saison 2009/10 ausgleichen kann. Doch die wirklich wichtigen Entscheidungen fielen außerhalb des Gremientreffens.

So musste sich Manager Dieter Hoeneß beim Treffen am Mittag mit Michael Preetz, dem Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, den Scouts sowie Cheftrainer Lucien Favre der Meinung von Favre beugen. Hoeneß hatte vergangene Woche sechs Tage in Brasilien verhandelt. So waren fast alle Bedingungen für einen Transfer von Junior Cesar (26) von Fluminense Rio de Janeiro geklärt. Doch der Trainer war nicht überzeugt, dass der kleine Verteidiger (1,66 m) eine echte Verstärkung ist. Der Transfer wurde abgesagt. Hoeneß: „Das Thema ist vom Tisch. Der Spieler ist über den Berater informiert worden. Der war nicht zufrieden. Cesar hatte sich schon auf Berlin gefreut.“

Diese Erfahrung hat Hoeneß intern noch nicht oft gemacht, dass ein Abschluss, der weitgehend vorbereitet war, am Widerstand des Trainers gescheitert ist. Trotzdem ist das eine weise Entscheidung. Die Präsidiumssitzung am Abend ergab, dass Hertha im Winter finanziellen Spielraum für einen Transfer hat. Da ist es sinnvoll, dass alle Beteiligten (Hoeneß, Preetz, Favre) sich einig sind, dass der Neue auch hilft.

Hertha kann im Winter einen Profi holen

Davon abgesehen bleibt die Herausforderung bestehen, jemanden für die linke Seite zu finden. Bei einer Verletzung oder Formkrise von Marc Stein hat Hertha derzeit keine bundesligataugliche Alternative. Bis zum 31. Januar, dem Ende der Transferfrist, hat Hertha BSC nun Zeit, jemanden zu finden.

Nach dem Treffen des Präsidiums, das im Sitzungszimmer auf der Geschäftsstelle stattfand, wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht. Dort stand unter anderem: „Im Vorfeld der Sitzung haben sich Dieter Hoeneß, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Präsident Werner Gegenbauer ausgesprochen und vereinbart, in Zukunft Diskussionen und Meinungsunterschiede wieder intern auszutragen. Die öffentliche Reaktion tut weder Herthas BSC noch Dieter Hoeneß gut und wäre besser vermieden worden.“

Das ist nun eine Dreiviertel-Entschuldigung von Gegenbauer. Der hatte vor zehn Tagen öffentlich Auftritte des Managers gerügt. Dieser habe aus der Chance, „den Aufschwung von Hertha darzustellen, Dieter-Hoeneß-Festspiele gemacht“. Kritiker werden das als Einknicken des Präsidenten vor Hoeneß werten.

Dazu ist anzumerken: Immerhin hat Gegenbauer die völlige Unterwerfung vermieden. In der ursprünglichen Form soll die Pressemitteilung Formulierungen enthalten haben wie: Es sei „nicht die Absicht gewesen, die Person Dieter Hoeneß“ zu beschädigen. Oder Gegenbauer „entschuldige sich in aller Form“. Natürlich wird Hertha diesen Vorgang vehement dementieren. Da letzten Endes eine deutlich abgeschwächte Form an die Medien verschickt wurde, lässt sich schlussfolgern, dass der Präsident immerhin um seine Autorität gekämpft hat.

Für das Spieljahr 2009/10 legte Finanzchef Ingo Schiller „ein Bündel an Maßnahmen“ vor, um die Mindereinnahmen aus dem künftig geringer dotierten TV-Vertrag auszugleichen. Die genauen Zahlen werden zum Lizenzierungsverfahren im März 2009 erarbeitet.