Uefa-Cup

Herthas Hoffnung ruht auf Pantelic

Mit Nistru Otaci wartet auf die Berliner im Uefa-Cup heute eine Pflichtaufgabe. Hertha zeigt sich vor dem Spiel gegen das Team aus Moldawien siegesgewiss. Trüge der Gegner allerdings einen prominenteren Namen gäbe es durchaus Grund zur Sorge: Nur 17 Feldspieler stehen zur Verfügung.

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Vor ein paar Tagen hat sich Lucien Favre das moldawische Team von Nistru Otaci angeschaut und ist nicht gerade vor Ehrfurcht erstarrt. „Die stehen mit zehn Mann hinten drin, hinter dem Ball. Nach vorne, muss ich sagen, haben sie nicht so viel gemacht“, sagte der Trainer von Hertha BSC. Ein lausiges 0:2 von Otaci gegen Sheriff Tiraspol hatte er gesehen, nach zwei Spieltagen hat der Vorletzte der moldawischen Liga noch keinen Punkt. Der Schweizer formuliert bisweilen auch aus so einem Fakt noch ein Kompliment („defensiv sind sie gut“), aber eigentlich ist die Sache auch für ihn klar: „Wir müssen uns gegen diese Mannschaft qualifizieren, ganz klar. Wir sind Favorit.“

In Berlin die Weichen stellen

Und so herrschte am Mittwoch im Novotel am Berliner Tiergarten nicht gerade überhöhte Alarmbereitschaft. Gerade war die Mannschaft aus dem zwölftägigen Trainingslager in Österreich zurückgekehrt. Gelangweilt löffelten sie ihre Suppe, während im Nachbarraum die Verantwortlichen eine klare Devise für die erste Qualifikationsrunde im Uefa Cup gaben. „Wir müssen mit Tempo spielen und dürfen sie keinen Moment in Ruhe lassen“, sagte Favre. Und auch Manager Hoeneß forderte, das Team müsse „schon in Berlin die Weichen für das Weiterkommen stellen“. Rund 10000 Zuschauer erwartet der Verein heute im Jahnsportpark (20.15 Uhr, live im DSF) – ein Wert, der sich, so Hoeneß, „von Runde zu Runde steigern soll“. Sollte das Rückspiel am 31. Juli (19 Uhr) in Chisinau nicht als Ort einer großen Blamage in die Vereinschronik eingehen, stünde danach auch das Olympiastadion wieder für Uefa-Cup-Auftritte zur Verfügung. Heute ist es wegen der Vorbereitung auf ein Festival nicht nutzbar.

Der Wettbewerb soll vor allem das Image von Hertha BSC aufpolieren. „Unserem Ruf tut es gut, dass wir über die Fair-Play-Wertung in den Uefa-Cup gekommen sind“, sagte Hoeneß. Das gelte aber nur, wenn man knapp zwei Jahre nach dem letzten Uefa-Cup-Spiel die unverhoffte Chance auch nutze. Kommt Hertha gegen Otaci weiter, folgt eine weitere Qualifikationsrunde im August und selbst danach trennt den Verein noch eine Runde von der angestrebten Gruppenphase. „Das ist keine große Zusatzbelastung“, sagt Hoeneß, „in England macht sich auch kein Mensch Gedanken, wenn im Laufe einer Saison 50 Spiele zusammenkommen.“ In den vergangenen Tagen reduzierte Favre dennoch das tägliche Trainingspensum von zwei auf eineinhalb Stunden am Tag.

Mit dem letzten Aufgebot

Trüge der Gegner allerdings einen prominenteren Namen gäbe es durchaus Grund zur Sorge. Ganze 17 Feldspieler stehen zur Verfügung, vier davon sind 18 Jahre oder jünger und ohne Bundesligaerfahrung. Arne Friedrich ist noch im Urlaub, Leistungsträger wie Josip Simunic (Sehnenreizung) fallen aus. Von den bisher verpflichteten vier Zugängen sind mit Nicu und Rodnei zwei verletzt und mit den anvisierten drei weiteren neuen Spielern sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Und so ruhen die Hoffnungen nach zwei torlosen Testspielen in Folge vor allem auf Stürmer Marko Pantelic, der nach überstandenen Wadenproblemen zur Verfügung steht. „Ich war sehr froh, als ich das gehört habe“, sagte Hoeneß, „Marko ist eine Garantie für Tore.“

Die gab es schließlich zuletzt eher selten in Uefa-Cup-Auftritten der Berliner. Ästheten erinnern sich mit Schaudern an die Auftritte der Saison 2005/06. Damals genügte ein einziges Tor in vier Spielen zum Überstehen der Gruppenphase, in der Zwischenrunde schied das Team dann gegen Rapid Bukarest aus. Ohne ein Tor erzielt zu haben, versteht sich.