Basketballstar im Interview

Nowitzki zu Alba? "Nicht ausgeschlossen"

Nach Berlin kam er wegen des Olympia-Testspiels gegen Polen. Dirk Nowitzki gewann es am Abend mit seiner Mannschaft 92:70. Im Interview mit Morgenpost Online spricht der Star des US-Basketballliga NBA über seine Olympia-Ambitionen, einen möglichen Wechsel nach Berlin, seine Autobiografie - und Geheimnisse.

Morgenpost Online: Herr Nowitzki, Sie haben in den vergangenen Tagen wieder ein paar neue deutsche Basketballspieler kennen gelernt: Konrad Wysocki, Philip Zwiener, Rouven Roessler, Tim Ohlbrecht – ist das die Zukunft des deutschen Basketballs?

Dirk Nowitzki: Ich muss sagen, die haben mich positiv überrascht. Es war ja für alle am Samstag gegen Polen ihr erstes Länderspiel. Ich fand das richtig gut, was die gezeigt haben. Keiner war nervös, keiner hat Angst gezeigt. Es hat Spaß gemacht, ihnen zuzuschauen.

Morgenpost Online: Wer von ihnen hat das größte Potenzial?

Nowitzki: Wysocki, Roessler, die sind ja schon ein bisschen älter. Am meisten kann sich sicher der Ohlbrecht noch verbessern. Der wird erst 20 dieses Jahr, hat mich überrascht von seiner Athletik her, hat eine gute Nase für den Ball, für Blocks, für Rebounds. Rennen kann er unglaublich. Das wird noch ein richtig guter Spieler.

Morgenpost Online: Sind diese Spieler die Zukunft des deutschen Basketballs? Wird Ihnen bei dem Gedanken Angst und Bange oder kann man mit denen an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen?

Nowitzki: Wie sie sich bei ihrem ersten Länderspiel präsentiert haben, das war gut. Aber da müssen natürlich noch mehr Spieler kommen. Wir haben ja noch den Jan Jagla, Steffen Hamann, die werden noch ein paar Jahre dabei sein. Wir brauchen einen guten Mix, damit das passt.

Morgenpost Online: Jetzt ist der Fokus aber erst einmal auf das Olympia-Qualifikationsturnier in Athen gerichtet. Ist es das wichtigste Turnier der Karriere für Sie?

Nowitzki: Wenn wir hier jetzt so darüber sprechen, sage ich: ja! Vor vier Jahren hätte ich sicher was anderes gesagt, aber im Moment schon, denn ich habe nicht mehr so viele Chancen auf Olympische Spiele. Von daher ist es internationale im Moment schon das wichtigste Turnier für mich. Ich fühle mich gut. Das Trainingslager in Mallorca war anstrengend. Aber wir haben noch zwei Wochen bis Athen, und ich bin zuversichtlich, dass ich bis dahin gut drauf bin.

Morgenpost Online: Es gibt ein paar Ausfälle: Johannes Herber wird fehlen, Mithat Demirel, bei Ademola Okulajas Rücken weiß man nicht genau, ob der bis Athen wieder heil ist. Ist das ein zu schwerer Verlust oder vielleicht auch eine Chance, weil die neuen Spieler international noch nicht so bekannt sind und die Gegner überraschen können?

Nowitzki: Ein bisschen beides. Johannes hat bei der letzten EM super gespielt, nicht nur gut getroffen, auch gut verteidigt. Er kennt seine Rolle. Mithat ist von seinem Basketball-IQ her einfach einer der cleversten Spieler, mit denen ich jemals gespielt habe. Wie er ein Spiel lenkt, die Pässe, die er gibt. Von der Jugend an habe ich immer sehr gern mit Mithat zusammengespielt. Von daher tun diese Ausfälle weh, aber ich glaube schon, dass wir genügend Spieler haben, um das aufzufangen. Bei Ademola hoffen wir alle, dass er rechtzeitig fit wird. Er war über die Jahre einer der besten europäischen Spieler. Er hat so viel Erfahrung. Da schauen wir mal.

Morgenpost Online: Sind die Jüngeren besonders motiviert, weil sie spüren: Auch für uns ist das vielleicht die letzte Chance auf Olympische Spiele, weil Dirk Nowitzki noch dabei ist?

Nowitzki: Als junger Spieler hat man sowieso immer volle Energie, egal ob es beim Training ist oder beim Spiel. Schon beim Essen freut man sich, dabei zu sein. Das hängt nicht mit dem olympischen Jahr zusammen. Das wäre genauso bei irgendeinem Spiel auf Zypern. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal unter dem damaligen Bundestrainer Lucic dabei war. Das war eine Riesenehre für mich, mit den ganzen Alten von damals zusammenzuspielen, Henning Harnisch, Kai Nürnberger, Chris Welp, Hansi Gnad, Michael Koch. Alles, was Rang und Name hatte. Das war schon eine tolle Erfahrung, mit denen im Training zu stehen.

Morgenpost Online: Wie sieht denn Ihre Planung für die nähere Zukunft aus?

Nowitzki: Erst mal hoffe ich ja, dass wir uns diesen Traum von Olympia erfüllen. Danach brauche ich sicher ein paar Jahre Pause im Nationalteam. Aber ganz aufhören, das will ich jetzt nicht sagen. Ich will mir das Ende offen halten. Wenn wir in ein paar Jahren wieder eine gute, gesunde Truppe haben und es mir Spaß macht, dann muss ich einfach sehen, wie mein Körper mitspielt. Jetzt lege ich erst mal all meine Energie darauf, meinen anderen Traum zu erfüllen, den Gewinn der NBA-Meisterschaft. Da ist schon nicht schlecht, den Sommer Pause zu machen und danach voll regeneriert in die NBA-Saison einzusteigen. Mit auskuriertem Körper.

Morgenpost Online: Einer wie der Spanier Pau Gasol hat bis vor kurzem bei einer Verlierer-Mannschaft gespielt, den Memphis Grizzlies. Dann wechselte er zu den Los Angeles Lakers und wäre beinahe NBA-Champion geworden. Nun sind Ihre Dallas Mavericks nicht so schlecht, aber wäre ein Wechsel trotzdem eine Option für Sie?

Nowitzki: Eigentlich möchte ich das nicht machen, aber ich will auch nicht sagen, dass das nie passiert. Ich bin jetzt 30, habe noch drei Jahre Vertrag in Dallas und will in dieser Zeit den Ring holen. Wenn das nicht klappt, kann ich immer noch sehen, was möglich ist: Wo hat man die besten Chancen? Ich bin aber positiv eingestellt, dass wir das in den nächsten drei Jahren in Dallas hinkriegen.

Morgenpost Online: Vor kurzem hat Axel Schweitzer, Aufsichtsratschef von Alba Berlin, seinen Traum preisgegeben, Sie zu Alba in die Bundesliga zu holen. Ist das reine Träumerei?

Nowitzki: Ich habe davon gehört. Ausschließen möchte ich nie etwas. Wenn mir Basketball mit 36, 37 oder 38 noch Spaß macht, aber es körperlich keine 100 NBA-Spiel mehr hergibt, ob man dann in Europa oder sogar Deutschland noch mal spielt, das muss man mal sehen. Manche Spieler haben das ja gemacht. Ich möchte mir da keine Tür zuschlagen. Die Zukunft ist total offen. Wenn die mich wirklich noch haben wollen mit 38 oder vielleicht ein bisschen früher, mal sehen. Meine Nummer eins war immer, dass es mir Spaß machen muss. Wenn ich mal aufstehe und mir sage: Oh, ich muss jetzt zum Training gehen, dann höre ich lieber auf. Wenn ich feststelle, ich kann in der NBA nicht mehr mithalten, aber Spaß macht es mir noch, dann kann auch so was passieren. Ich halte mir das völlig offen.

Morgenpost Online: Am Dienstag kommt die Biografie „Nowitzki“ heraus. Sie haben daran mitgearbeitet. Gefällt Ihnen das Buch?

Nowitzki: Es ist, glaube ich, gut geworden. Das war ein hartes Stück Arbeit. Mit 12 oder 13 Jahren wusste man ja nicht, was aus mir wird, deshalb hat da keiner was aufgeschrieben. Und wenn man jetzt die Story aus Sicht meines Vaters oder von mir selbst sieht – die liegen sooo weit auseinander (lacht). Dazu die Interviews, die mit meinem Berater Holger Geschwindner oder meiner Schwester Silke geführt wurden für das Buch – von daher war es nicht einfach. Aber ich glaube, dass das Buch einen ganz guten Einblick gibt. Sind schon sehr interessante Kapitel dabei.

Morgenpost Online: Sie waren doch eigentlich eher verschlossen, wenn es um Ihr Privatleben ging. Plötzlich erfahren wir sehr persönliche Dinge, über Selbstzweifel, die erste Freundin, dass Sie Höhenangst haben. Warum jetzt diese plötzliche Öffnung mit 30?

Nowitzki: Über die Jahre gibt es doch eigentlich keine Geheimnisse mehr. Man erfährt ja alles über Internet. Über Google Earth kannst du jetzt schon mein Haus anschauen. Mittlerweile weiß jeder alles, viel zu verstecken habe ich nicht.

Morgenpost Online: Glauben Sie denn, dass Sie nach der Karriere ein ganz normales Leben werden führen können? Oder wie Michael Schumacher abgeschirmt in der Schweiz? Oder wie Boris Becker im Jetset mal hier mal da sein werden? Wie soll das bei Ihnen aussehen?

Nowitzki: Da stellt man schon Überlegungen an, was man vor fünf, sechs Jahren noch nicht getan hat. So richtig bin ich mir da nicht im Klaren. Familie soll auf jeden Fall kommen. Dann wird man sehen, wo sich die Familie am wohlsten fühlt. Ich fühle mich an vielen Plätzen auf der Welt wohl – Amerika oder Deutschland. Irgendwas muss ja auch beruflich noch kommen. Ich kann ja nicht den Rest meines Lebens nur auf dem Hintern sitzen. Da muss eine Herausforderung kommen, insofern kann ich mir schon vorstellen, dem Basketball erhalten zu bleiben. Weil ich dem Basketball so viel zu verdanken habe.