Kommentar

Was soll Alba Berlin bloß mit Peyton Siva machen?

| Lesedauer: 3 Minuten
Dietmar Wenck
Häufig verletzt: Peyton Siva hat in seinen fast fünf Jahren bei Alba Berlin schon sehr häufig gefehlt.

Häufig verletzt: Peyton Siva hat in seinen fast fünf Jahren bei Alba Berlin schon sehr häufig gefehlt.

Foto: Montage: Dietmar Wenck/ picture alliance / Andreas Gora

Mit einem gesunden Peyton Siva wäre Alba noch stärker. Doch oft stoppen ihn Verletzungen. Was tun mit ihm?, fragt sich Dietmar Wenck.

Die Blicke des Mannes hinter der Werbebande sagen mehr als tausend Worte. Wie oft hat Peyton Siva schon dort Platz genommen, Platz nehmen müssen, bei denen, die nicht mitspielen können? Mal waren es die Rippen, mal die Oberschenkelmuskulatur, der Ellenbogen, das Knie, die Schulter, der Kopf, jetzt zum wiederholten Mal das Sprunggelenk – niemand im Team von Alba Berlin hat größeres Verletzungspech als er. Der 30-jährige Amerikaner, von seinen Kollegen hochgeschätzt und liebevoll „Pey-Pey“ genannt, leidet darunter am meisten. Aber auch für seinen Klub ist die Situation schwer.

Alba Berlin vermisst den Leistungsträger Peyton Siva

Um den angestrebten Weg nach vorn in der Basketball-Euroleague zu beschreiten, kann Alba die Hilfe eines so spielintelligenten, giftigen und selbst in wichtigen Situationen nicht zweifelnden Regisseurs gut gebrauchen. Erinnert sei nur an seinen Dreier gegen Villeurbanne im vergangenen November zum 76:75 kurz vor Schluss. Kaum von seiner Coronavirusinfektion genesen, sicherte er seiner Mannschaft mit diesem Wurf den ersehnten Sieg, obwohl er vorher gar nichts getroffen hatte. Die Fans lieben den mit nur 1,82 Meter Kleinsten in der Alba-Mannschaft wegen seines großen Kämpferherzens, weil er nie aufgibt. Weil sein Anteil am Alba-Aufstieg unbestritten ist. Der deshalb einer der Top-Verdiener bei Alba ist.

Trotz aller Rückschläge hat sich Siva auch in der Euroleague zum Leistungsträger entwickelt, steuert rund zehn Punkte und fünf Assists pro Spiel bei. Seine Alley-oop-Pässe sind ein echter Spaß-Bringer. Er ist ein wichtiges Puzzleteil im Angriff wie in der Verteidigung der Berliner. Aber nicht nur er muss nach jeder neuerlichen Verletzung seinen Rhythmus wiederfinden. Auf seine Mannschaft trifft das genauso zu, wenn der erste Spielmacher erst ausfällt und wieder zurückkehrt. Gerade in dieser Saison, die durch das Coronavirus noch komplizierter geworden ist, wird jeder Mann gebraucht. Jeder Mann, der spielen kann.

Im Sommer hat Alba ein Überangebot an Spielmachern

Siva versucht einiges, um weniger Verletzungen zu erleiden, hat zum Beispiel seine Ernährung umgestellt, spezielle Trainingsmethoden entwickelt. Sein Spiel kann er nicht verändern, es lebt von seinem Einsatz, seiner Furchtlosigkeit, sich auch dann ins Getümmel zu stürzen, wenn um ihn herum lauter harte Kanten auf ihn warten. Das erhöht natürlich die Gefahr, sich nach dem dritten oder vierten Ballgewinn, nach dem fünften oder sechsten Rebound die nächste Verletzung abzuholen.

Die Verantwortlichen Alba Berlins stehen im Sommer auf der Position des Spielmachers vor sehr schweren Entscheidungen. Der Vertrag von Siva läuft nach fünf Jahren aus. Die Euroleague-erfahrenen Maodo Lo (28) und Jayson Granger (31) haben 2020 nur für ein Jahr unterschrieben; beide überzeugen in dieser Saison dermaßen, dass es jetzt schon schwerfällt, sich eine Alba-Zukunft ohne sie vorzustellen. Außerdem sind die talentierten Stefan Peno (Vechta) und Tamir Blatt (Hapoel Jerusalem/beide 23) noch bis 2023 an Alba gebunden und derzeit nur ausgeliehen. Und Albas hochbegabtes Eigengewächs Jonas Mattisseck (21) ist ja auch noch da.

Manchmal möchte man in der Haut von Geschäftsführer Marco Baldi, Cheftrainer Aito Garcia Reneses oder Sportdirektor Himar Ojeda stecken. Manchmal aber auch nicht.

Mehr Kommentare zu Alba Berlin finden Sie hier.