Kommentar

Warum Alba Berlin keinen Aito-Nachfolger suchen muss

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Dietmar Wenck
Israel Gonzalez hat von den elf Spielen als Alba-Cheftrainer sieben gewonnen - ein würdiger Aito-Nachfolger findet Dietmar Wenck.

Israel Gonzalez hat von den elf Spielen als Alba-Cheftrainer sieben gewonnen - ein würdiger Aito-Nachfolger findet Dietmar Wenck.

Foto: dpa/Reto Klar

Israel Gonzalez hat bewiesen, dass er bereit ist, bei Alba Berlin Aitos Nachfolger zu werden, findet Dietmar Wenck.

Berlin. Haben es auch alle mitbekommen? Aito Garcia Reneses hat beim Euroleague-Spiel gegen ZSKA Moskau wieder seine Rolle als Cheftrainer bei Alba Berlin übernommen. Die Frage ist natürlich ketzerisch, denn der Spanier ist eine der außergewöhnlichsten Trainerpersönlichkeiten in Europa, und seine Rückkehr wurde förmlich herbeigesehnt nach seiner Corona-Erkrankung. Vor allem von Alba Berlin. Jetzt ist er wieder der Mann ohne Maske auf der Alba-Bank, jetzt nimmt er wieder die Auszeiten, sagt den Profis die nächsten Spielzüge an und fragt die Schiedsrichter, warum sie so oder so entschieden haben.

Der Hintergrund der Frage war ein anderer: Der jüngste Übergang vom Headcoach zum Associate Headcoach und zurück zum Headcoach war so fließend, dass er beinahe nicht auffiel. Israel Gonzalez hat einen guten Job gemacht. In elf Spielen war der 45-Jährige hauptverantwortlich. Auch wenn seine kurze Amtszeit quasi an Heiligabend begann, mit dem Bekanntwerden des positiven Covid-19-Tests von Aito, sie ist ihm nicht wie ein Weihnachtsgeschenk in den Schoß gefallen. Gonzalez bereitet sich seit Jahren an Aitos Seite darauf vor, dreieinhalb in Berlin und davor zwei Spielzeiten bei CB Gran Canaria.

Die Philosophien von Aito und Gonzalez sind gleich

Gonzalez hat in der Übergangszeit nicht alles auf den Kopf gestellt, seine Philosophien vom Basketball und vom Coaching sind denen seines Vorbildes und Lehrers sehr ähnlich. Natürlich sind da kleine Unterschiede. Obwohl er es nicht zugeben mag: Er nimmt eher mal eine Auszeit. Gonzalez sitzt auch nicht ganz so ruhig und äußerlich entspannt auf seinem Stuhl, während vor seinen Augen die Basketball-Post abgeht. Aber das hat Aito mit 45 auch nicht getan. Jetzt ist er 74. Das sind Nuancen.

Die Spieler sagen, ihr zweiter Headcoach habe ebenfalls eine so ruhige, mit Worten überzeugende Art wie der Altmeister. Sie respektieren ihn. Seine Kultur ist die gleiche. Er würde nie einen seiner Spieler mitten im Spiel lauthals als „fucking idiot“ beschimpfen, wie das ein feingewandeter Herr in Mailand tut, wenn ihm gerade mal wieder der Kragen platzt. Und der damit leider in der Basketball-Euroleague kein Einzelfall ist. Benehmen ist in der Branche leider oft Glückssache.

Seit vielen Jahren bereitet sich Gonzalez darauf vor, Cheftrainer zu werden

Es scheint beschlossene Sache, dass irgendwann Israel Gonzalez den Chefposten bei Alba Berlin übernimmt. Solange Garcia Reneses noch Spaß und Kraft hat, wird er sich gedulden. Dass er bereit wäre, hat er schon jetzt bewiesen. Von den elf Spielen hat er mit seiner Mannschaft sieben gewonnen, unter anderem in der Bundesliga gegen Bayern München, in der Euroleague zweimal gegen Spaniens Meister Vitoria. Er gehört nicht zu der Sorte Trainer, die sagen: „Ach ja, früher war ich Spieler, aber ich wollte ja eigentlich nicht Trainer werden. Dann habe ich es probiert, und es hat mir gefallen.“ Gonzalez ist seit über 20 Jahren dabei, sich als Coach immer weiter- und weiterzuentwickeln.

Er ist bereit für den Job. Für die Verantwortlichen von Alba Berlin muss es ein gutes Gefühl sein, auf die lästige Frage, wer eines Tages in die Fußstapfen von Aito treten soll, jetzt schon eine befriedigende Antwort zu haben.

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