Basketball

Auf Alba Berlin wartet schon die nächste Riesenaufgabe

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Dietmar Wenck
Verschworener Haufen: Den Erfolg gegen Bayern München feierten verletzte und gesunde Spieler von Alba Berlin gemeinsam.

Verschworener Haufen: Den Erfolg gegen Bayern München feierten verletzte und gesunde Spieler von Alba Berlin gemeinsam.

Foto: Andreas Gora / dpa

Gegen Bayern München wuchs Alba Berlin über sich hinaus. Ob das gegen Spaniens Meister Baskonia Vitoria wieder gelingt?

Berlin. Noch am Tag danach herrschte Verblüffung bei Alba Berlin. Über die eigene Mannschaft, die den stolzen Bayern so eine deftige 72:85-Niederlage in der Basketball-Bundesliga zugefügt hatte. „Unglaublich, unbeschreiblich“, schwärmte Sportdirektor Himar Ojeda. Um dann doch Worte zu finden, wie es zu der Überraschung kommen konnte. In jeder Saison gebe es schwierige Phasen, erklärte der Spanier. „Wir haben eine Gruppe, die noch mehr zusammenhält, wenn solche Momente kommen. Die nicht den Glauben verliert an das, was sie täglich im Training macht.“

Bayern München findet nicht in seinen Rhythmus

Es gab weitere Gründe für den Erfolg. Einer war die extrem gute Vorbereitung der Berliner. Die Münchner fanden nie in ihren Rhythmus. Die Alba-Verteidigung war permanent in Bewegung und ließ die Konstellationen nicht zu, die ihr Kontrahent gern gehabt hätte. „Sie haben nicht die Match-ups bekommen, die sie wollten“, sagte Ojeda, die Eins-gegen-eins-Duelle oder Angriffssituationen, aus denen heraus sie ihre Würfe kreieren konnten. Und dann wird es schon mal schwierig für eine Mannschaft, deren Trainer klar vorgibt, was er sehen will.

Andrea Trinchieri war bedient. „Peinlich“ fand er die Vorstellung seines Teams, „eine der schlechtesten Leistungen einer Mannschaft in meiner Trainerkarriere“. Es war offensichtlich: Da standen nicht dieselben Bayern auf dem Feld, die vier Tage zuvor den FC Barcelona 90:77 besiegt hatten. Was laut Ojeda gar nicht so ungewöhnlich ist. „Das ist eine natürliche Reaktion“, sagt er. Nach so einer Topleistung falle es oft schwer, das Level zu halten. Die Berliner profitierten schon einmal von einer solchen Situation: Als sie am 3. Dezember Valencia in eigener Halle bezwangen, holten sie die Spanier von Wolke sieben. Auch sie hatten kurz zuvor über Barcelona triumphiert.

„Kann sein, dass das eine Rolle gespielt hat“, sagte Maodo Lo (28/sechs Assists) dazu, bei aktuell fünf verletzten Profis einer der wenigen verbliebenen Routiniers bei Alba. Er führte gemeinsam mit Jayson Granger (31/10) eine sehr junge Mannschaft spielerisch zum Erfolg. Weil die Würfe von außen kaum trafen (anders als noch in Valencia), musste mutig der Bayern-Korb attackiert werden. 29 von 45 Würfen (Bayern 19 von 43) aus dem Nahbereich verwandelt - das war neben der exzellenten Verteidigung die Hauptursache für den Sieg.

Alba Berlins Youngster begegnen Bayern auf Augenhöhe

Herausragend war Louis Olinde unterwegs. Seine 17 Punkte waren Bestwert im Alba-Trikot. Hinzu kamen drei Ballgewinne und zwei geblockte Würfe. „Unsere große Stärke ist es, dass wir alle spielen können und richtig Bock haben“, sagte er, „und dass wir für die verletzten Kollegen in die Bresche springen wollen.“ Die Bayern, die keinmal in Führung, aber kurz vor dem Ende 60:81 hinten lagen, rieben sich verwundert die Augen. Sie hatten seit Dezember 2018 sieben Partien in Folge gegen Alba gewonnen, zuletzt im vergangenen Oktober 90:72 in Berlin.

Nun standen ihnen neben Olinde mit Malte Delow (19), Jonas Mattisseck (20), Kresimir Nikic (21) und Tim Schneider (23) weitere unerschrockene Youngster gegenüber. Delow ließ einmal den Münchner Klasse-Verteidiger Nihad Djedovic stehen wie einen Lehrling und machte zwei seiner sechs Punkte. Schneider vertrat die verletzten Luke Sikma und Niels Giffey beinahe im Alleingang, war an allen Ecken des Feldes präsent.

Ob sich eine solche Leistung an diesem Dienstag (19 Uhr, Magentasport) in der Euroleague gegen Spaniens Meister Baskonia Vitoria wiederholen lässt? Es klingt unglaublich.

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