Alba Berlin

Der neue Anzug lässt Alba Berlin gut aussehen

Alba Berlin hat fünf neue Profis verpflichtet. Einige von ihnen sind auch ohne gute Saisonvorbereitung schon echte Verstärkungen.

Anstrengend, aber nicht ungewohnt: Maodo Lo (l.) gehört zu den Alba-Verstärkungen, die auf Anhieb ihrem Team helfen.

Anstrengend, aber nicht ungewohnt: Maodo Lo (l.) gehört zu den Alba-Verstärkungen, die auf Anhieb ihrem Team helfen.

Foto: Eibner Pressefoto / Benjamin SOELZER / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Das Spiel in Oldenburg steht auf der Kippe. Die Gastgeber haben sich nach einem 20-Punkte-Rückstand herangekämpft, verteidigen verbissen. 40 Sekunden noch, Alba Berlin findet keine gute Wurfposition, die Schussuhr tickt gnadenlos runter. Irgendwie landet der Basketball bei Simone Fontecchio. Fast im Rückwärtsfallen drückt der Italiener in letzter Sekunde ab, aus der Ecke. Er trifft, vier Punkte Vorsprung für sein Team, Deckel drauf. Go-to-guy Fontecchio kommt am Sonntag auf 16 Punkte, den Korb verfehlt er bei zehn Versuchen nur einmal, ausgerechnet von der Freiwurflinie.

Alba Berlin muss gegen Asvel noch auf Siva und Olinde verzichten

Alba gewinnt 89:86. Das liegt nicht nur, aber gewiss auch nicht zuletzt an den neuen Spielern, die der Titelverteidiger in seinen Reihen hat. Deren fünf wurden im Sommer verpflichtet, weil unter anderem Leistungsträger wie Martin Hermannsson, Landry Nnoko oder Rokas Giedraitis zu anderen Euroleague-Vereinen wechselten, wo sie besser verdienen. Alba war vorbereitet, holte Fontecchio (Reggio Emilia/24), Maodo Lo (Bayern München/27), Jayson Granger (Baskonia Vitoria/31), Ben Lammers (Bilbao Basket/25) und Louis Olinde (22/Bamberg) nach Berlin.

Granger erzielt 14 Zähler in Oldenburg, verteilt sieben Assists. Lo hat noch eine lausige Wurfquote, aber auch der gebürtige Berliner hilft mit sieben Korbvorlagen. Diese beiden verhindern mit ihrem ruhigen Aufbau, dass gar nicht groß auffällt, dass der erste Spielmacher Peyton Siva wegen den Folgen seiner Corona-Infektion noch zuschaut . Der Amerikaner wird auch an diesem Mittwoch (20 Uhr, Magentasport) gegen Asvel Villeurbanne in der Mercedes-Benz Arena fehlen, genau wie der verletzte Olinde.

Nach schwerem Start viele Probleme für Alba

Jeder Trainer der Welt, auch Albas Senor Aito Garcia Reneses, hätte sich bei einer so neuformierten Mannschaft eine Saisonvorbereitung mit vielen Testspielen und lauter gesunden Spielern gewünscht. In der Realität gab es wegen Corona nur ein halbes Dutzend Tests, Fontecchio und Lammers verpassten die meisten, weil sie verletzt waren. Dann kam der schwierige Saisonstart, gleich mit Maccabi Tel Aviv, Bayern München, Anadolou Istanbul. Nicht gerade Gegner zum Warmlaufen. Dann kam es noch ärger, sechs mit Corona infizierte Profis, zwei Wochen Trainingspause. Es ist ein kleines Wunder, wie sich Alba zumindest national bisher aus der Affäre gezogen hat. Trotz allem.

Die Neuen mussten auf Anhieb funktionieren, und das taten sie besser als vermutet. Fontecchio hatte gleich bei seinem Debüt in Tel Aviv einen Auftritt, der verblüffte: 16 Punkte, acht Rebounds, bester Berliner. „Simone hat uns von Anfang an geholfen“, lobt Sportdirektor Himar Ojeda. Der extrem athletische Italiener ist quasi der Nachfolger von Giedraitis und füllt diese Rolle bisher hervorragend aus. Ojeda hätte ihn schon vergangene Saison verpflichtet, wäre der Litauer einem der zahlreichen Angebote gefolgt, die ihm vorlagen. Giedraitis blieb in Berlin, Fontecchio konnte ein Jahr Spielpraxis in Reggio Emilia sammeln. Nun schlug er in Berlin umso besser ein.

Die Erwartungen an Maodo Lo sind besonders groß

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi verweist darauf, dass der Druck auf Lo besonders groß sei. „Jeder hat große Erwartungen an ihn, nicht zuletzt er selbst“, sagt der Manager, „das ist sicher anders als bei Simone.“ Aber der von Bayern München gekommene Nationalspieler findet sich ebenso immer besser zurecht wie Granger, dem wegen seiner langen Verletzungsgeschichte (Achillessehnenriss) anfangs Skepsis entgegenschlug. Mittlerweile sind diese Stimmen leiser geworden. „Für Jayson und Maodo ist es leichter“, erklärt Ojeda, „sie kennen alles, sie kennen die Euroleague.“ Lo nach seinen vier Jahren in München und Bamberg, Granger sogar nach deren sechs in Malaga, Istanbul und Vitoria.

Anders ist das bei Ben Lammers, für ihn ist alles neu, die Stadt, der hochklassige Wettbewerb, das Alba-System, seine Kollegen, der Verein. „Für ihn ist es sicher am schwersten“, glaubt Baldi, „aber auch bei ihm sieht man eine klare Entwicklung. Er hat immer mehr Mut. Und er kennt seine ganzen Möglichkeiten noch gar nicht.“ Ojeda sagt, dem eher schüchternen Amerikaner tut es gut, jetzt auch gegen deutsche Teams antreten zu können. Als neuer Center in der Euroleague zu starten – das war eine Herkulesaufgabe. Trotzdem zählt Lammers in Europa jetzt bereits zu den drei besten Shotblockern.

Alba ist gewohnt, Spieler weiterzuentwickeln

Alba kennt es nicht anders, als vielversprechende Spieler weiterzuentwickeln. Die Berliner können nur Leute verpflichten, bei denen die Reichen und Schönen der Euroleague noch zurückschrecken. Hat der Spieler wirklich das Potenzial (Fontecchio, Lammers)? Ist er wirklich topfit (Granger)? Real Madrid oder ZSKA Moskau holen lieber gestandene, fertige Spieler, scheinbar ohne Risiko. Trotzdem ist Alba durch eine geschickte Auswahl in diesem Wettbewerb nicht chancenlos. Der Lohn für Giedraitis, Nnoko, Hermannsson: Sie haben sich hier für höhere Aufgaben empfohlen.

„Wir hätten jetzt schon ein ganz anderes Bild, wenn wir Kontinuität in der Vorbereitung und zu Beginn der Saison gehabt hätten“, ist Baldi sicher. So ist der Prozess der Akklimatisierung und der Integration stark gebremst. Aber zum Glück werden immer noch die meisten Titel am Ende und nicht am Anfang der Saison vergeben.

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