Kommentar

Basketball auf dem Irrweg

Basketball war mal ein gutes Beispiel in schwierigen Corona-Zeiten. Dieses Image verspielt er gerade, meint Dietmar Wenck.

Tschüß erst mal: Die Basketballer von Alba Berlin sind vorübergehend in Corona-Quarantäne. Dietmar Wenck kommentiert.

Tschüß erst mal: Die Basketballer von Alba Berlin sind vorübergehend in Corona-Quarantäne. Dietmar Wenck kommentiert.

Foto: dpa/Reto Klar

Die Zahl der Einschläge im Sport nimmt zu – wie in der allgemeinen Corona-Realität. Immer mehr Neuinfektionen gibt es, überall und Tag für Tag neue, prominente Namen. Cristiano Ronaldo, Matteo Guendouzi, Serge Gnabry, Schwimm-Olympiasiegerin Federica Pellegrini, bald ein Dutzend Radprofis beim Giro. Und jetzt auch sechs Team-Mitglieder von Alba Berlin. Ausgerechnet Basketball.

Denn anfangs war die Sportart neben Fußball der größte Hoffnungsträger, dass das soziale Leben auch unter der Bedrohung durch das Coronavirus weitergehen kann. Das Entertainment also, zu dem der Spitzensport ja gehört. Das Finalturnier um die deutsche Meisterschaft im Juni in München war ein voller Erfolg nicht nur für Meister Alba. Alle waren sich darin einig, dass die Veranstaltung ein schönes Beispiel dafür war, dass Sport infektionsfrei funktionieren kann. Wenn sich alle diszipliniert an die gleichen Regeln halten. Wenn alle die Gefahr ernst nehmen. Und wenn sich möglichst viel an einem Ort abspielt.

Der Basketball liefert negative Schlagzeilen

Nun liefert auch der Basketball negative Schlagzeilen. Genauer: die Euroleague, unter deren Dach auch der zweithöchste Wettbewerb des Kontinents stattfindet, der Eurocup. Statt über neue Formate nachzudenken, wie man Spieler und Trainer möglichst wenig in Gefahr bringt, wird kreuz und quer durch Europa gereist, als gäbe es gar keine Pandemie. Aus Risikogebieten in Risikogebiete, vor Tausenden Zuschauern, vor leeren Tribünen, je nachdem, was die Gesetze der jeweiligen Länder hergeben. Die Euroleague scheint ihre 34 Spieltage gnadenlos durchpeitschen zu wollen, Risiko hin oder her. Das ist unverantwortlich.

Und fällt den Verantwortlichen mittlerweile auf die Füße. Die Teams von Zenit St. Petersburg, Asvel Villeurbanne und jetzt Alba sind so heftig betroffen, dass Spiele abgesagt werden mussten und müssen, mittlerweile sind es schon sieben. Weitere werden folgen, das ist keine Spekulation, sondern Gewissheit. Es wird Zeit, dass diesem Treiben ein Ende gesetzt wird.

Die Euroleague braucht einen anderen Modus

Das muss nicht das Ende der Saison bedeuten. Allein ein „Augen zu und durch“ funktioniert nicht mehr, eine Rückkehr zur Normalität, wie sie einmal war. Das wird gerade ungewollt bewiesen. Aber warum nicht andere Formate finden? Runden, die in Turnierform an einem Ort ausgespielt werden, mit gut durchdachten Hygienekonzepten? Bayern-Manager Marko Pesic hat kürzlich gesagt, Basketball müsste nicht Teil des Problems, sondern könnte Teil der Lösung sein. Das ist ein lobenswerter Ansatz, der beim Finalturnier in München umgesetzt wurde. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch die Euroleague schnellstens ihren Modus ändert, damit nicht noch mehr Schaden angerichtet wird.

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