Alba Berlin

Meisterdämmerung für Alba

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Dietmar Wenck
Kaum ein Durchkommen für Peyton Siva und Alba Berlin: Gegen Bayern München gab es eine herbe Niederlage für den Meister.

Kaum ein Durchkommen für Peyton Siva und Alba Berlin: Gegen Bayern München gab es eine herbe Niederlage für den Meister.

Foto: Andreas Gora / dpa

Der deutsche Doublegewinner Alba Berlin verliert in der Basketball-Euroleague deutlich mit 72:90 gegen Bayern München.

Berlin. Die Sehnsucht nach Basketball war bei den Fans von Alba Berlin so groß, dass sie in ihrer Freude gleich der ersten Mannschaft freundlich Applaus spendeten, die in die Mercedes-Benz Arena einlief. Auch wenn das der FC Bayern München war. Aber immerhin war es das erste Spiel in der riesigen Arena seit dem 4. März, seit dem 80:84 gegen den FC Barcelona. Da ist man auch zu den Bayern mal nett und voller Vorfreude. Alle wollten endlich wieder Basketball sehen, nicht nur im Fernsehen, sondern live. In Corona-Zeiten nicht ganz einfach. Diejenigen, die eines der verfügbaren 700 Tickets ergattert hatten für die sonst erst mit 14.500 Zuschauern ausverkaufte Arena hatten jedenfalls erst mal ihren Spaß. Mit Mundschutz, genügend Abstand, Klatschpappen und ohne Gesänge hielten sie sich brav an die Sicherheitsregeln. Doch spätestens, als die 72:90 (36:52)-Niederlage im zweiten Euroleague-Spiel feststand, war die gute Laune erheblich getrübt.

Der Spaß ließ schon nach dem ersten Viertel merklich nach. Anfangs hatten die Berliner ein gutes Zusammenspiel geboten, die Münchner schnell ein bisschen abgeschüttelt und Sieben-Punkte-Führungen erobert. Doch die zweiten zehn Minuten erinnerten fatal an die 73:80-Niederlage in Tel Aviv. Kaum zogen die Gäste in der Verteidigung an, war jeder Alba-Rhythmus dahin. Die Bayern gewannen dagegen immer mehr an Selbstbewusstsein, mit jedem Ballgewinn wuchs auch ihre Treffsicherheit. 17:7 Rebounds in der ersten Hälfte zu ihren Gunsten taten ein Übriges. Alba hatte wenig Ideen und zu wenig Kampfgeist in der Verteidigung. In ihrer Statistik tauchte kein einziger Steal auf, dafür acht Ballverluste, ihr Spiel wirkte fahrig, je konsequenter die Münchner den Platz unter ihrem Korb dicht stellten. Aus einem 23:29-Rückstand machten sie einen 39:29-Vorsprung. Fünf Minuten blieb Alba ohne Punkt, die Bayern machten 16. Das war schon die Entscheidung.

Die Bayern ließen sich den Erfolg nicht mehr nehmen, führten schon im dritten Viertel mit über 20 Punkten, näher als auf 15 Punkte kamen die Berliner nicht heran. Im Duell zweier stark veränderter Teams wirkten die Bayern weiter in ihrer Entwicklung, eingespielter, doch besonders: giftiger. Der entthronte Titelverteidiger setzte gegen seinen Nachfolger genau die Mittel ein, die diesem am wenigsten behagen, nämlich eine bissige Verteidigung, auch mal mit Fouls, um die Spielfreude der Berliner zu zerstören. Dem Meister dürfte spätestens jetzt dämmern, dass es ein sehr langer Weg wird, den Erfolg des Vorjahres zu wiederholen.

Beste Werfer bei Alba waren Marcus Eriksson (15 Punkte) und Jayson Granger (10). Bei den Münchnern ragten aus einer geschlossenen Mannschaft Nick Weiler Babb (15) heraus. Nach freundlichem Applaus war den Fans am Ende nicht mehr zumute. Es klang eher aufmunternd.