Basketball

Alba Berlin besiegt sein Trauma

Alba Berlin krönt eine besondere Saison. Nach dem zehnten Sieg im zehnten Spiel beim Finalturnier ist Alba deutscher Meister.

Feierlich trotz Geister-Kulisse: Trainer Aito Reneses (obere Reihe, 5.v.l.) feiert mit dem Team, mit dem er 2020 das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft gewann.

Feierlich trotz Geister-Kulisse: Trainer Aito Reneses (obere Reihe, 5.v.l.) feiert mit dem Team, mit dem er 2020 das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft gewann.

Foto: Pool / Christof Stache/Pool via Getty Images

Berlin. Der Spuk ist vorbei. Ausgerechnet vor der Geister-Kulisse des Münchner Audi Domes endete die Jagd Alba Berlins nach einem Phantom. Das Team von Trainer Alejandro Garcia Reneses ist nach zwölf langen Jahren endlich wieder deutscher Basketball-Meister, zum insgesamt neunten Mal. „Das ist sehr gut für Alba und für mich natürlich auch“, sagte der 73 Jahre alte Spanier lächelnd. Nur Bayer Leverkusen (11 Meisterschaften) steht noch vor Alba; mit Brose Bamberg und USC Heidelberg zogen die Berliner jetzt gleich. Im zweiten Finale von München bezwang der Pokalsieger, der damit auch sein fünftes Double feiern kann, die Riesen Ludwigsburg 75:74 (42:35). Schon die erste Partie am Freitag hatte er 88:65 gewonnen.

Nach dem finalen Erfolg bedankten sich die Sieger bei ihrem Publikum auf der Tribüne: Geschäftsführer Marco Baldi, Sportdirektor Himar Ojeda, Medienchef Justus Strauven und dem nicht einsatzfähigen Nationalspieler Tim Schneider – alle trugen Mundschutz, alles verlief streng nach den selbst gesetzten Hygieneregeln. Die Spieler versuchten, in der merkwürdigen Atmosphäre ihre Feier so „normal“ wie möglich zu gestalten. Stefan Peno und Peyton Siva schnitten auf den Schultern von Johannes Thiemann und Luke Sikma die Netze von den Körben – alter Basketball-Brauch.

Alba Berlins Bilanz: Zehn Siege in zehn Spielen

„Es ist eine verdammt komische Situation, aber wir sind total glücklich“, sagte Center Thiemann, „es ist unglaublich, dass wir das Double geholt und dass wir gezeigt haben, dass wir gewinnen können.“ Auch Mannschaftskapitän Niels Giffey sah sehr glücklich aus: „Das fühlt sich wirklich sehr gut an. Das war eine richtig gute Saison. Wir haben gewonnen, was wir gewinnen konnten.“ Zu Beginn des Turniers sei alles sehr fremd gewesen, der 29-Jährige zählte anfangs auch zu den Kritikern der Veranstaltung. „Aber wir haben das Beste daraus gemacht. Als das Play-off kam, hatten wir unseren Rhythmus gefunden.“

Zehn Spiele, zehn Siege – viel mehr muss über die Dominanz des neuen deutschen Meisters nicht gesagt werden. Er stellte die beste und konstanteste Zwölf aufs Parkett und konnte es sich sogar leisten, seine Stars wie Peyton Siva, Luke Sikma oder Landry Nnoko auch mal pausieren zu lassen. Wie in mancher Partie zuvor, auch im ersten Endspiel, kam Alba allerdings nicht besonders gut aus den Startblöcken. Obwohl bei den Schwaben erneut ihr Bester, der später zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählte Marcos Knight, wegen seiner Knöchelverletzung zum Zuschauen gezwungen war und Trainer John Patrick auch die Amerikaner Cameron Jackson und Frederick Nixon nicht einsetzte.

Viele verwandelte Dreier schaffen klare Verhältnisse

Nach wenigen Minuten führte Ludwigsburg 9:5, doch als Thomas Wimbush einen einfachen Korbleger vergab und damit das 11:5, konterte Alba. Zwei schnelle Dreier von Marcus Eriksson, einer von Kenneth Ogbe drehten das Geschehen. Eine Serie von 16:2 Punkten für die Berliner brachten zum 21:11 klare Verhältnisse. Jetzt betrug der Ludwigsburger Rückstand in der Addition bereits 34 Punkte – uneinholbar.

Nicht dass die Riesen nachgelassen hätten, doch ihre Leidenschaft reichte nicht, um Albas Qualität auszugleichen. Die Berliner verteidigten zunächst weiter konzentriert und trafen im Angriff sicher: Eriksson, Martin Hermannsson, sogar der erst 19-jährige Malte Delow mit der Pausensirene. Mitte des dritten Viertels betrug der Vorsprung beim 59:44 fünfzehn Punkte, auch noch einmal beim 67:52. Danach ließ der Alba-Elan spürbar nach. Und Ludwigsburg, das einfach nicht aufgeben kann, war am Ende sogar nahe dran, den Berlinern die einzige Turnierniederlage zuzufügen. Es geschah nicht.

Trainer Aito Reneses hat über Zukunft noch nicht entschieden

Am Abend noch fuhr der Meister mit dem Zug heim und feierte in der Nacht in Berlin. „Mal sehen, was so ein Bordrestaurant hergibt“, kündigte Giffey eine Reise-Party an. Noch verdrängen alle im Verein, dass wichtige Personalentscheidungen anstehen. Trainer Aito Reneses wollte sich zu seiner Zukunft nicht äußern. „Heute ist der Tag zum Feiern“, sagte er im Magentasport-Interview, „und danach kann man sich Zeit nehmen, Entscheidungen über die Zukunft zu treffen.“

Auch die Verträge einiger Leistungsträger laufen aus. Vom Litauer Rokas Giedraitis heißt es immer wieder, einige Euroleague-Klubs seien hinter ihm her. Dem Isländer Martin Hermannsson liegt angeblich eine Offerte von Panathinaikos Athen vor, doch das wird auch im Falle des Bayern-Spielmachers Maodo Lo kolportiert. Am weitesten scheinen die Verhandlungen im Falle von Center Landry Nnoko zu sein, der am Sonntag mit zwölf Punkten vielleicht ein letztes Mal seinen Wert für Alba bewies. Er soll bei Roter Stern Belgrad schon unterschrieben haben. Besser als er trafen im Finale Hermannsson, Giffey (je 14) und Eriksson (13) bei Alba, Wimbush (19), Jaleen Smith (15) und Nick Weiler-Babb (14) für Ludwigsburg.

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