Basketball

Albas Lenker Siva trifft auf seinen Lehrling

Im Viertelfinale zwischen Alba Berlin und Göttingen kommt es auch zum Duell zwischen Peyton Siva und seinem Lehrling Bennet Hundt.

Bundesliga-Duell im Februar: Peyton Siva (l.) besiegte mit Alba Bennet Hundt und die BG Göttingen 96:71.

Bundesliga-Duell im Februar: Peyton Siva (l.) besiegte mit Alba Bennet Hundt und die BG Göttingen 96:71.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. „Das wird lustig“, sagt Peyton Siva. „Das wird aufregend“, sagt Bennet Hundt. Beide treffen an diesem Donnnerstag (16.30 Uhr, Magentasport) im Viertelfinal-Hinspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft mit ihren Teams von Alba Berlin und der BG Göttingen aufeinander. Sogar noch direkter: Beide sind als Spielmacher ihrer Teams unmittelbare Kontrahenten. Und der eine weiß genau, was der andere kann, wie er dribbelt, wie er verteidigt. Wie er denkt. Beide spielten und trainierten drei Jahre zusammen in Berlin.

Der Amerikaner Siva (29) hat dort offenbar seine Basketball-Heimat gefunden, wo er sich perfekt weiterentwickeln kann. Er trägt schon in der vierten Saison das Alba-Trikot und steht noch für ein weiteres Jahr unter Vertrag. Der gebürtige Berliner Hundt (21) musste im vergangenen Sommer seine Heimat verlassen, um den nächsten Schritt als Basketballprofi zu machen. Mehr Verantwortung übernehmen, mehr Einsatzzeit erhalten. Solche Bedingungen fand er in Göttingen.

Siva ist nicht überrascht von Hundts Entwicklung

Was er gelernt hat, zeigte er gleich in der Auftaktpartie beim Münchner Finalturnier gegen Crailsheim. Hundts starke Leistung, gekrönt mit 30 Punkten, war die Basis zum 89:78-Sieg des Außenseiters und damit letztlich für das Erreichen des Viertelfinals. Siva hat das nicht überrascht, eher gefreut. „Man sieht, wie viel Arbeit Bennet investiert. Es ist schön zu sehen, dass es sich jetzt für ihn auszahlt.“

Wer einen besonders großen Anteil daran hat, warum Bennet Hundt diese Entwicklung genommen hat, die ihm viele gar nicht zugetraut hätten, daraus macht der Jung-Nationalspieler kein Geheimnis. „Peyton ist ein großartiger Typ und ein sehr guter Spieler. Er ist ein Vorbild für mich.“ Auch deshalb, weil Siva (1,83 m) wie Hundt (1,80 m) körperlich nicht zu den allergrößten Spielmachern zählt. „Es ist cool zu sehen, dass auch kleinere Spieler so erfolgreich sein können“, sagt der junge Deutsche.

Auch Siva hat sich bei Alba stark entwickelt

Er hat nicht vergessen, wie es in der gemeinsamen Berliner Zeit war. „Peyton hat mir sehr viel geholfen“, erzählt er, „hat mir zu allem Tipps gegeben, sogar, wie man sich mental auf eine Begegnung einstellt. Wir haben viel zusammen geworfen, Peyton hat mir Übungen vorgemacht. Und natürlich musste ich im Training gegen ihn ran.“ Viel Lehrgeld musste er dabei bezahlen, doch Hundt hat das nicht frustriert, sondern eher angespornt. „Bennet hat eine super Einstellung“, lobt der Lehrmeister den Lehrling.

Selbst die konnte sich Hundt von Siva abschauen. Denn der Amerikaner ist ja nicht anders. Er will sich immer verbessern. „Peyton ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung“, urteilt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „obwohl er in Berlin schon eine sehr starke Entwicklung genommen hat.“ Der Vater zweier Töchter kam als sehr emotionaler, explosiver Profi, der sich in jedes Getümmel stürzen wollte, aus Italien zu Alba. Trainer Aito Garcia Reneses hat ihn allmählich und geduldig geformt zu einem Regisseur, der seiner Mannschaft Struktur gibt, das Spiel organisiert und dabei ein zäher Verteidiger ist. „Einen hohen Basketball-IQ hat Peyton sowieso“, sagt Baldi.

Siva lenkt die Emotionen in die richtigen Bahnen

Deshalb lenke Siva seine leidenschaftliche Herangehensweise nun immer mehr in die richtigen Bahnen. Vermutlich wäre er längst noch viel weiter, vielleicht sogar bei einem der absoluten Topteams Europas gelandet, gäbe es nicht eine große Schwäche in seiner sportlichen Vita: seine Anfälligkeit für Blessuren. Es gibt bei dem 29-Jährigen kaum ein Körperteil, das nicht schon verletzt wurde. Auch in dieser Saison war Siva häufig zum Zuschauen gezwungen. In der Euroleague verpasste er elf Partien, in der Bundesliga neun, im Pokalwettbewerb eines.

Eigentlich hätte er auch beim Pokalfinale, dem gefeierten 89:67 gegen Oldenburg am 16. Februar nicht dabei sein dürfen. Doch die Sehnsucht nach dem ersten Titel mit seiner Mannschaft war so groß, dass er auflief und zwölf Punkte sowie sieben Korbvorlagen beitrug. Typisch für den Teamplayer Siva. „Peyton wurde oft von Verletzungen zurückgeworfen“, sagt Baldi, „aber er hat ein Riesenherz und einen Wahnsinnsmut.“

Die Corona-Pause hat seinem Körper gutgetan

Und sehr starke familiäre Bindungen. Deshalb fiel es ihm nicht leicht, dem Ruf Albas zu diesem Abschlussturnier zu folgen. „Es ist hart, so lange in einem Hotel zu sein“, gibt er zu, doch alles sei sehr gut organisiert. Sogar der Pause durch die Pandemie kann er etwas Positives abgewinnen. „Sie hat meinem Körper gutgetan.“ Alba braucht gerade jetzt einen fitten Peyton Siva, weil der Einsatz des am Rücken verletzten Martin Hermannsson ungewiss ist.

Die Ziele in München sind klar abgesteckt: „Wir wollen dieses Turnier gewinnen“, sagt Siva. Nach einer Weile fügt er hinzu: „Und ich will gesund bleiben.“ Obwohl er es niemals sagen würde, wird er sich für das Viertelfinale sicher noch etwas vorgenommen haben: seinem Lehrling Bennet Hundt zu zeigen, dass er immer noch so manches von seinem Vorbild lernen kann.

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