Basketball

Alba spielt sich in die Rolle des Favoriten

Die Gruppenphase beim Basketball-Turnier in München ist vorbei. Während Bayern schwächelt, wird Alba Berlin von Spiel zu Spiel stärker.

Zwei gegen einen, doch Alba-Center Landry Nnoko (M.) bekommt den Ball. Die Berliner sind derzeit den anderen ein Stückchen voraus.

Zwei gegen einen, doch Alba-Center Landry Nnoko (M.) bekommt den Ball. Die Berliner sind derzeit den anderen ein Stückchen voraus.

Foto: Tilo Wiedensohler / dpa

Berlin. Wer sich erinnert, wie schlecht deutsche Fußball-Nationalteams oft in eine WM gestartet sind und wie weit sie es dennoch am Ende gebracht haben, der weiß: Bei einem Turnier frühe Vorhersagen zu treffen, ist heikel. Das ist in einem Play-off, wie es etwa im Eishockey oder Basketball zur Vergabe nationaler Titel gespielt wird, schon anders. Da sind wegen der Vielzahl der Vergleiche innerhalb einer Runde („Best of five“) Überraschungen selten. Meistens erreichen jene Mannschaften das Finale, die schon während der Saison am überzeugendsten aufgetreten sind – wenn sie nicht gerade übles Verletzungspech haben.

Titelverteidiger Bayern München schwächelt enorm

Nun wird in diesem Sommer wegen Corona der deutsche Basketball-Meister zum ersten Mal ebenfalls in einem Turnier ermittelt. Das Geschehen in München bot bisher viele kleine Wundertüten. Wer hätte damit gerechnet, dass Titelverteidiger Bayern München von vier Gruppenspielen zwei verlieren würde? Das sind genau so viele wie in der abgebrochenen Bundesligasaison, nur hatten die Bayern da 21 Spiele bestritten. Ihnen fehlen allerdings ihre Anführer Greg Monroe (in den USA geblieben) und Nihad Djedovic (verletzt).

Wer hätte außerdem gedacht, dass Ratiopharm Ulm, das möglicherweise den Sprung ins Play-off auf üblichem Wege als bis dato Tabellenzehnter nicht mal geschafft hätte, plötzlich mit vier Siegen und blütenreiner Weste dasteht? Obwohl mit Zoran Dragic, Grant Jerrett, Killian Hayes und Seth Hinrichs ihre vier besten Spieler der Saison gar nicht mehr zum Team gehören? Wer hat geahnt, dass die frechen Emporkömmlinge Rasta Vechta und Crailsheim Merlins sich sieglos im ungeliebten Match um Platz neun wiedersehen würden?

Alba hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert

Zu den Prognosen, die sich erfüllt haben, gehören die Auftritte Alba Berlins. Vor ein paar Tagen sagte Geschäftsführer Marco Baldi: „Es geht darum, sich von Spiel zu Spiel zu steigern.“ Nach dem 97:89 gegen Ludwigsburg, der hochklassigsten aller 20 bisher absolvierten Partien, stellte der Manager zufrieden fest: „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert.“ Hilfreich ist, dass die Mannschaft kaum personelle Verluste zu verkraften hat. Nur Makai Mason (blieb in den USA) und Tim Schneider (Rehabilitation) fehlen im Kader, der mit 15 Mann dennoch hochkarätig besetzt ist. Es gab keine Zugänge, das Team ist eingespielt.

Was im heiß umkämpften Duell mit den ebenfalls sehr harmonischen und aggressiv verteidigenden Ludwigsburgern den Ausschlag gab. Sechs Alba-Profis trafen zweistellig. 97 Punkte gegen die Schwaben – das sagt viel über die Klasse des Berliner Zusammenspiels. Dabei hakte es in den ersten Partien des Turniers gerade in diesem Punkt. Auch deshalb, weil die Rückkehrer aus den USA, Litauen, Schweden oder Island sichtbar Anfangsprobleme hatten.

Sikma verpasst nur knapp „Triple-Double“

Inzwischen läuft es auch bei ihnen von Mal zu Mal besser. Ganz auffällig ist das bei Peyton Siva und Luke Sikma. Gemeinsam lenken sie ihre Mitspieler in einer Weise, wie das noch keine andere Mannschaft in München gezeigt hat. Überragend gegen Ludwigsburg war Sikma: 15 Punkte, zehn Korbvorlagen und auch zehn Rebounds, wie sich nach Kontrolle der Spielstatistik ergab – ihm gelang eines der seltenen „Triple-Doubles“, zweistellige Ergebnisse in den drei wichtigsten Komponenten des Spiels. Oft wurde ihm vorgeworfen, er würde in wichtigen Partien in der Unauffälligkeit versinken. Diesmal war der 30-Jährige besonders im Schlussviertel präsent. „Ich werde älter, ich brauche ein bisschen Zeit zum Warmwerden“, scherzte er.

Alba, das nun im Viertelfinal-Hinspiel am Donnerstag (16.30 Uhr, Magentasport) auf die BG Göttingen trifft, hat gerade richtig Spaß. Wüsste man nicht, dass Vorhersagen bei Turnieren immer heikel sind, man würde sagen: Alba Berlin hat sich in München in die Rolle des Favoriten gespielt.

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