Basketball

Satou Sabally: Ein weiblicher Dirk Nowitzki?

Die Berlinerin Satou Sabally träumt von einer großen Basketball-Karriere. Am Sonnabend wird sich zeigen, ob das gelingen kann.

Ihre Bewegung sei Poesie, sagt ihr Trainer. Satou Sabally träumt von einer großen Basketball-Karriere.

Ihre Bewegung sei Poesie, sagt ihr Trainer. Satou Sabally träumt von einer großen Basketball-Karriere.

Foto: John Locher / picture alliance/AP Images

Dallas. Ein deutsches Basketball-Ausnahmetalent in Dallas? In der Dirk-Nowitzki-Stadt? Satou Sabally hat gleich ein besonderes Leuchten in den Augen. „Er hat Dallas auf die Karte gebracht“, sagt die 21 Jahre alte Berlinerin, „wenn ich das für den Frauenbereich machen könnte, wäre das super.“

Sabally, eines der größten Talente weltweit, hat nur noch wenig Zeit, sich an den charmanten Gedanken zu gewöhnen. In der Nacht zu Sonnabend findet der Draft der WNBA statt, der US-Eliteliga, in der erst drei deutsche Spielerinnen vor ihr Fuß fassten. Das waren Marie Gülich, Linda Fröhlich und Marlies Askamp. Sie wäre die erste Berlinerin, so wie es bei den Männern der bei Alba Berlin groß gewordene Moritz Wagner (Washington Wizards) ist. Der wurde 2018 an 25. Stelle gezogen. Die Prognosen vieler Experten sehen die vielseitige Flügelspielerin Sabally sogar als Pick Nummer zwei. Der gehört den Dallas Wings.

Sabally verfolgt den Draft auf der Couch

Sicher ist ein Wechsel der Nationalspielerin vom Collegeteam Oregon Ducks in die Texasmetropole, in der auch ihr Freund Jalen Jelks als Footballprofi sein Geld verdient, freilich noch keinesfalls. Auch Franchises aus Indiana und Atlanta stehen als potenzielle Arbeitgeber im Raum. Mit der ersten Wahl wird New York Liberty den Prognosen zufolge Saballys bisherige Mannschaftskameradin Sabrina Ionescu nehmen.

Sabally hat positive Gespräche mit den Verantwortlichen der Teams geführt, erzählt sie. Einen echten Eindruck per Videokonferenz zu gewinnen, sei aber ziemlich schwer. Das macht die Spannung vor dem so bedeutsamen Tag, dem „Höhepunkt des Jahres“, wie Sabally sagt, nicht kleiner.

Eigentlich sollte die Veranstaltung im festlichen Rahmen in New York steigen, nun wird Sabally an ihrem Studienort in Eugene auf der Couch Platz nehmen müssen und die Prozedur online verfolgen. „Es wird nicht so glamourös. Ich werde mir trotzdem ein Kleid anziehen und mir trotzdem mein Make-up machen“, sagt sie. Auch ein paar Fotos und Videobilder werden geschossen. Alles mit dem nötigen Abstand.

Saballys Spiel ist Poesie in Bewegung

Die Corona-Krise hatte Saballys beeindruckende College-Karriere vorzeitig beendet. Die Chance auf den Titel in der „March Madness“ wurde ihr genommen, die Auszeichnung als beste kleine Flügelspielerin (Small Forward) der NCAA bot einen kleinen Trost. Insgesamt war es aber ein harter Schnitt, den sie akzeptieren musste. Ihr Trainer Kelly Graves bezeichnete ihr Spiel als Poesie in Bewegung. „Sie bringt uns Hunderte neue Zuschauer, weil es einfach so schön ist, ihr zuzuschauen.“

Der Blick der in New York mit gambischen Wurzeln geborenen früheren Bundesligaspielerin geht nun aber nach vorn, Sabally hat große Pläne. Wenn es in der WNBA losgeht - der Saisonstart wurde auf unbestimmte Zeit verschoben - will die 1,93 Meter große Frau auch ein Level höher beeindrucken. „Ich sollte mir vornehmen, Rookie of the Year zu werden“, sagt sie. Also bester Liga-Neuling. Das wäre ein Pfund.

Saballys Karriere begann beim Tus Lichterfelde

Ihre Karriere begann früh. Mit 15 war Sabally bereits Stammspielerin in der zweiten Bundesliga beim TuS Lichterfelde, der seit vielen Jahren eine Talenteschmiede des deutschen Basketballs ist. Schon 2015 wagte sie den Sprung in die Bundesliga zum Freiburger Team USC Eisvögel, bevor es 2017 in die USA ging.

Mit starken Leistungen in der WNBA würde Sabally noch mehr Aufmerksamkeit erhalten und den Frauenbasketball auch in Deutschland voranbringen. Ein Stückweit so, wie es Nowitzki bei den Männern gemacht hat. „Er ist eine lebende Legende“, sagt Sabally. Wenn es klappen würde, wäre sie „völlig starstruck“. Also begeistert, fasziniert, euphorisiert.

Am Sonnabend wird klar, ob künftig das nächste „German Wunderkind“ Texas aufmischen wird.