Alba-Triumph vor 25 Jahren

„Der Korac-Cup hat Appetit auf viel mehr gemacht“

Ehrenpräsident Dieter Hauert erinnert sich an den ersten Triumph Alba Berlins vor genau 25 Jahren, den Gewinn des Korac-Cups.

Alba Berlins erster ganz großer Moment, dem viele weitere folgen sollten: der Gewinn des Korac-Cups 1995 in der Deutschlandhalle. Präsident Dieter Hauert (im roten Sakko) hält die Trophäe einem der Alba-Spieler wie eine Krone über den Kopf.

Alba Berlins erster ganz großer Moment, dem viele weitere folgen sollten: der Gewinn des Korac-Cups 1995 in der Deutschlandhalle. Präsident Dieter Hauert (im roten Sakko) hält die Trophäe einem der Alba-Spieler wie eine Krone über den Kopf.

Foto: imago sport / Imago

Berlin. An Holzbretter geschraubte Körbe, dünnes Linoleum auf knochenhartem Beton, langhaarige Spieler in viel zu kurzen Hosen – und Meister wird Jahr für Jahr Bayer Leverkusen. So lässt sich die deutsche Basketball-Landschaft im Jahr 1995 beschreiben. Dass die Nationalmannschaft zwei Jahre zuvor sensationell Europameister geworden war, hatte wenig verändert. Schon eher Albas Coup am 15. März, als Berlins Basketball-Team in der mit 10.000 Zuschauern ausverkauften Deutschlandhalle mit dem Korac-Cup als erster deutscher Klub einen europäischen Titel gewann. Wiederum zwei Jahre später folgte die erste von sieben Meisterschaften in Serie. Bald war Alba die Lokomotive der Bundesliga und ein Schwergewicht in Europa. Die Liste der Helden der goldenen Ära des Klubs und erst recht die der 25 Jahre, die seit dem 15. März 1995 vergangen sind, ist lang, die der Macher hinter den Kulissen eher kurz. Erst Alba-Firmengründer Franz-Josef Schweitzer, jetzt seine Söhne Axel und Eric, Geschäftsführer Marco Baldi und natürlich Ehrenpräsident Dieter Hauert, der 2016 nach 25 Jahren „die Macht der letzten Entscheidung“, wie er es nennt, an Axel Schweitzer weitergab. Die Geschichten von der Buchführung des Klubs, die Hauert, heute 84 Jahre alt, 1991 als neuer Präsident in einem Schuhkarton vorgefunden hatte, sind längst erzählt. Andere noch nicht.

Was erinnern Sie zuerst, wenn Sie mit dem Abstand von jetzt 25 Jahren auf den Abend in der Deutschlandhalle zurückblicken, Herr Hauert?

Dieter Hauert: Ich denke an meinen Vater, der damals 87 Jahre alt und extra aus Magdeburg gekommen war, mit dem ich zum ersten Mal bei einem Basketballspiel war. Er war ziemlich aufgeregt und fühlte sich auch geehrt, dass er neben Eberhard Diepgen saß, dem damaligen Regierenden Bürgermeister. Eine sehr schöne Erinnerung, allerdings habe ich mich gleich mit der Schlusssirene Richtung Spielfeld durchgewurschtelt, um mit der Mannschaft zu feiern. Für uns als noch jungen Klub war das ein großer und richtungsweisender Moment – nicht umsonst habe ich mir eine Kopie des Korac-Cups gießen lassen. Die steht in meinem Büro und erinnert mich jeden Tag an diesen Erfolg.

War das ein Moment, der Appetit auf mehr machte oder gab es für Alba nach diesem Abend keinen Weg mehr zurück in den Alltag zuvor?

Ich denke, beides. Als die Idee aufkam, nach dem 87:87 im Hinspiel in Mailand zum entscheidenden Spiel von der Sömmering- in die Deutschlandhalle umzuziehen, hatte ich große Bedenken, dachte, die kriegen wir niemals voll. Als die Karten dann binnen kurzer Zeit ausverkauft waren, habe ich mich gefragt, wo plötzlich all die Fans herkamen. Das hat mich einerseits sehr beeindruckt, mir zum anderen aber gezeigt, dass Alba offensichtlich viel bekannter und Basketball viel attraktiver war, als ich angenommen hatte. Der Appetit nach mehr hat sich dann fast automatisch eingestellt. Jeder wollte plötzlich mehr, wir selbst, und auch die Erwartungen der anderen stiegen. Wir mussten uns an höhere Etats gewöhnen und haben Schulden gemacht, um uns schnell weiterzuentwickeln und das Niveau, das wir erreicht hatten, zu stabilisieren.

War das nicht auch schon zuvor in den ersten vier Jahren Ihrer Präsidentschaft so? Stars wie Henrik Rödl, Teoman Alibegovic, Sasa Obradovic oder auch Coach Svetislav Pesic waren ja sicherlich nicht wegen der guten Berliner Luft zu Alba gekommen.

Also, das ist lange her (schmunzelt), so genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Wenn ich finanziell mal ausgeholfen habe, habe ich das sehr gern gemacht. Ich hatte ja mit meinem Freund Franz-Josef Schweitzer auch genau den richtigen Partner. Wenn sich Löcher auftaten, sagte er, dass er, wenn ich eine Hälfte übernehmen würde, die andere brächte. So lief das damals. Aber wir waren ja nicht allein. Ohne Marco Baldi, der schon lange zu meinen engsten Freunden zählt, hätte Alba niemals diese Entwicklung genommen. Und auch Coach Pesic hatte großen Anteil daran, dass es sportlich so steil bergauf ging.

Nach der Vergabe der Olympischen Spiele 2000 an Sydney war das Schicksal des Rohbaus der heutigen Max-Schmeling-Halle, mit der Berlin sich beworben hatte, ungewiss. Sie haben sich mit Partnern des olympischen Restpostens angenommen, ihn umgebaut und sind mit Alba 1996 eingezogen. Hätten Sie diesen Schritt ohne die Erfahrung des Triumphes im Jahr zuvor gewagt?

Ich glaube nicht, ich hatte auch da wieder allergrößte Bedenken. Es gibt ein Foto von Henrik Rödl, Svetislav Pesic, Marco Baldi und mir. Wir alle haben Helme auf dem Kopf und blicken auf die längst noch nicht fertige Halle. Ich erinnere mich genau, was ich in diesem Moment gedacht habe: Mensch, ist das riesig! Wir haben einmal eine solche Halle voll bekommen, aber das war ein europäisches Finale. Schaffen wir das? Schließlich waren ja auch die Kosten pro Spiel wesentlich höher als in der Sömmeringhalle. Heute haben wir mit dem Umzug in die Mercedes-Benz Arena den nächsten Quantensprung hinter uns und die Zweifel, die einen damals plagten, sind Schnee von gestern. Die Etappen Korac-Cup, Schmeling-Halle, Mercedes-Benz Arena haben Albas Entwicklung jeweils immer neu vorangetrieben.

Sie wurden für diesen Weg, den Sie mit Alba ehrenamtlich zurückgelegt haben, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. Was hat Ihnen das bedeutet?

Natürlich habe ich das als Anerkennung und große Ehre empfunden. Aber ich habe noch in viel größerem Maße davon profitiert, dass mich mein Freund Knut Tesmer vor 30 Jahren mit zum Basketball genommen hat. Eine Entwicklung wie die unseres Klubs mitzugestalten in einer Sportart, die mich mit ihrer Dynamik sofort gefesselt hat, half mir, jung zu bleiben. Das ist mein voller Ernst, auch gerade, was die Gesundheit angeht. Besonders stolz macht mich, dass mittlerweile über 10.000 Jungen und Mädchen Woche für Woche unter Anleitung unseres Klubs Sport treiben. Bis heute habe ich immer den Kontakt zu unseren Spielern gesucht, mich dabei oft wie ein Vater gefühlt. Jetzt komme ich mir manchmal wie ein Opa vor. Aber ich bin nur auf dem Papier 84 Jahre alt. Zuletzt nach dem Pokalsieg gegen Oldenburg habe ich gleich nach dem Spiel einen nach dem anderen, durchgeschwitzt, wie sie waren, in den Arm genommen, und war ziemlich schnell selbst klitschnass. Genau das sind die Momente, die mich belohnen und jung halten.

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