Basketball

Wegen Corona-Krise: Alba macht Pause

Alba Berlins Kapitän Niels Giffey zeigt Verständnis für die Unterbrechung der Basketball-Saison: „Die Gesundheit steht über allem.“

Niels Giffey von Alba Berlin ärgerte sich nur ein bisschen über den überflüssig gewordenen Trip nach Moskau. Für die vorläufige Absage aller Spiele hat er Verständnis. Auch in der Bundesliga wird vorerst nicht gespielt.

Niels Giffey von Alba Berlin ärgerte sich nur ein bisschen über den überflüssig gewordenen Trip nach Moskau. Für die vorläufige Absage aller Spiele hat er Verständnis. Auch in der Bundesliga wird vorerst nicht gespielt.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die erste Nachricht erreichte die Basketball-Mannschaft von Alba Berlin am Donnerstagvormittag, als sie gerade ihr Abschlusstraining vor dem Euroleague-Spiel bei ZSKA Moskau beendet hatte: Sie hatte sich umsonst vorbereitet. In der europäischen Königsklasse sind vorerst alle Partien wegen des Coronavirus abgesagt. „Bis auf Weiteres“, wie es auf der Homepage der Euroleague heißt. „Gerüchte darüber kursierten ja vorher schon“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda der Berliner Morgenpost, „vielleicht wäre es besser gewesen, diese Entscheidung am Anfang der Woche zu treffen, dann hätten wir nicht erst herreisen müssen. Aber jeder hier versteht sie und weiß, dass sie richtig ist.“ Am Nachmittag folgte die zweite, sehr ähnliche Nachricht. Da gab die Basketball-Bundesliga (BBL) bekannt, dass sie ebenfalls vorerst eine Spielpause einlegt.

Alba Berlins Kapitän Niels Giffey findet Entscheidung richtig

Genauso wie Ojeda äußerte sich Niels Giffey gegenüber dieser Zeitung. „Es ist natürlich ein bisschen ärgerlich, dass wir den Trip nach Moskau umsonst gemacht haben“, sagte der Alba-Kapitän, „aber die Entscheidung finde ich so weit erst mal vernünftig.“ Es sei gut, dass Klubs und Spieler etwas Zeit gewännen, sich unter den neuen Umständen auch neu aufzustellen. „Dass sich Teams und Familien organisieren können, was jetzt die nächsten Schritte sind. Und was die nächsten Entscheidungen der Vereine, Ligen und Spielergewerkschaften sein sollten.“

Völlig klar sei für ihn wie für seine Mannschaftskollegen: „Die Gesundheit steht über allem. Wir müssen schauen, wie man Spiele veranstalten kann, wie man aber auch die Sicherheit der Spieler und der Fans hinbekommt.“ Das habe höchste Priorität, „alles andere wird sich dem unterordnen müssen“. Die Mannschaft packte also ihre Koffer und reiste noch am Donnerstag zurück nach Berlin, wo sie erfuhr, dass auch das für diesen Sonnabend (18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) angesetzte Bundesligaspiel gegen Braunschweig entfällt.

Alba-Manager Baldi: „Die vernünftigste Entscheidung“

Denn am Donnerstagnachmittag besprachen sich in Stuttgart außerdem die Manager der Basketball-Bundesliga, wie es dort weitergehen soll. Hier steht erst der 23. von insgesamt 32 Spieltagen an, einige Teams wie Alba Berlin (19 Spiele) haben sogar durch internationale Einsätze noch weniger Partien absolviert. Bei einem Saisonabbruch wären die finanziellen Verluste immens. Was also tun?

„In sorgsamer Abwägung und unter Berücksichtigung der obersten Priorität, der weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken“, heißt es in einer BBL-Mitteilung, „wurde einstimmig beschlossen, den Spielbetrieb der Bundesliga bis auf Weiteres auszusetzen.“ Es bleibe das Ziel, „die Saison 2019/2020 zu einem späteren Zeitpunkt geordnet zu Ende zu spielen“. Vertreter der Klubs wollen sich innerhalb der nächsten 14 Tage wieder treffen, um die dann aktuelle Lage und mögliche Szenarien und Handlungsoptionen erneut zu besprechen.

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi sagte, dies sei „für den Moment die vernünftigste Entscheidung, die getroffen werden konnte“. Die Vereine seien in der Krise sehr solidarisch miteinander umgegangen. Alles hänge mit allem zusammen, es gebe nun viele Dinge, die im Detail geklärt werden müssten. „Wir müssen respektieren, was gerade los ist und gleichzeitig Optionen schaffen, die Saison vernünftig und ordentlich zu Ende zu bringen“, sagte Baldi. Das bedeutet vor allem: viel Arbeit.

Bereits am Morgen vor den Entscheidungen in Europas Königsklasse und in der BBL hatte das Virus auch den Sport in der besten Liga der Welt gestoppt. In der National Basketball Association, kurz NBA, in der ein Großteil der weltbesten Profis sein Geld verdient, hatte der positive Test auf Covid-19 beim Franzosen Rudy Gobert von den Utah Jazz vorübergehend eine Schockstarre ausgelöst. Denn reagierte die Liga mit der Aussetzung des Spielbetriebs bis auf Weiteres.

Mavericks-Chef Mark Cuban: „Wie aus einem Film“

Mark Cuban, Besitzer von Dirk Nowitzkis langjährigem Klub Dallas Mavericks, fasste in Worte, was viele derzeit auf der Welt denken. „Das ist verrückt, das kann nicht wahr sein. Das scheint aus einem Film zu sein, nicht aus der Realität“, sagte er. Der Milliardär betonte, es gehe nun nicht mehr um Basketball. „Wenn das hier einfach explodiert, dann denkst du an deine Familie und möchtest sichergehen, dass du das Richtige tust“, sagte der Chef des deutschen Nationalspielers Maximilian Kleber.

Cuban dachte allerdings auch an die vielen Mitarbeiter im Umfeld der NBA-Teams, die durch die Absage nun keine Gehälter mehr bekommen. Viele Menschen rund um seine Mannschaft seien auf Stundenlohnbasis angestellt und auf das Geld angewiesen. „Vielleicht bitten wir darum, dass sie etwas Freiwilligenarbeit machen im Austausch, aber wir werden uns darum kümmern. Das ist wichtig für mich“, sagte Cuban.

Noch unklar war zunächst, was der positive Test bei Gobert für seine Teamkollegen und auch für Dennis Schröder und seine Mitspieler der Oklahoma City Thunder bedeutete. Sie sollten eigentlich gegen die Utah Jazz antreten. In einigen Medien hieß es, das Team der Jazz bleibe zunächst im Hotel in Oklahoma und stehe unter Quarantäne. Schröder und Co. seien dagegen nach Hause geschickt worden. Ob sie ebenfalls zu Hause in Quarantäne bleiben sollten, war nicht bekannt. Allerdings war Gobert nach Liga-Angaben nicht in der Arena. Der Franzose hatte sich vor ein paar Tagen noch über das Coronavirus lustig gemacht und nach einem Pressegespräch alle Mikrofone berührt. Nun geht er als erster positiv auf Covid-19 getesteter Spieler in die Geschichte der NBA ein.

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