Basketball

Alba Berlin ist für Hermannsson ein Platz zum Bleiben

Martin Hermannsson hat sich zu einer Säule bei Alba Berlin entwickelt. Wird er seinen Vertrag im Sommer verlängern?

Martin Hermannsson (r,), hier im Duell mit Andrew Albicy von Zenit St. Petersburg, hat sich in seiner ersten Euroleague-Saison erstaunlich schnell und gut entwickelt.

Martin Hermannsson (r,), hier im Duell mit Andrew Albicy von Zenit St. Petersburg, hat sich in seiner ersten Euroleague-Saison erstaunlich schnell und gut entwickelt.

Foto: Mike Kireev / picture alliance / NurPhoto

Berlin. Vor Kurzem hatte Martin Hermannsson Besuch. Zu Gast war sein Landsmann Jon Stefansson (37), der eine Basketball-Karriere hingelegt hat wie noch kein Isländer vor ihm. Trier, Dallas Mavericks, St. Petersburg, Neapel, Valencia, Rom, Granada, Saragossa, Malaga – man kann schon sagen, Stefansson hat einiges gesehen. Er konnte Hermannsson viele Dinge schildern, die der Spielmacher von Alba Berlin selbst erleben möchte. „Ich will wissen“, sagt der 25-Jährige, „wie weit ich es mit Basketball bringen kann.“

Sein Wikinger-Blut hilft Martin Hermannsson

Nun ist es so, dass er es speziell in dieser Saison schon recht weit gebracht hat. Es ist seine erste Bewährungsprobe in der Euroleague. Hermannsson bekommt dabei fast mehr Einsatzzeit, als ihm lieb ist. Das liegt daran, dass Peyton Siva so oft verletzt ist, Berlins Nummer eins auf der Point-Guard-Position. Der Isländer plagte sich zwei Monate lang mit einer Schulterverletzung. Zurzeit tut ihm der Rücken weh, wenn er morgens aufsteht. Aber er lässt sich davon nicht aufhalten. „Ich bin müde. Manchmal fühle ich mich wie 35 statt 25“, sagt er, „nur mein Wikinger-Blut hilft mir, solche Phasen zu überstehen.“ Er lacht selbst über seinen Spruch. Ein typischer Hermannsson.

Alle im Verein sind glücklich über seine Entwicklung. „Martin spielt sehr clever. Er versucht sich immer zu verbessern“, lobte ihn Trainer Aito Reneses am Donnerstag nach dem 86:99 gegen Anadolu Istanbul, in dem er mit 19 Punkten Albas bester Werfer war, „auch in der Verteidigung ist sein Level sehr gestiegen.“ Sportdirektor Himar Ojeda ist geradezu stolz darauf, ihn 2018 verpflichtet zu haben. „Ich habe den Jungen schon eine Weile beobachtet, ich wollte ihn unbedingt hier haben“, sagt der Spanier und lässt durchblicken, dass er einige Überzeugungsarbeit leisten musste, sich durchzusetzen. Seine Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt.

Viele Argumente sprechen für Alba Berlin

Auch wenn die Freude über die positive Entwicklung natürlich eine Schattenseite hat: Sie entgeht auch den Managern anderer Vereine nicht. Solcher Klubs, die viel mehr Geld zahlen können, wenn sie einen Spieler haben wollen. Nach dem 83:81 in St. Petersburg wurde Hermannsson zum wertvollsten Spieler des Spieltages gekürt, wegen seiner 24 Punkte und sieben Korbvorlagen. Eiskalt und selbstbewusst sticht er just in jenen Momenten heraus, in denen Partien entschieden werden. Das macht ihn noch wertvoller. Sein Vertrag in Berlin endet im Sommer, und er macht keine Mördergrube aus seinem Herzen, worum es bei einer eventuellen Verlängerung bei Alba gehen könnte. „Welche Coaches hier sind, welche Spieler, ob wir Euroleague spielen. Und das Geld natürlich“, sagt der junge Familienvater, „ich muss mittags etwas zu essen auf den Tisch stellen.“

Gleichwohl sagt Hermannsson vor dem Bundesliga-Gipfel an diesem Sonntag (15 Uhr, Sport1 und Magentasport) in der Mercedes-Benz Arena gegen Brose Bamberg, dass er sich konkret mit einem Wechsel noch nicht beschäftigt. „Es ist Februar. Ich genieße jetzt jeden Moment mit unserem sehr speziellen Team, vor unseren tollen Fans.“ Es fällt ihm leicht, weitere Argumente aufzuzählen, die für einen Verbleib bei Alba sprechen: „Die Stadt ist wunderbar, es gibt keine Probleme, das Geld ist pünktlich auf dem Konto, der Flug nach Island kurz.“

Rokas Giedraitis schlug ein Angebot aus Moskau aus

Alba hofft, dass er sich ebenso verhält wie im vergangenen Sommer Rokas Giedraitis. Der Litauer hatte ein „riesiges Angebot von Chimki Moskau“, wie Ojeda bestätigt, „dass er geblieben ist, war ein Statement. Und auch Martin kann hier noch sehr viel lernen“. Lieber noch ein Stück gemeinsamer Entwicklung mit dem Berliner Team – auch für Hermannsson ist das eine Option. Vielleicht hört er aber auch einfach nur auf das, was ihm Jon Stefansson nach ein paar Tagen als Gast in Berlin sagte: „Ich sehe nicht, warum du diesen Platz verlassen solltest.“