Basketball

40 Minuten zum Stillen von Alba Berlins großer Sehnsucht

Alba Berlins Sehnsucht nach einem Titel ist riesig. Nach fünf Finalniederlagen soll es im Pokal gegen Oldenburg endlich klappen.

Rickey Paulding (l.) stoppen: Das ist an diesem Sonntagabend im Pokalfinale eines der Hauptziele von Alba Berlin und Luke Sikma.

Rickey Paulding (l.) stoppen: Das ist an diesem Sonntagabend im Pokalfinale eines der Hauptziele von Alba Berlin und Luke Sikma.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Berlin. Es dürfte in Basketball-Kreisen zwischen der Nordsee und den Alpen kaum noch jemanden geben, der nicht mitbekommen hat, dass Alba Berlin an diesem Sonntag zum sechsten Mal in nicht mal drei Jahren ein Finale bestreitet und keines der fünf zuvor gewonnen hat. Auch die Mannschaft ist nahezu stündlich an die Endspiel-Niederlagen in Meisterschaft, Pokal und Eurocup erinnert worden, den „Pokal-Fluch“, wie es hieß. Jeder Einzelne hat auch aus tiefstem Herzen bekundet, wie groß der Hunger ist, sich endlich mit einem Titel zu belohnen.

Alba Berlins große Chance, endlich einen Titel zu holen

An alldem ist nichts Falsches. Es darf bloß keine Rolle mehr spielen, wenn der Ball beim Pokalendspiel gegen die Oldenburger Baskets in der Mercedes-Benz Arena (20.30 Uhr, Magentasport) erst mal im Spiel ist. Dann gilt nur noch das Hier und Jetzt, „von der ersten Sekunde beim Sprungball, vom ersten bis zum letzen Angriff, von Verteidigung zu Verteidigung“, wie es Coach Aito Reneses von seinem Team fordert. Sich durch Rückblicke „zusätzlich unter Druck zu setzen“, könnte dem so innig herbeigesehnten ersten Titel unter Reneses im Wege stehen, weiß auch Albas Kapitän. „Es wird wichtig sein, dass wir dieses Finale als ein Spiel ansehen“, sagt Niels Giffey. „Die große Chance, einen Titel zu holen“, sollte sein Team und ihn eher beflügeln.

Wobei Peyton Siva anfügt, dass seine Mannschaft und er ohnehin „in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen“. Das sei in den fünf Finals zuvor so gewesen und auch in den 44 Partien, die Alba bereits in dieser Saison bestritt (Oldenburg: 35). Einzig und allein zähle, sich darauf zu konzentrieren, was nötig sein wird, um am Ende zu siegen. Genau das liege hinsichtlich der Oldenburger klar auf der Hand. „Wir müssen zu allererst Rickey Paulding und Rasid Mahalbasic stoppen, sie sind die Schlüsselfiguren des Oldenburger Spiels, können für sich und die anderen kreieren“, erklärt Albas Spielmacher, der beim 112:106-Krimi am Dienstag in Ulm in letzter Sekunde die Verlängerung erzwang. „Eine wichtige Generalprobe“, so Siva. „Wir sind im Rhythmus geblieben und haben die Partie mit großem Kampf noch umgebogen. Das hat unserem Selbstbewusstsein sehr gut getan.“

Alba Berlin hat große Verletzungssorgen

Mit dem 2,10 Meter großen Mahalbasic, der in der Bundesliga auf durchschnittlich 14,2 Punkte, 7,3 Rebounds und 6,3 Assists kommt, wird es in erster Linie Albas Landry Nnoko (2,08 Meter) zu tun bekommen. Der will den Österreicher vor allem daran hindern, „die anderen ins Spiel zu bringen mit seiner Fähigkeit, zu passen“. Was wohl nicht gänzlich gelingen wird, wie Albas dominanter Allrounder Luke Sikma (10,1 Punkte, 7,9 Rebounds, 4,8 Assists) meint. „Du kannst Spielern wie Mahalbasic ihr Spiel nicht komplett wegnehmen. Du kannst nur versuchen, es für sie schwierig zu machen.“ Er erklärt auch gleich, wie es gehen könnte: „Mit Druck in der Defensive natürlich, aber auch, indem wir unser schnelleres Tempo durchsetzen.“

Wer wem seinen Stil aufzwingt, dürfte zur entscheidenden Frage werden. Alba, das auf die Verletzten Tim Schneider, Stefan Peno, Makai Mason und möglicherweise auch Johannes Thiemann und Kenneth Ogbe verzichten muss, liebt es, schnell zu spielen und ist mit 93,2 Punkten und einer Trefferquote von 41,7 Prozent aus der Distanz die Nummer eins der Liga. Folglich werden die Oldenburger (85,9 Punkte, 35 Prozent Dreier) versuchen, das Tempo aus der Partie zu nehmen.

Für Alba wäre es der zehnte Pokalsieg

Auch die Baskets, derzeit Bundesliga-Vierter, sind mit Erinnerungen angereist, die am Sonntag besser in der Kabine bleiben. So schickte Alba, im Moment Dritter, das Team aus Niedersachsen im Play-off zuletzt jeweils in die Ferien: in der Saison 2017/2018 mit 3:2 im Viertelfinale, in der vergangenen Spielzeit sogar ohne Heimrecht in der „Best of five“-Serie mit 3:0 im Halbfinale. Die ewige Bilanz führt Alba mit 44:21 Siegen an, bei Spielen in Berlin sogar mit 28:6. Auch die beiden Pokalduelle bislang entschieden die Berliner 1998 und 2005 für sich. Für Alba wäre es der zehnte Pokalsieg, für die Oldenburger nach 2015 der zweite.

Die Mannschaft um Rickey Paulding, die die Frankfurter bei ihrer Generalprobe am Dienstag ebenfalls erst nach Verlängerung mit 85:81 niederrang, wird vielmehr die Erinnerung daran aufzufrischen versuchen, dass sie Alba erst vor zwei Wochen in eigener Halle mit 93:88 bezwungen hat. Paulding spielte in dieser Partie durch und erzielte 28 Punkte. Der US-Amerikaner ist 37 Jahre alt, Vater von drei Kindern, die alle „Moin“ sagen können. Er spielt seit 13 Jahren für Oldenburg, isst gern Grünkohl und hat seiner neuen Heimat den Spitznamen „Pauldingburg“ eingebracht. Der Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015 wäre nach Albas Sven Schultze erst der zweite Spieler der Liga, der in drei verschiedenen Jahrzehnten mit dem gleichen Klub einen Titel holt. Noch so eine schöne Geschichte, die am Sonntag spätestens um 20.30 Uhr zur Fußnote wird. Auch Paulding weiß: Die nächsten 40 Minuten – oder möglicherweise auch ein wenig mehr – sind alles, was zählt.

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