Basketball

„Bei Alba Berlin rückt immer ein anderer ins Rampenlicht“

Vor dem Basketball-Pokalfinale spricht Oldenburgs Star Rasid Mahalbasic über Chancen, seinen Kollegen Paulding und Alba Berlins Stärke.

Kämpfer: Rasid Mahalbasic (M.) setzt sich im Bundesligaspiel gegen Luke Sikma (l.) und Landry Nnoko von Alba Berlin durch.

Kämpfer: Rasid Mahalbasic (M.) setzt sich im Bundesligaspiel gegen Luke Sikma (l.) und Landry Nnoko von Alba Berlin durch.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Berlin. Er ist 29 Jahre alt und war in der Türkei, Kroatien, Slowenien, Polen, Tschechien, Kasachstan, Russland und Spanien. Nicht als Tourist, sondern als hochqualifizierter Arbeitnehmer. Er ist Österreicher mit slowenisch-bosnischen Wurzeln und mittlerweile in Basketball-Deutschland gefürchtet und bekannt, aber auch als „Beliebtester Spieler der Bundesliga“ der vergangenen Saison geschätzt. Sein Name ist Rasid Mahalbasic, er ist 2,10 Meter groß und kommt an diesem Sonntag nach Berlin, um sich in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena extrem unbeliebt zu machen. Er will Alba mit den Oldenburger Baskets im Pokalfinale (20.30 Uhr, Magentasport) den Titel vor der Nase wegschnappen.

Berliner Morgenpost: Sie spielen bereits die dritte Saison für die Baskets und stehen noch für eine weitere unter Vertrag. Sind die Wanderjahre vorbei, Herr Mahalbasic?

Rasid Mahalbasic: Ich denke, ja. Am Anfang habe ich die Chance wahrgenommen, Europa ein wenig zu erkunden und war dann ja auch überall. Jetzt bin ich in Oldenburg angekommen. Ich mag den Verein, das Umfeld und die Stadt, die für unseren Klub lebt. Meine Frau und ich haben uns hier sofort heimisch gefühlt. Sie, unsere Tochter und Oldenburg geben meinem Leben jetzt eine Stabilität, die ich zuvor nicht gekannt hatte.

Alba konnten Sie bislang noch nicht entscheidend ärgern. Sie unterlagen den Berlinern mit den Baskets 2018 im Viertel-, ein Jahr später im Halbfinale. Das Pokalendspiel ist jetzt das Duell des Liga-Dritten gegen den -Vierten. Die beiden Partien dieser Saison gewann jeweils die Heimmannschaft. Wie eng wird es am Sonntag?

Fast alle Spiele gegen Alba waren bislang eng und spannend. Die Stimmung wird am Sonntag riesig sein. Wir freuen uns alle auf die Partie, schließlich spielt man ja nicht jeden Tag ein Finale. In den beiden Spielzeiten, die sie ansprachen, ist Alba jeweils verdient eine Runde weitergekommen. In diese Saison sind wir etwas wackelig gestartet, haben uns aber seither gut entwickelt und sind auch athletischer als im Jahr zuvor. Natürlich hoffe ich, dass wir diesmal den längeren Atem haben. Aber es ist alles offen, bei nur einem Spiel weiß man nie, was passiert.

Jeder in der Liga weiß, dass man Sie und Rickey Paulding stoppen muss, wenn man gegen die Baskets etwas ausrichten will. Wer sind für Sie die Schlüsselspieler bei Alba?

Da nenne ich Peyton Siva und Luke Sikma zuerst, aber unter Coach Aito und seinem System kann jeden Tag ein Neuer ins Rampenlicht rücken. Wir müssen alle ernst nehmen, es gibt keinen, der schlecht ist. Ob Niels Giffey oder auch die sehr talentierten jungen deutschen Spieler auf den Außenpositionen. Mit Marcus Eriksson hat Alba einen unglaublich guten Werfer. Alle sind sehr gefährlich für uns.

Das würde jeder der Berliner auch über Ihr Team sagen. Schließlich haben Sie Alba vor nicht mal zwei Wochen erst mit 93:88 bezwungen. Da spielte Ihr Kollege Paulding im Alter von 37 Jahren 40 Minuten durch und machte 28 Punkte. Was, bitte, ist sein Geheimnis?

Genau das fragen wir uns alle hier. Es gibt keinen jungen Spieler, der härter arbeiten kann als er, und er wird immer noch besser. Ich glaube, Gott hat, weil er ein guter Mensch ist, die Hand schützend auf seine Schultern gelegt und hilft ihm, schneller zu regenerieren. Er ist ein Vorbild, als Spieler und als Familienmensch. Ich habe viel von ihm gelernt.

Sie selbst haben 2019 mit vier Triple-Doubles, jeweils zweistelligen Werten bei den Punkten, Rebounds und Assists, Bundesliga-Geschichte geschrieben. Sie punkten, spielen den entscheidenden Pass und sind genau da, wo Fehlwürfe vom Brett fallen. Trainieren Sie das alles oder wurde Ihnen dieses Talent in die Wiege gelegt?

Ich gehe mit unserem Assistenztrainer regelmäßig alle Eventualitäten durch, die auf meiner Position zu erwarten sind – alle Bewegungen und die Hakenwürfe. Nach dem Training werfe ich dann noch Dreier. Es ist schon irgendwie antrainiert. Was dann im Spiel passiert, ergibt sich aber aus dem, was man sieht und aus den Systemen. Und das fällt oft sehr unterschiedlich aus. Am Dienstag gegen Frankfurt brachten uns meine ersten vier Aktionen vier Ballverluste ein, an anderen Tagen hast du dann schon vier Assists.

Sie bereiten Ihren Gegnern große Probleme und dennoch wählten Sie die Fans aus ganz Deutschland zum beliebtesten Spieler der Liga …

(lacht) … Ganz sicher die Folge irgendeines Systemfehlers. Dass ich beliebter bin als Rickey Paulding, ist nicht möglich.

Ach so. Aber selbst, wenn Sie nicht gern gelobt werden: Haben Sie sich über die Auszeichnung gefreut?

Ja, natürlich und sie hat mich auch sehr motiviert.

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