Mercedes-Benz Arena

Wie aus einer Eishockeyarena eine Basketballhalle wird

Albas Pokalfinale stellt die Mercedes-Benz Arena vor Herausforderungen, denn kurz zuvor spielen die Eisbären. So läuft der Umbau.

Es dauert nicht mehr lang, bis die Basketballspielfläche komplett ist.

Es dauert nicht mehr lang, bis die Basketballspielfläche komplett ist.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Eines muss Mathias Zentner vorab loswerden. Das ist ihm wichtig, sehr wichtig. „Das ist ein Training, kein Test. Denn wir müssen das nicht testen“, sagt der Produktionsmanager der Mercedes-Benz Arena. Das haben sie nämlich längst getan, vor Jahren schon. Die Multifunktionshalle lässt sich an einem Tag für zwei verschiedene Sportarten herrichten, kein Problem. Doch bislang gab es eben nie den Ernstfall, bislang wurden nie Eishockey und Basketball binnen weniger Stunden gespielt. Nun aber kommt der Tag X – und deshalb wird noch einmal geübt. „Wir versuchen, uns bestmöglich darauf vorzubereiten“, erzählt Zentner.

Die Arena will den Mitarbeitern ein Gefühl für den großen Tag vermitteln. Am Sonntag spielen erst die Eisbären Berlin gegen die Adler Mannheim, volle Hütte, 14.200 Zuschauer. Weil Alba in das Basketball-Pokalfinale einzog, das Heimrecht per Los bekam und der Termin für denselben Tag festgelegt war, werden jetzt alle ein wenig zur Premiere gezwungen. Die Möglichkeit des Umbaus hatte die Anschutz Entertainment Group (AEG) als Eigner der Halle seit der Eröffnung 2008 immer betont, die Umsetzung allerdings gescheut. Denn der Aufwand ist beträchtlich. „Das stellt uns vor eine große Herausforderung“, sagt Zentner, aber es herrsche eine gewisse Vorfreude, weil es nun endlich so weit sei.

Nur gut fünf Stunden liegen zwischen den beiden Spielen

Die Übung fängt schon in den Vorgesprächen mit den Umbau-Crews an. Alle Arbeiter werden extra angewiesen, was das Tragen der Schutzausrüstung angeht. „Weil unter Zeitdruck eben Hektik entsteht und das die Unfallgefahr erhöht“, so der Produktionsmanager. Gerade sind die Eisbären am 26. Januar fertig geworden mit der Partie gegen Schwenningen (2:1), am nächsten Tag trifft Alba auf Crailsheim (98:82). Eine gute Gelegenheit zum Üben. Wenn die Eishockeyprofis am Sonntag um 13.15 Uhr gegen Mannheim beginnen und etwa um 15.30 Uhr fertig sind, bleiben gut fünf Stunden, bis das finale Pokalduell zwischen Alba und Oldenburg um 20.30 Uhr beginnt. Ein recht kleines Zeitfenster, in dem über 350 Tonnen an Material bewegt werden, knapp 100 davon per Hand.

Einen konkreten Zeitplan für die einzelnen Arbeiten gibt es nicht, weil das nur zusätzlichen Druck aufbauen würde. Die Abfolge ist allerdings genau geregelt. Erst einmal müssen die Eishockeyzuschauer schnell raus. Dann kommt das Reinigungsteam, das zuerst die unteren Tribünen säubern muss, da diese zum Abbau der Banden eingefahren werden. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für die Abdeckung der Eisfläche. 1249 Dämmelemente sind dafür notwendig. Parallel müssen die Plexiglasscheiben entfernt werden, und die TV-Technik wird abgebaut.

Über 800 Mitarbeiter sind an diesem Tag in der Arena im Einsatz

Um den Überblick zu behalten, tragen die Umbau-Teams verschiedene Farben. Blau, orange, gelb, weiß, jede Gruppe hat andere Aufgaben. Die einen legen die Dämmplatten auf das Eis, die anderen bauen die Banden ab, die nächsten legen die Parkettplatten für das Basketballspielfeld, das deutlich kleiner ist als die Eisfläche. Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Eis komplett abgedeckt, die ersten Teile des Basketballparketts (403 Elemente) können erst dann aufgetragen werden, weil die Verlegerichtung der beiden Untergründe es nicht anders zulässt. Nebenbei rollen die Körbe herein. Die engen Platzverhältnisse an den Spielfeldseiten machen das Arbeiten schwierig.

Immerhin, die Stehplatztribüne, die einst eigens für die Fans der Eisbären eingeplant worden ist, muss diesmal nicht abgebaut werden. Sonst wäre der ganze Umbau nicht in so kurzer Zeit zu schaffen. Dafür wird die sonst übliche Kapazität von 14.500 Besuchern beim Basketball leicht steigen. Für die Arbeiten müssen aber auch so fast doppelt so viele Helfer ran wie sonst: 105 beim direkten Umbau, 40 bei der Reinigung. Doch das ist längst nicht alles. „Etwa 800 Leute werden damit beschäftigt sein, dass wir diese beiden Veranstaltungen umsetzen. Wichtig ist, dass alles abgestimmt und koordiniert ist“, sagt Zentner. Ebenso dazu zählen Mitarbeiter in der Gastronomie, im Sicherheitsdienst, bei den TV-Dienstleistern, den Klubs, der Arena. Schon da sind zudem Servicetechniker etwa für Aufzüge, Rolltreppen und Tribünen, die sonst erst bei Störungen gerufen werden.

Der Spieltag ist nur einer von fünf Tagen voller Umbauten

Daraus ergeben sich deutlich mehr Kosten als an einem normalen Tag mit einem Spiel, über die sich die Arena und Alba verständigt haben, über die aber nicht öffentlich gesprochen wird. Während die letzten Teile des Parketts gelegt werden, fahren die unteren Tribünen wieder aus. Der Aufbau der LED-Banden beginnt, die Bestuhlung der Spielfeldsitze ebenso. Nebenher wird die Spielfläche wie immer beim Basketball neu geklebt, die Korbanlagen werden platziert und die letzten TV-Installationen vorgenommen. „Das ist alles körperlich anstrengend“, sagt Produktionsmanager Mathias Zentner.

Damit meint er nicht nur den Tag der zwei Spiele, der vor dem Team liegt. Die Doppelveranstaltung ist eingebettet in eine Reihe von fünf großen Events, die von Freitag bis Dienstag in der Arena stattfinden. Erst das Istaf Indoor, dann gibt Comedian Martin Rütter seine Show, es folgt der Tag mit Eisbären und Alba, Montag bittet die Band Slipknot zum Konzert, und am Dienstag empfangen die Eisbären dann Iserlohn. Vor der Umbau-Crew liegen echt harte Zeiten.

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