Basketball

Alba verliert in der Königsklasse gegen Fenerbahce

In der Euroleague hat Alba Berlin die nächste Niederlage kassiert. Gegen Fenerbahce gab es ein 70:74. Dabei führte Alba lange Zeit.

Albas Johannes Thiemann (r.) kann Luigi Datome von Fenerbahce Istanbul nicht folgen.

Albas Johannes Thiemann (r.) kann Luigi Datome von Fenerbahce Istanbul nicht folgen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Es war eine Atmosphäre in der Mercedes-Benz Arena, als hätte Alba Berlin gewonnen. Zumindest die gastgebende Mannschaft in der Basketball-Euroleague. Doch der Gewinner des Abends war Fenerbahce Istanbul.

Die rund 3000 Türken unter den 12.122 Zuschauern sangen so laut, schwenkten ihre Schals und bejubelten den 74:70 (33:41)-Erfolg ihrer Lieblinge, die nun Kurs auf das Play-off in der Königsklasse halten, dass sie sich wie zu Hause fühlen durften. E

Es war knapp, „aber das war es schon oft in dieser Euroleague-Saison“, sagte Albas Luke Sikma, „trotzdem bin ich stolz auf unsere Mannschaft, wie sie Defense gespielt hat.“

Alba bot Fenerbahce keck die Stirn

Es war gerade eine Minute gespielt, da tigerte Zeljko Obradovic schon an der Seitenlinie auf und ab und schimpfte wie ein Rohrspatz. Es war noch nichts Gravierendes passiert, sein Team führte 3:0. Ein Fehlpass seines Spielers Jan Vesely erregte den Fenerbahce-Coach aber so sehr, dass die Wut raus musste.

Dem serbischen Heißsporn gefiel überhaupt nicht, was er sah, auch in der Folge nicht. Elf weitere Turnovers kamen bis zur Halbzeit hinzu. Der Favorit fand in der ersten Hälfte nicht in sein Spiel. Mal waren es technische Fehler, mal die schnellen Hände in der Alba-Verteidigung, die das verhinderten. Und die Berliner ihrerseits trafen besser. Vor allem: Sie boten dem Euroleague-Champion von 2017 keck die Stirn.

Hatten die türkischen Gäste, in deren Reihen übrigens kein einziger gebürtiger Türke mitspielte, anfangs noch die Kontrolle über das Geschehen, änderte sich dieses Bild allmählich. Albas Schützen Rokas Giedraitis, Marcus Eriksson, Makai Mason trafen gut aus der Distanz, bei 11:10 lagen die Gastgeber erstmals vorn. Nach einem Dreier mit der Pausensirene verwandelte Cavanaugh zum 22:17.

Rokas Giedraitis in Schusslaune

Fenerbahce wirkte angeknockt, Obradovic war wütend und Alba selbstbewusst. Ein Dreier von Mason brachte das 25:17, bei einem weiteren von Martin Hermannsson zum 30:20 in der 15. Minute nahm Obradovic schon seine zweite Auszeit. Alba schwächte das dritte Foul von Peyton Siva kurz zuvor nicht merklich.

Trainer Aito Reneses wechselte viel durch, stets schienen frische Energie und neue Ideen von der Bank zu kommen. Istanbul konnte sich beim treffsicheren Luigi Datome (10 Punkte vor der Pause/15 am Ende) bedanken, dass der Rückstand nicht höher wurde. Auch so betrug er zur Halbzeit acht Zähler - mit einem Rokas Giedraitis (bis dahin 12 Punkte) in Schusslaune.

Als die Gäste den Rebound beherrschten

So schien es weiterzugehen, denn der Litauer eröffnete den dritten Abschnitt mit einem Ballgewinn inklusive anschließendem Dunking. Doch Fenerbahce präsentierte sich anders, bissiger, galliger in der Abwehr, drückte mehr aufs Tempo im Angriff. Peu a peu kam das Obradovic-Team näher, Alba verteidigte seinen kleinen werdenden Vorsprung verbissen. Ende des dritten Viertels punkteten die Berliner fast nur noch von der Freiwurflinie. Was noch schlimmer war: Die Gäste beherrschten mehr und mehr den Rebound.

Dann traf Obradovic einen weisen Entschluss: Er wechselte im letzten Viertel Leo Westerman ein. Der Franzose killte Alba mit seinen drei Dreiern und zwei weiteren Punkten. „Es ist schade“, fand Berlins Center Landry Nnoko, „wir haben eigentlich eine sehr gute Leistung geboten, aber sie haben am Ende ein paar sehr schwere und wichtige Würfe getroffen.“

Auch Kenneth Ogbe war enttäuscht: „Wir spielen zu Hause, es sieht sehr gut aus, wir haben die Chance, und dann stehen wir mit leeren Händen da.“ Jeder sei rumgerannt „wie ein Verrückter. Aber wir haben es nicht geschafft, unser Spiel vierzig Minuten durchzuspielen.“ Das höchste Lob kam nach dem Spiel von einem endlich zufrieden aussehenden Zeljko Obradovic: „Als erstes möchte ich sagen, dass Alba eine sehr gute Leistung gezeigt hat. Das tun sie übrigens schon die ganze Saison.“