Basketball

Alba Berlins Problem mit seinen Verletzten

Das Lazarett bei Alba lichtet sich langsam. Das freut die Berliner. Aber die Rückkehr der Verletzten bringt auch Probleme mit sich.

Zähne zusammenbeißen reicht nicht, die Muskeln müssen auch halten bei Peyton Siva (l.) und seinen Kollegen von Alba Berlin.

Zähne zusammenbeißen reicht nicht, die Muskeln müssen auch halten bei Peyton Siva (l.) und seinen Kollegen von Alba Berlin.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Peyton Siva zieht zum Korb. Mit energischem Antritt, wie man den Spielmacher von Alba Berlin kennt. Zuerst muss ihm sein Mitspieler Luke Sikma einen Block stellen, aber der ist noch in der Kabine. Deshalb steht da jetzt ein großer Ballkorb. „Das ist Luke“, sagt Individualtrainer Carlos Frade. Daran vorbei also schlüpft der wieselflinke Amerikaner, bis sich ein Gegner in seinen Weg stellt. An diesem Donnerstag (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) könnte das Scottie Wilbekin sein, dann spielen die Berliner in der Basketball-Euroleague gegen Maccabi Tel Aviv. Doch wir sind in der Trainingshalle Schützenstraße, darum muss Frade herhalten. Der kann Siva nicht stoppen, und so landet der Korbleger in der Reuse. Oder der Wurf aus der Mitteldistanz. Trifft er nicht, sagt Siva enttäuscht „Oh!“

In Bamberg will Siva Alba Berlin helfen

Verbissen arbeitet der 29-Jährige an seinem dritten Comeback in dieser Saison. Einmal stoppte ihn die Wade, zweimal der Oberschenkel. Glaubt er jetzt mehr an seinen Wurf oder an seine Muskeln? „An meinen Wurf“, antwortet Siva leicht gequält, denn er weiß um seine schlechte Dreierquote von 19 Prozent in dieser Euroleague-Saison. Aber sein Körper macht ihm ein normales Training, eine normale Vorbereitung

unmöglich. Er hat schon seine Ernährung umgestellt, isst mehr Gemüse und Fisch, kein rotes Fleisch mehr, „und keine Cookies mehr für mich. Ich versuche alles, meiner Muskulatur zu helfen“. Der Amerikaner lacht, aber richtig fröhlich ist er nicht, solange er nicht spielen kann. Vielleicht gegen Maccabi, hoffentlich am Sonntag in Bamberg – so ist sein Plan. Doch die vielen Verletzungen machen es kompliziert, endlich wieder in seinen Rhythmus zu finden. Von Bestform ganz zu schweigen.

Das Fatale daran: Die Mannschaft braucht ihn ebenso wie den Dauerverletzten Stefan Peno (Knie) und die gerade erst zurückgekehrten Tyler Cavanaugh und Johannes Thiemann. Gleichzeitig bauen sich damit neue Probleme auf. „Die Sache ist, dass die Comebacker immer etwas Zeit brauchen, sich wieder ans Team zu gewöhnen“, erklärt Martin Hermannsson, ursprünglich Scharfschütze, der viele Spielmacheraufgaben übernehmen muss, wenn Siva und Peno fehlen. Die Symmetrie in der Mannschaft hat sich stark verändert. Thiemann sieht das Positive zuerst: „Wir haben eine ganz andere Dynamik, eine unglaubliche Variabilität, wenn wir komplett sind.“ Doch er gibt zu: „Jeder muss nach einer Verletzung seinen Rhythmus finden. Es ist immer noch ein Stück Vorsicht dabei in den ersten Einsätzen, man steigt nicht so hart ein wie sonst.“ Er denkt nach seiner Gehirnerschütterung an seinen Kopf, Cavanaugh an seinen operierten Knöchel , Siva bei jedem seiner schnellen Antritte an seine Muskulatur. Peno wird noch lange sein Knie im Hinterkopf haben, bildlich betrachtet.

Die Reservisten müssen zurück ins zweite Glied

„Wir haben etwas unseren Flow verloren in den vergangenen Spielen“, sagt Kapitän Niels Giffey, „weil wir sehr viel variieren mussten, Leute integrieren.“ Mal kam Tim Schneider zurück, dann Cavanaugh, zuletzt Thiemann. „Kurz war Bogdan Radosavljevic noch bei uns. Da war schon viel Rotation im Personal.“ Das macht die Dinge komplizierter für eine Mannschaft, die von ihrem schnellen, mutigen Offensivspiel lebt und von blindem Verständnis. Und es gibt ein weiteres Problem, über das nicht gern gesprochen wird: diejenigen, die für die Verletzten eingesprungen sind und nun wieder ins zweite oder dritte Glied zurück müssen.

„Es kann hart sein für diese Spieler, die gut gespielt haben, als andere verletzt waren“, sagt Trainer Aito Garcia Reneses, „dann zuzusehen, auch wenn die Rückkehrer vielleicht nicht in guter Form sind, ist schwer.“ Einer, der sich zuletzt sehr positiv entwickelt hat, ist der Spielmacher Makai Mason. Er war fast schon mehr als ein Backup für Hermannsson. Ein Kresimir Nikic dagegen musste erkennen, dass es unter den Körben von Europas Topteams sehr hart zur Sache geht. Er weiß, woran er arbeiten muss: Muskelmasse zulegen.

In Göttingen ging die Reintegration schief

Andererseits war gerade bei der 71:72 verlorenen Partie in Göttingen zu erkennen, dass es mit der Rückkehr von Spielern allein nicht getan ist. Dort war Alba auf der Centerposition mit Landry Nnoko, Cavanaugh und Thiemann so stark aufgestellt wie lange nicht. Dennoch war ein Hauptgrund für die Berliner Niederlage, dass Göttingens Center Dylan Osetkowski machen konnte, was er wollte. Kein Nnoko, kein Cavanaugh, kein Thiemann bekam ihn in den Griff. „Wenn jemand zurückkehrt, ist das schwer für ihn und für das Team“, stimmt Reneses zu, „die Reintegration passiert bei uns in den Spielen. In Göttingen war zu sehen, wie schwer das ist.“

Dennoch ist dem Spanier wie allen in der Mannschaft recht, dass sich das Lazarett endlich zu leeren scheint. „Je eher wir dieses Problem haben umso besser“, sagt Reneses lächelnd, „jedenfalls ist alles besser, als es zum Saisonende zu haben.“

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