Basketball

Alba Berlin in Europa: Alles andere als ein Aschenputtel

Der 81:57-Sieg über Vitoria war erst der fünfte für Alba in der Euroleague. Dennoch sind die Berliner stolz auf ihr Abschneiden.

Landry Nnoko (l.) gehört zu den Alba-Spielern, die bewiesen haben, dass sie in der höchsten Basketball-Liga Europas mithalten können.

Landry Nnoko (l.) gehört zu den Alba-Spielern, die bewiesen haben, dass sie in der höchsten Basketball-Liga Europas mithalten können.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Stimmung war ausgelassen, wie sollte sie sonst sein nach dem 81:57 über Baskonia Vitoria, Alba Berlins höchstem Sieg in der Basketball-Euroleague in dieser Saison? „Stolz“ auf sein Team war Trainer Aito Reneses. „Zufrieden, weil wir absolut wettbewerbsfähig sind“, äußerte sich Geschäftsführer Marco Baldi. Spielmacher Martin Hermannsson sagte gar: „Das war bisher ein großartiges Jahr in der Euroleague für Alba.“ Moment mal: Fünf Siege in 16 Spielen – ist es wirklich das, was sich die Berliner vorgestellt hatten?

Sikma, Giedraitis und Nnoko haben hohes Euroleague-Niveau

Das nicht. „Man hat schon das Gefühl, dieses Spiel oder jenes hätten wir gewinnen können“, sagte Baldi, „wir hatten vier Verlängerungen und haben nur eine gewonnen.“ In solchen Momenten, speziell nach den Heimniederlagen etwa gegen Bayern München oder Mailand, aber auch bei Efes und Fenerbahce Istanbul, war zunächst die Enttäuschung groß. Doch mit etwas Abstand betrachtet sehen die Dinge manchmal anders aus.

Es gab schon eine gewisse Unsicherheit vor der Rückkehr in die Königsklasse nach fünf Jahren. Alba stellt das jüngste aller 18 Teams, hat einen Etat der unteren Kategorie in diesem Wettbewerb (rund zwölf Millionen Euro), wo etliche Klubs die doppelte oder gar dreifache Summe verwalten. Aus der Berliner Mannschaft hatten nur Marcus Eriksson und Niels Giffey Euroleague-Erfahrung. Würde die Leistungsstärke eines Luke Sikma, eines Rokas Giedraitis oder Landry Nnoko reichen, auch den ganz großen Gegnern Paroli zu bieten?

Giffey ist immer noch bester Dreierschütze

Sikma schilderte seine Erfahrungen so: „Wir spielen jetzt gegen Leute, die ich vorher nur aus dem Fernsehen kannte. Es ist großartig, dass wir mithalten können. Ein Traum. Ich glaube, wir haben unsere Marke in Europa schon gesetzt.“ Für den Amerikaner, von manchen Beobachtern viel zu kritisch betrachtet, gilt das auch. In der Welt der europäischen Basketball-Stars hat der 30-Jährige seinen Platz unter den Top 20 gefunden, was seine Effizienzwerte angeht, in etwa auf Augenhöhe mit Bayern Münchens Ex-NBA-Star Greg Monroe. Auch der Litauer Giedraitis hat sich dort eingruppiert, nicht weit dahinter folgt Center Nnoko. Sie liefern stabil ihre Leistungen ab, ohne große Ausschläge nach oben oder unten. Das ist in der Euroleague sehr viel wert.

Giedraitis ist einer der besten Balldiebe der Liga, Peyton Siva zählt, wenn er nicht gerade verletzt ist, wie Hermannsson zu den zehn besten Passgebern, Kapitän Niels Giffey ist, obwohl seine letzten acht Distanzwürfe nicht trafen, mit einer 58-prozentigen Trefferquote immer noch der beste Dreierschütze Europas. Weitere Indizien, dass Alba in der Euroleague kein Aschenputtel ist. Nur wenige Partien wurden krachend verloren, wie in Tel Aviv, Madrid oder Barcelona. Und Hermannsson ist überzeugt: „Wir können alle diese Teams in Berlin schlagen, mit unseren Fans im Rücken und wenn wir gut treffen. Sicher!“

Alba Berlin hat sich an den Rhythmus gewöhnt

Ihren Optimismus haben sie also bewahrt bei Alba Berlin. Einige Hoffnungen ruhen auf der sehnlichst erwarteten Rückkehr der verletzten Siva, Johannes Thiemann, Stefan Peno und Tyler Cavanaugh. Aber auch darauf, dass die Knochen der bisher in jeder Partie eingesetzten Sikma, Giedraitis, Nnoko, Giffey und Jonas Mattisseck weiter halten und keine neuen Verletzten hinzukommen. „Wir fühlen uns wohl in der Euroleague und haben uns akklimatisiert“, sagte Baldi, „auch an den Rhythmus.“

Mit manchmal heftigen Phasen. Vom 31. Dezember bis 1. Februar, also an 33 Tagen, haben die Berliner elf Spiele zu absolvieren, national und international zusammengezählt, sieben anstrengende Reisen inbegriffen. Macht es nicht letztlich die Situation leichter, dass es für Alba in dieser Saison in erster Linie ums Lernen und Genießen geht? Da widersprach Baldi entschieden: „Hoffentlich ist das eine Saison, in der wir viel lernen. Das heißt nicht, dass wir dankbar sind für Lehrstunden. Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“ Mindestens mehr als fünf von 16.

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