Berliner Champions

Albas Aufschwung lässt Victoria Poros träumen

Albas Victoria wollte aufs College gehen. Jetzt hofft die U18-Europameisterin aus Berlin mit Albas Frauen auf die Bundesliga

Victoria Poros liegt mit den Alba-Frauen auf dem siebten Tabellenplatz.

Victoria Poros liegt mit den Alba-Frauen auf dem siebten Tabellenplatz.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Es ist gut möglich, dass der 23. November 2019 in die Geschichte eingehen wird. Der Tag, an dem sich Victoria Poros von ihrem großen Traum verabschiedete. An diesem Tag bestritten die Frauen von Alba Berlin zum ersten Mal ein Spiel in der Mercedes-Benz Arena. 2100 Zuschauer verfolgten die Partie gegen Opladen, ein neuer Zweitligarekord, der einmal mehr unterstrich, dass Alba es auch mit dem Frauenbasketball ernst meint.

Schon bald wollen die Berliner in die erste Liga aufsteigen und dort um Titel mitspielen. Die Perspektive ist glänzend, weshalb Victoria Poros auch nicht mehr sicher ist, ob sie ihr ursprüngliches Ziel weiter verfolgen soll. Eigentlich wollte die Rudowerin nach dem Abitur im nächsten Jahr in die USA ans College wechseln, wo sie nebenbei Basketball auf höchstem Niveau spielen könnte. Durch Albas Aufschwung hat dieser Traum auf einmal eine neue Facette bekommen.

Alba profitiert von Profispielerin aus den USA

„Ich bin zwiegespalten“, sagt die 18-Jährige. „Ich kann mir auch vorstellen, hier zu bleiben und mit Alba in der Bundesliga zu spielen.“ Noch ist es nicht so weit – aktuell sind die weiblichen Albatrosse lediglich Siebter. Die Fortschritte zur vergangenen Saison sind dennoch deutlich zu erkennen.

„Wenn sich ein Klub wie Alba engagiert, gibt das dem Frauenbasketball in Deutschland insgesamt einen zusätzlichen Schub“, meint Poros. Bislang spielt sich die Frauenliga eher in kleineren Städten ab – Berlin wäre da eine andere Hausnummer. Mit Erika Livermore hat der Klub im Sommer erstmals eine Profispielerin aus den USA verpflichtet, von der die jungen Spielerinnen lernen sollen. „Sie sagt mir jedes Training, was ich noch besser machen kann“, sagt Poros, die sich mit Livermore und einigen anderen Spielerinnen eine WG teilt. In einem Punkt kann ihr aber auch die erfahrene Teamkollegin nicht mehr viel beibringen.

Bei der U18-EM holt sich Poros die Goldmedaille im Shootout

Von der Dreierlinie zählt die Schülerin nämlich schon jetzt zu den Besten. Bei der U18-Europameisterschaft in der Streetball-Variante 3x3 gewann sie im September die Goldmedaille im Shootout. Bereits in der Qualifikation traf sie sieben von zehn Würfen vom Perimeter, im Finale waren es dann zehn von 15 sowie ein Bonustreffer aus etwa neun Metern Entfernung. Der Wettbewerb lief geschlechterübergreifend, doch auch die männlichen Kollegen konnten bei dieser Leistung nicht mithalten.

„Das war schon ein ziemlich cooles Gefühl, die Jungs zu schlagen“, sagt die Berlinerin. Für sie war es die Krönung einer auch sonst äußerst erfolgreichen EM. Beim Turnier in Tiflis (Georgien) landete das deutsche Team auch in der Mannschaft weit vorn und holte am Ende die Silbermedaille, lediglich die Spanierinnen waren im Endspiel zu stark. Doch auch so war es der bisher größte Erfolg für den deutschen 3x3-Bereich. Bei dieser Spielform treten zwei Mannschaften auf einem kleineren Feld mit nur einem Korb gegeneinander an. Die Spielzeit beträgt zehn Minuten oder bis eine Mannschaft 21 Punkte erzielt hat, wobei es für einen Korb immer nur einen beziehungsweise für einen erfolgreichen Dreier zwei Punkte gibt.

Deutschland ist in der 3x3-Variante auf einem guten Weg

2020 in Tokio wird 3x3-Basketball erstmals olympisch. Deutschland hatte die Entwicklung zunächst verschlafen, doch seit einigen Jahren werden nun vermehrte Anstrengungen unternommen, um international den Anschluss zu schaffen. Erfolge wie bei der U18-EM zeigen, dass man dabei auf dem richtigen Weg ist. Taktisch gibt es deutliche Unterschiede zum klassischen Basketball. Beim 3x3 spielt das Eins-gegen-Eins eine größere Rolle. „Normalerweise passt man solange, bis jemand einen freien Wurf bekommt, aber so viel Zeit hat man bei 3x3 einfach nicht“, sagt Poros. Die Angriffszeit ist verkürzt und beträgt lediglich zwölf Sekunden, „da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken“, so die Alba-Spielerin.

Von ihren Erfahrungen auf dem Freiplatz profitiert sie auch in der Halle, wo sie inzwischen ebenfalls viel häufiger selbst zum Korb zieht. Auch das körperbetonte Spiel hat sie beim 3x3 gelernt. „Es ist ein tolles Format“, meint sie. Schon als Kind hatte sich Poros mit ihrer Schwester Alexandra intensive Duelle auf dem Freiplatz geliefert. Die ältere der beiden Schwestern, heute ebenfalls bei Alba aktiv, spielte damals schon länger Basketball. Allerdings standen die beiden aufgrund des Altersunterschieds bis vor Kurzem noch nie zusammen in einer Mannschaft – die vergangene Saison war die erste, die sie bei den Albatrossen gemeinsam absolvierten. „Das war immer ein Wunsch von uns gewesen“, sagt Poros. Dieser Traum hat sich also schon einmal erfüllt.