Basketball

Alba Berlin kämpft gegen sein Vorbild

In der Euroleague trifft Alba Berlin auf Zalgiris Kaunas, das mit seinem außergewöhnlichen Trainer Außergewöhnliches geschafft hat.

Emotionaler Basketball-Coach: Sarunas Jasikevicius ist mit Zalgiris Kaunas bei Alba Berlin zu Gast.

Emotionaler Basketball-Coach: Sarunas Jasikevicius ist mit Zalgiris Kaunas bei Alba Berlin zu Gast.

Foto: Claudio Grassi/LaPresse / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Berlin. Sie sind völlig verrückt, diese Litauer, verrückt nach ihrer Lieblingssportart. 2,8 Millionen Menschen fiebern mit ihrer Nationalmannschaft, die schon beinahe ein Dutzend Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften gewonnen hat. Jeder in dem kleinen Land kennt sich damit aus, fast jeder hat schließlich selbst gespielt. Arvidas Sabonis, Arturas Karnisovas oder Saulius Stombergas sind wie in Deutschland Beckenbauer, Völler, Neuer – Helden. Basketball ist Nationalsport. „Und die Inkarnation dieser Begeisterung“, sagt Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi, die Fleischwerdung also, das „ist Sarunas Jasikevicius“.

Jasikevicius hat vier Mal die Euroleague gewonnen

An diesem Donnerstag ist dieser 43-Jährige als Trainer von Zalgiris Kaunas zu Gast in der Mercedes-Benz Arena (20 Uhr, Magentasport). Wenn er einen normalen Tag hat und sein Team ein bisschen zurückliegt, wird er mit weit aufgerissenen Augen wild gestikulieren, auf seine Profis einreden, sie antreiben. „Ich bin hart zu meinen Spielern“, gibt Jasikevicius zu, „aber ich bin auch zu mir selbst hart. Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich.“

Er ist diesen Ansprüchen meistens gerecht geworden und gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten in Europa. Die Euroleague gewann der Vater von zwei Kindern vier Mal: 2003 (an der Seite von Patrick Femerling unter Trainer Svetislav Pesic) mit dem FC Barcelona, 2004 und 2005 mit Maccabi Tel Aviv, 2009 mit Panathinaikos Athen. Der Spielmacher verkörperte immer einen Schuss Genialität mit viel Emotionen und noch mehr Leidenschaft. Sein Credo, damals wie heute: Wo Talent nicht reicht, kann Intensität dennoch sehr viel bewirken. Wohl auch deshalb hat er sich in seinen zwei Jahren NBA dort nicht wohlgefühlt. Und lieber kreuz und quer durch Europa Meistertitel gehamstert, in Israel, Slowenien, Spanien, Griechenland, der Türkei. In jedem Land, in dem er war.

Wie Alba Berlin hat Zalgiris kein sehr hohes Budget

Seinen letzten gewann er 2014 ausgerechnet mit Kaunas, in seinem letzten Profijahr. Obwohl in der Stadt geboren, hatte er bis dahin einen Bogen um Zalgiris gemacht. Jetzt ist er dort nicht mehr wegzudenken, denn der Europameister von 2003 wurde schnell das Gesicht des Vereins – zunächst als Assistenz-, seit 2016 als Cheftrainer. Ein Lausbubengesicht, irgendwie, aber wiederum ein erfolgreiches. Zalgiris gehört wie Alba zu den Klubs mit den niedrigsten Budgets in der Euroleague, nicht höher als 15 Millionen Euro. Und schafft es trotzdem, die Großen zu ärgern.

Schon in seinem zweiten Jahr als Headcoach führte Jasikevicius Zalgiris vorbei am FC Barcelona, an Efes Istanbul, Maccabi Tel Aviv oder Panathinaikos Athen ins Final Four. Der sonst so harte Mann weinte nach dem entscheidenden Viertelfinale gegen Olympiakos Piräus hemmungslos, als er von fast 15.000 Fans in der schmucken Zalgirio Arena gefeiert wurde. „Wenn du siehst, wie sich deine Spieler Schritt für Schritt verbessern, macht dich das sehr stolz“, sagte er, „dann kommen solche Emotionen.“

Alba Berlin sieht die Litauer als Vorbild an

Als müsste er beweisen, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege war, gelang im Jahr darauf immerhin der Einzug ins Viertelfinale. „Zalgiris ist ein Vorbild für uns“, sagt Baldi, „sie haben ein sehr gutes Scouting, holen gute Spieler und haben eine große Basis an einheimischen Profis.“ Der Berliner Manager schätzt, wie es gelingt, daraus das Optimum herauszuholen. „Sehr wesentlich ist ihre 40-minütige Intensität, dagegen müssen wir ankommen. Sie werden bis zur letzten Minute beißen.“ Und wenn nicht, wird jemand an der Seitenlinie stehen, der diesen Job zur Not selbst übernimmt. Bis seine Spieler das wieder tun.

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