Basketball

Für Alba ist die Euroleague Fluch und Segen zugleich

Alba leidet unter der hohen Belastung durch die Euroleague. Termin-Hatz und viele Verletzte machen den Berlinern das Leben schwer.

Alba mit Kenneth Ogbe (l.) unterlag in Ludwigsburg mit Jaleen Smith.

Alba mit Kenneth Ogbe (l.) unterlag in Ludwigsburg mit Jaleen Smith.

Foto: Thomas Kienzle / dpa

Berlin. Also, vorab: Nichts gegen Ludwigsburg, nichts gegen das 81:77, mit dem die schwäbischen Riesen „den Albatrossen die Flügel stutzten“, wie auf der Webseite der Basketball-Bundesliga zu lesen ist. Und auch nichts gegen Einsatz, Kampfgeist oder das spielerische Vermögen der Ludwigsburger. „Sie haben am Ende die wichtigen Würfe getroffen und wir nicht“, bilanzierte Martin Hermannsson, der erneut 33 Minuten lang den verletzten Peyton Siva als Spielmacher vertrat, Albas zweite Bundesliga-Niederlage dieser Saison trocken. Coach Aito Reneses beglückwünschte die Sieger „natürlich. Sie haben sehr hart, sehr gut und mit sehr viel Energie gespielt. Wir hatten diese Energie heute leider nicht“.

Auf Alba warten drei Heimspiele in fünf Tagen

Was alles andere als ein Wunder war. Sein Team hatte zuvor in acht Tagen drei Auswärtsspiele bei Maccabi Tel Aviv, Bayern München und Panathinaikos Athen bestritten. Jetzt warten mit genau 50 Stunden Abstand (Reisetag inklusive) drei Heimspiele in fünf Tagen gegen Roter Stern Belgrad (Dienstag, 20 Uhr), Olympiakos Piräus (Donnerstag, 20 Uhr) und Oldenburg (Sonnabend, 18 Uhr, alle in der Mercedes-Benz Arena und bei Magentasport). Ludwigsburg – in dieser Saison in Europa abstinent – bestreitet hingegen Woche für Woche genau ein Spiel. Die Euroleague mit allein 34 Hauptrundenspielen, in der die Teams von Oktober bis April Woche für Woche von einem Ende Europas zum anderen jetten, ist mit den nationalen Ligen kaum noch unter einen Hut zu bekommen. Schon gar nicht, wenn Mannschaften wie derzeit Alba „parallel zueinander viele Spiele und viele Verletzungen zur gleichen Zeit haben“, wie Reneses beklagt.

Alba leidet unter den vielen Verletzungen

Vor dem Abflug nach Athen war Albas Trainer vergangene Woche nur noch die Flucht in den Galgenhumor geblieben, nachdem sich zusätzlich zu den Verletzten Tyler Cavanaugh, Siva, Marcus Eriksson und Stefan Peno auch noch Landry Nnoko wegen eines Magen-Darm-Virus abgemeldet hatte. Es sei schwierig, so Reneses, „sich weiterzuentwickeln, wenn du keine Spieler hast. Viele denken, mit Spielern zu reden reicht, aber ab und an muss man auch mal mit ihnen trainieren.“

Trainer Reneses warnt vor Negativ-Spirale

Erstaunlicherweise gewann Alba dann mit einem Kraftakt sondergleichen als krasser Außenseiter bei Panathinaikos Athen nach zwei Verlängerungen 106:105. Aber auch in der griechischen Hauptstadt redete Albas Cheftrainer wie schon mehrfach zuvor Klartext. „In der Summe aus Euroleague, den nationalen Ligen und den Nationalmannschaftsfenstern kommen wir einfach auf zu viele Spiele“, sagte Reneses in einem Interview, das er am Spieltag der Online-Plattform „talkbasket.net“ gab. Die Spirale „mit der Zunahme von Verletzungen, wachsendem Reisestress und immer weniger Zeit für Training und Regeneration“ werde sich weiter drehen. Es müsse eine Lösung gefunden werden, bei der „nicht jeder nur an sich denkt“. Eine Möglichkeit wäre, so Albas Coach, die drei Wettbewerbe übers Jahr verteilt zeitlich zu trennen.

Euroleague zieht immer mehr NBA-Stars an

Ob das die Lösung sein wird und wann überhaupt ernsthaft nach einer gesucht wird, lässt sich nicht vorhersagen. Bis dahin wird die Kluft zwischen der Euroleague, die auch immer mehr Stars aus der NBA wie Greg Monroe (München) oder Nikola Mirutic (Barcelona) anzieht, zu den anderen Wettbewerben sicherlich weiter wachsen. Berlin kann froh sein, dass Alba den Anspruch hat, bei den Besten dabei zu sein, und im Rennen um die deutsche Meisterschaft wird die Mannschaft von den Erfahrungen in der Königsklasse profitieren. Irgendwann im Mai. Bis dahin heißt es erst einmal: Der Nächste bitte! Und: Herzlich willkommen, Roter Stern Belgrad!