Basketball

Albas Thiemann: „Müssen uns noch an Euroleague gewöhnen“

In der BBL Spitzenreiter, in der Euroleague Lehrling: Die Saison läuft für Alba Berlin und Johannes Thiemann noch nicht wie gewünscht.

Johannes Thiemann (M.) hat sich den Ball erkämpft. Alba verlor bei Real Madrid dennoch mit 71:85 – die fünfte Euroleague-Niederlage in Folge.

Johannes Thiemann (M.) hat sich den Ball erkämpft. Alba verlor bei Real Madrid dennoch mit 71:85 – die fünfte Euroleague-Niederlage in Folge.

Foto: Juan Carlos García Mate / picture alliance / Pacific Press

Berlin. Zwölf Spiele, sieben Siege: Der Saisonstart verlief für das Basketballteam von Alba Berlin national sehr gut (sechs Siege), international jedoch nicht so berauschend (ein Sieg, fünf Niederlagen). Die Mannschaft wirkt ausgelaugt durch die Doppelbelastung, in der Führungsetage wird schon die Vielzahl der Spiele beklagt. Die Berliner Morgenpost befragte Center Johannes Thiemann zu dem Thema.

Berliner Morgenpost: Am Mittwoch fliegen Sie mit Alba Berlin nach Tel Aviv. Freuen Sie sich schon? Dort sind 30 Grad, es gibt einen großen Strand, Tel Aviv ist eine schöne Stadt...

Johannes Thiemann: (lacht) Auf jeden Fall. Durch die Europameisterschaft 2017 in Israel habe ich auch gute Erinnerungen.

Was ist denn anstrengender im Moment: das Reisen, das Spielen, die Vorbereitung?

Das Spielen ist schon das Anstrengendste, weil man da in jedem Moment alles gibt. Aber das Reisen kommt extrem erschwerend dazu. Es ist schon eine krasse Belastung für den Körper. Trotzdem dürfen wir das nicht als Ausrede nehmen. Man ist zwar mal müde, wir dürfen trotzdem nicht unkonzentriert sein.

Die ersten drei Euroleague-Spiele haben Sie verletzt verpasst, in den folgenden dreien waren Sie immer länger dabei und haben Ihre statistischen Werte gesteigert. Es läuft also wenigstens bei Ihnen.

Ich freue mich, dass die Verletzung hinter mir liegt und ich mich jetzt auf mein und generell auf unser Spiel konzentrieren kann. Es tut gut, wenn man einfach spielen kann, nicht über irgendetwas nachdenken muss. Und wenn ich meinem Team mit meiner Leistung helfen kann. Hoffentlich geht es so weiter.

In der Regel startet Landry Nnoko auf Ihrer Position. Wie wichtig sind Sie und die anderen, die meistens von der Bank kommen, in dieser anspruchsvollen Saison?

Wir haben eine große Rolle durch die Doppelbelastung mit den vielen Spielen. Man kann nicht mit sieben Spielern antreten, wo jeder dreißig Minuten auf dem Feld steht – dann ist man spätestens zur Saisonhälfte ausgebrannt. Deshalb ist es sehr gut, dass wir so breit aufgestellt sind und auch alle viel Einsatzzeit bekommen.

Alba hat erst zwölf Spiele hinter sich, wirkte aber zuletzt schon einigermaßen geschafft – auch wenn nicht mit sieben Leuten gespielt wird. Man sieht die ersten Leistungslöcher bei Nnoko, bei Niels Giffey.

Das ist völlig normal, und umso wichtiger ist es, dass wir tief besetzt sind. Dass wir dann, wenn der eine oder andere mal müde ist und nicht seine normale Leistung bringen kann, zwölf oder sogar noch mehr Spieler haben, die spielen, punkten, einen wichtigen Teil beitragen können. Natürlich war die letzte Woche mit dem Doppelspieltag in Europa anstrengend. Das ist aber nun mal so und wird nicht leichter. Jetzt kommen ja vier Auswärtsspiele auf uns zu. Wir müssen trotz Müdigkeit einfach konzentriert weitermachen.

Alle haben sich auf die Euroleague gefreut, obwohl alle wussten, dass es zehrend werden würde. Sind Sie selbst ein bisschen überrascht, wie sehr? Ist es schlimmer als erwartet?

Was heißt schlimmer als erwartet? Das Niveau ist einfach auch höher, deshalb sind die Spiele noch anstrengender, wenn man mithalten, gewinnen, die Intensität hoch halten will. Das ist schon anders als in anderen Wettbewerben.

Als im Eurocup zum Beispiel?

Ja, zum Beispiel. Wobei ich nicht sage, dass es dort viel leichter ist. Wir hatten auch dort vergangene Saison viele Spiele, sind also die Belastung gewohnt. Nur ist die Euroleague-Herausforderung schon noch mal eine Stufe höher. Alle haben gewusst, dass es härter wird, das hat sich jetzt bestätigt. Wir müssen uns noch daran gewöhnen.

Es kommt auch bald eine Phase, da spielt Alba tatsächlich alle zwei Tage. Kann man sich da überhaupt noch erholen geschweige denn vernünftig vorbereiten?

Ich glaube, wir machen das sehr gut. Wir sind auf unser Spiel fokussiert, versuchen, mit unserer Art Basketball jedem Gegner entgegenzutreten. Wir wollen uns verbessern, unser Spiel verbessern. Letztlich ist der Gegner egal. Die Spielvorbereitung ist vor allem auf uns selbst gerichtet. Mehr Zeit bleibt auch gar nicht. Ich denke, etwa Real Madrid und andere machen das auch nicht anders. Man kann nicht jedes System vom Gegner scouten und es dann verhindern, das wäre zu viel.

Verzeihung, aber bisher scheint diese Art der Vorbereitung noch nicht ganz zu funktionieren: Sie haben fünf Spiele am Stück verloren.

Die Euroleague ist eben eine sehr, sehr starke Liga. Das darf man nicht ausblenden. Natürlich ist es unglücklich, dass wir jetzt so oft verloren haben. Aber man konnte sehen, dass wir nah dran sind, mit guten Teams mithalten können. Wir lernen. Ich denke, dass wir uns im Laufe der Saison dann auch noch steigern und hintenraus den einen oder anderen schlagen.

Wie sieht denn zum Beispiel Ihre Vorbereitung auf Tel Aviv aus? Sie haben Sonntag gegen Ulm gespielt – und danach?

Montag hatten wir frei. Dienstag hatten wir eine längere Trainingseinheit. Am Mittwoch reisen wir, ich weiß noch gar nicht, ob wir dann in Tel Aviv am Nachmittag oder Abend noch mal trainieren.

Und wann geht es an den Strand?

Das wird wahrscheinlich schwierig. Wir fliegen am Freitag früh zurück. Am Spieltag will man auch nicht baden gehen. Aber ich glaube, man wird schon mal zum Strand runterlaufen können.