Basketball

Alba spielt sich den Frust von der Seele

Alba Berlin hat zuletzt dreimal in der Euroleague verloren. Doch in der Bundesliga sind sie nach ihrem Sieg gegen Ulm Spitzenreiter.

Albas Peyton Siva (r.) läuft mit Ball über den Court.

Albas Peyton Siva (r.) läuft mit Ball über den Court.

Foto: Andreas Gora / pressefotoGora

Berlin. Es liegen anstrengende Reisen vor Alba Berlin, schwere Spiele. In den nächsten zwei Wochen heißen die Ziele Tel Aviv, München, Athen und Ludwigsburg, ehe am 19. November gegen Roter Stern Belgrad die nächste Partie vor eigenem Publikum ansteht. Da tut es gut, mit einem positiven Gefühl vorübergehenden Abschied zu nehmen. Sogar mit der Tabellenführung in der Basketball-Bundesliga.

Ratiopharm Ulm musste dafür herhalten in der Mercedes-Benz Arena. Vor 8663 Zuschauern besiegte die Mannschaft von Trainer Aito Reneses die Schwaben nach einer Leistungsexplosion im letzten Viertel mit 109:89 (50:55). Es war der fünfte Bundesliga-Sieg im fünften Spiel. Allerdings sah es lange Zeit nicht nach einem Erfolg aus, jedenfalls nicht nach einem so hohen. „Wir waren es satt, andauernd zu verlieren, dreimal in Folge in der Euroleague, das ist nicht Alba“, sagte Martin Hermannsson, mit 22 Punkten bester Spieler des Abends.

Schwaben erwischen einen sehr guten Start

Schon jetzt ist einigen Alba-Profis anzumerken, wie anstrengend die erste Saisonphase für sie ist. Es fiel offenbar schwer, sich zu konzentrieren. Oder die Schwaben hatten einfach einen besonders guten Start erwischt. Ihr Zusammenspiel klappte wie am Schnürchen, natürlich auch begünstigt durch die unaufmerksame Abwehrarbeit der Gastgeber, die oft einen Schritt zu weit von ihrem Gegner standen, einen Moment zu spät kamen. Die Gäste, in dieser Saison mit durchschnittlich 20 Ballverlusten die Turnover-Könige der Liga, machten kaum einen Fehler und trafen dazu aus der Distanz außergewöhnlich gut in der ersten Halbzeit. Acht von dreizehn Würfen verwandelt – das ist überragend.

Alba geriet so immer wieder in Rückstand und musste sich herankämpfen. Das kostete weitere Kraft. Dabei leisteten die Bankspieler gute Arbeit, die Berliner gingen nach einer 10:0-Serie 23:22 in Führung. Wieder zog Ulm davon, nach einer weiteren 10:0-Serie zum 48:46 schien Alba das Geschehen besser in den Griff zu bekommen. Aber die Gäste setzten sich zur Pause erneut ab. Lange Gesichter im Alba-Team, das in der zweiten Halbzeit allerdings wie verwandelt war.

Müdigkeit soll nicht als Ausrede gelten

Erst am Sonnabend waren die Berliner aus Madrid zurückgekommen. „Die Müdigkeit durch das Reisen darf keine Ausrede sein, schlecht zu verteidigen“, sagte Hermannsson, „wir waren mit uns sehr unzufrieden.“ Und so entwickelte sich ein ganz anderes Geschehen. Der vorher noch so stabil wirkende, erst 18-jährige Ulmer Spielmacher Killian Hayes produzierte plötzlich Fehler auf Fehler, die Dreier der Süddeutschen fielen nicht mehr in den Alba-Korb wie zuvor. „Wir haben 25, vielleicht 30 Minuten gut gespielt, danach wurden wir überrollt“, sagte Ulms Trainer Jaka Lakovic enttäuscht.

Sein Kollege Reneses gab zu: „Es war schwerer, als es das Endergebnis erscheinen lässt. Ich bin froh, wie meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit die Energie wiedergefunden hat.“ Dabei taten sich besonders Jonas Mattisseck (13 Punkte) und Johannes Thiemann (6 Punkte/5 Rebounds) hervor. Die Dreier von Mattisseck, Niels Giffey, Peyton Siva ließen den Berliner Vorsprung höher und höher wachsen. Das letzte Viertel ging mit 35:14 an Alba. „Wir hatten viel Energie, auch durch unsere Fans, und wir haben besser verteidigt“, freute sich Kenneth Ogbe. Er und sein Team reisen jetzt mit einigem Optimismus zum nächsten internationalen Einsatz am Donnerstag bei Maccabi Tel Aviv.