Basketball

Alba gegen Ulm: Treffen der Verunsicherten

Alba kassierte bei Real Madrid die fünfte Euroleague-Niederlage und hofft Sonntag gegen Ulm auf einen Sieg fürs Selbstvertrauen.

Immer einen Schritt schneller als Alba: Reals Jaycee Carroll (r.) zieht an Tyler Cavanaugh vorbei.

Immer einen Schritt schneller als Alba: Reals Jaycee Carroll (r.) zieht an Tyler Cavanaugh vorbei.

Foto: Oscar Gonzalez / picture alliance / NurPhoto

Berlin. Aito Garcia Reneses hatte keine Lust, sich auf eine exakte Fehleranalyse einzulassen, vergebene Freiwürfe, Fehlpässe oder falsche Entscheidungen in den wichtigsten Momenten. „Wir haben schlecht gespielt, dann besser und dann wieder schlechter“, sagte der Trainer von Alba Berlin nach dem 71:85 (38:42) bei Real Madrid in der Basketball-Euroleague lapidar. Es war für die Berliner die fünfte Niederlage in Folge auf internationalem Parkett. Und alles andere als eine gute Werbung für das Bundesligaspiel an diesem Sonntag (18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) gegen Ratiopharm Ulm.

Makai Mason mit bester Leistung im Alba-Trikot

Es war wie so häufig wie in den bisherigen Euroleague-Spielen Albas: Nicht alles war schlecht, es gab sogar eine realistische Siegchance, erneut gegen eines der Schwergewichte im europäischen Basketball. Zugang Makai Mason (zehn Punkte) zeigte seine beste Leistung im neuen Trikot, Johannes Thiemann (10 Punkte, vier Rebounds) hatte nach seiner Leistenverletzung einen erfreulichen Auftritt, Martin Hermannsson (13 Punkte) und Peyton Siva (zehn) spielten passabel. Gemeinsam holte das Team einen Zwölf-Punkte-Rückstand auf, führte im dritten Viertel 55:53.

Doch zur Unzeit häuften sich hektische Aktionen, Fehlwürfe, Missverständnisse. Alba kann solche Spiele gewinnen, wenn die Mannschaft es einmal schafft, auf konstantem Niveau zu bleiben und der eine oder andere Profi vielleicht über sich hinauswächst. Beides war nicht der Fall. Stattdessen blieben in Landry Nnoko und Niels Giffey zwei wichtige Stützen an diesem Abend weit unter ihrem Niveau.

Real erleichtert über Ende der Negativserie

„Wir haben nicht herausragend gespielt, wir haben die richtigen Dinge gemacht, wir waren solide“, sagte Pablo Laso, der Kollege von Reneses aufseiten Madrids. Dass dies reichte gegen den deutschen Euroleague-Neuling, erwähnte er nicht besonders, aber es klang durch. Etwas anderes hob er hervor, seine Erleichterung, nach drei Niederlagen mal wieder gewonnen zu haben. „Es ist schwierig, wenn du so eine Niederlagenserie hast. Es ist in deinem Kopf.“

Da möchte man nicht in die Köpfe der Alba-Spieler schauen, die nun fünf Mal in Folge als Verlierer vom Parkett gingen. Vielleicht kommt Ulm da gerade recht, eine Mannschaft, die ebenfalls nicht vor Selbstvertrauen strotzt. In der Liga nur eine von vier Partien gewonnen, im Eurocup gar nur eines von fünf: Die Schwaben laufen ihren Ansprüchen in beiden Wettbewerben weit hinterher.

Ulm hat viele gute Spieler verpflichtet

Sie haben aber auch viel riskiert. Nach der erfolgreichen, acht Jahre währenden Ära unter Trainer Thorsten Leibenath stieg dieser dort zum Sportdirektor auf und verpflichtete mit dem Slowenen Jaka Lakovic einen Novizen für seine Nachfolge. Noch mutiger erscheint die Entscheidung, auf den 18 Jahre jungen Franzosen Killian Hayes als ersten Spielmacher zu setzen, der schon eine Menge Lehrgeld zahlen musste, doch ohne Frage ein Riesentalent ist und schon im Verlaufe der Saison große Fortschritte machen wird.

Mit Seth Hinrichs (Vechta), Derek Willis (Göttingen), Andreas Obst (Obradoiro/Spanien) oder Patrick Heckmann (Bamberg), besonders aber mit dem NBA-erfahrenen Slowenen Zoran Dragic (Triest/Italien) stehen sehr viele gute Spieler im Team, die sich nur noch nicht als solches gefunden haben. „Sie brauchen noch Zeit, bis sie so spielen, wie es ihrem Potenzial entspricht“, glaubt Reneses. Bei Alba werden sie hoffen, dass er damit Recht behält.