Kommentar

Dabeisein ist nicht alles

Alba Berlin ist neu und lernt viel in der Euroleague. Trotzdem wird es Zeit, Lehren aus den Pleiten zu ziehen, findet Dietmar Wenck.

Dietmar Wenck kommentiert die Leistungen von Alba Berlin.

Dietmar Wenck kommentiert die Leistungen von Alba Berlin.

Foto: BM

Sicher, es ist eine schöne Sache für Alba Berlin, sich wieder mit den besten Basketballteams des Kontinents zu messen. Und der Auftakt war wirklich schwer. Dem begeisternden Erfolg gegen noch ungeordnete St. Petersburger folgten Niederlagen gegen Platzhirsche wie Efes Istanbul (sehr knapp), FC Barcelona und ZSKA Moskau; beiden bot Alba eine Halbzeit lang Paroli.

Eine Niederlage, die mehr schmerzt

Solchen Konkurrenten zu unterliegen, die nichts anderes als das Final Four des Wettbewerbs anstreben, ist erwartbar für einen Aufsteiger wie Berlin. Wenn man realistisch an Kader, Etat und internationale Erfolge herangeht, ist auch eine Pleite gegen Armani Mailand alles andere als eine Überraschung. Dennoch schmerzt sie viel mehr als die vorangegangenen.

Es ist nicht zu erwarten, dass Alba bei den nächsten Aufgaben bei Real Madrid, Maccabi Tel Aviv und Panathinaikos Athen die Bilanz von 1:4 Siegen wesentlich aufhübscht. Mit einer 2:3-Bilanz zu verreisen, wäre entspannter gewesen, es hätte auch dem Selbstvertrauen gutgetan. Nun droht ein 1:7 – nicht gerade sehr sexy als Perspektive für dann noch weitere 26 Euroleague-Spiele.

Die Zuschauer-Resonanz ist bisher erfreulich

Bisher kamen im Durchschnitt 11.000 Zuschauer zu den Partien in die Arena am Ostbahnhof. Doch Neugier auf die besten Mannschaften Europas hin oder her: Niederlagen sind niemals dazu geeignet, den Ansturm auf die Tickets zu erhöhen.

Das Positive an den Alba-Spielern ist: Sie reden nicht drumherum, dass sie eine Chance vertan haben. Sieg Nummer zwei wäre möglich gewesen. Mailand war am Dienstagabend schlagbar, hat nicht gezeigt, was es zu zeigen in der Lage wäre.

Ein Motto aus dem vergangenen Jahrtausend

Aber internationale Erfahrung und Abgezocktheit ihrer Protagonisten haben den Mailändern gereicht für die Berliner, die genau im entscheidenden Moment, im zweiten Viertel, die gerade eroberten Bälle vogelwild wieder hergaben statt eiskalt klar in Führung zu gehen. Wie man es richtig macht, zeigten die Gäste im Viertel darauf.

Albas junge Mannschaft hat nun die ersten Lehrstunden an Effektivität hinter sich. Sie darf jetzt gern damit anfangen, zu zeigen, dass sie auch wirklich gelernt hat. Wie wär’s in Madrid? Dabeisein ist nicht alles im Sport, dieses Motto stammt aus dem vergangenen Jahrtausend.