Basketball

Albas neue, schöne, komplizierte Welt

In der Bundesliga ist Alba Berlin Tabellenführer. Doch in der Euroleague muss das Team lernen, mit Niederlagen umzugehen.

Luke Sikma (M.) hat eine kleine Lücke in der Moskauer Defensive entdeckt. Dass ZSKA so etwas erlaubte, war am Freitag sehr selten der Fall.

Luke Sikma (M.) hat eine kleine Lücke in der Moskauer Defensive entdeckt. Dass ZSKA so etwas erlaubte, war am Freitag sehr selten der Fall.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Es war ja eigentlich allen klar, dass es genau so kommen würde. Wenn Alba Berlin in der Basketball-Bundesliga antritt, wie vergangenen Sonntag in Würzburg (110:82), dann ist die Mannschaft von Trainer Aito Reneses den meisten Kontrahenten klar überlegen. Sie ist Tabellenführer. Geht es jedoch in der Euroleague gegen Kaliber wie den FC Barcelona (84:103) oder jetzt am Freitag ZSKA Moskau (66:82), dann scheint es, als wären die Körbe des Gegners plötzlich kleiner geworden. Erwartet oder nicht: Niederlagen tun jedem Sportler weh. Gerade solche. „In der ersten Halbzeit“, sagte der starke Nationalspieler Niels Giffey nach der Partie gegen ZSKA bedient, „war schon das Gefühl da, dass wir mithalten können.“

Alba fehlt in Europa der Killerinstinkt

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi glaubt, dass dieses „Was war da eigentlich los?“ seine Spieler noch eine Weile beschäftigen wird. Mannschaften wie ZSKA Moskau haben nicht nur eine individuell höhere Qualität, das allein hebt sie nicht auf eine andere Ebene. Sie spielen auch als Team häufig fast perfekt miteinander, lassen nie nach und spüren genau, wenn ihr Gegner zu zweifeln beginnt. Baldi nennt das Killerinstinkt. Obwohl zum Beispiel die Moskauer ohnehin immer mit einer hohen Intensität verteidigen, legen sie in solchen Momenten noch einmal zu. In diesen Phasen bringen sie das Geschehen unter ihre Kontrolle. Wie im dritten Viertel in Berlin, das sie 22:8 gewannen.

Alba fehlt in der Königsklasse diese Abgezocktheit. Noch. „Wir waren zu emotional, haben uns geärgert, wollten Dinge erzwingen“, erkannte Baldi. Der Fokus war vorübergehend weg, was Trainer Reneses wurmte. Der Spanier lobte die mehr als 13.000 Fans, „sie waren das Beste von Alba heute, sie haben uns 40 Minuten in jedem Moment unterstützt. Aber wir haben die Konzentration verloren, weil uns ein paar Dinge misslungen sind. Natürlich können wir gegen Moskau verlieren, doch so etwas darf uns nicht passieren. Wir müssen unserem Stil treu bleiben.“

Lehrreiche Momente für Jonas Mattisseck

Bei den Spielern schien das schon kurz nach der Niederlage angekommen zu sein. „Es ist schwer, fokussiert und positiv zu bleiben, wenn du Würfe vergibst“, sagte Luke Sikma, „aber wir müssen lernen, vierzig Minuten mit voller Energie und hart zu spielen.“ Das geht allerdings nicht auf Knopfdruck, „das ist ein Prozess“, sagte der 30-Jährige. Gerade die jungen Profis bekommen bei ihrer Premiere in der Euroleague Lehrstunden. Manchmal sehr schmerzhafte. Wie der 19-jährige Jonas Mattisseck, der aufs Feld kam und dem gleich von Mike James der Ball gestohlen wurde. Willkommen in der besten Basketball-Liga Europas, junger Mann. Willkommen, Alba, in der Realität.

Mattisseck ist zum Glück selbstbewusst genug, das richtig zu verarbeiten. Er hat jetzt innerhalb von zwei Wochen gegen Shane Larkin (Efes Istanbul), Malcolm Delaney (Barcelona) und James spielen dürfen. Müssen. Das ist schlicht die Elite Europas. „So ein Ballverlust passiert Jonas nicht noch mal. Ab jetzt ist er wachsam“, sagte Baldi voraus. Die vielen Fragen, die sich in der schönen, neuen, komplizierten Alba-Welt im Moment auftürmen, werden dazu führen, dass die Spieler weiter wachsen. Das ist Teil des Programms, nicht der angenehmste, doch „das muss man durchleben“, sagt Baldi. Die Aufmerksamkeit werde wachsen, auch die Demut, die Bereitschaft, weiter an sich zu arbeiten. „Wir werden uns steigern“, versprach der Manager, „werden diese Spiele nutzen können, um uns zu verbessern.“

Mailand ist die nächste hohe Hürde

Den Beweis dafür antreten können die Berliner schon am Dienstag (20 Uhr, Magentasport). Da wartet mit Armani Mailand die nächste große Herausforderung in der Mercedes-Benz Arena.