Basketball

Johannes Voigtmann: Lieber Moskau als Washington

Warum Johannes Voigtmann ein Angebot aus der NBA ablehnte und lieber an diesem Freitag mit ZSKA Moskau bei Alba Berlin antritt.

Deutsches Duell mit seinem Kumpel aus Frankfurter Zeiten: Johannes Voigtmann (l.) spielte in der Euroleague mit ZSKA schon gegen Danilo Barthel von Bayern München.

Deutsches Duell mit seinem Kumpel aus Frankfurter Zeiten: Johannes Voigtmann (l.) spielte in der Euroleague mit ZSKA schon gegen Danilo Barthel von Bayern München.

Foto: Anton Denisov / picture alliance/dpa

Berlin. Es sind Spiele wie dieses, warum Alba Berlin unbedingt in die Basketball-Euroleague zurückkehren wollte. ZSKA Moskau kommt an diesem Freitag (20 Uhr, Magentasport) in die Mercedes-Benz Arena. Die Halle wird gut gefüllt sein, 11.000 Tickets sind schon verkauft. Kein Wunder bei diesem Gegner. ZSKA ist Titelverteidiger, wurde in den vergangenen 17 Jahren immer Meister seines Landes, gewann vier Mal die Euroleague, zuletzt 2019, verpasste nur einmal (2011) das Final Four – eine unglaubliche Konstanz auf höchstem Niveau.

Einer wie Voigtmann fehlte ZSKA Moskau noch

Der schwerste Kontrahent in diesem Wettbewerb also für Alba, der auch jetzt schon wieder seine ersten drei Partien siegreich beendet hat. Ein Berliner Erfolg wäre eine Sensation. „Moskau quillt fast über von Topleuten“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Trotzdem wollte Trainer Dimitris Itoudis einen Spieler unbedingt noch dazuhaben: einen 2,11 Meter großen Hünen, geboren vor gut 27 Jahren in Eisenach und herangereift zu einem der besten deutschen Basketballprofis. Johannes Voigtmann musste nicht lange überlegen, als das Angebot kam, dort einen Zweijahresvertrag zu unterzeichnen.

Mit seinen ersten Auftritten ist er ganz zufrieden: „Es ist immer schwer, in eine Mannschaft zu kommen, die gerade etwas Großes gewonnen hat. Aber man macht es mir leicht. Ich habe mich schon gut eingewöhnt.“ Er versucht wie immer, das zu machen, was er kann, und das ist eine Menge für einen so langen Spieler wie ihn. Voigtmann kann gut aus der Distanz werfen, kluge Pässe verteilen, hat ein hohes Spielverständnis, greift sich viele Rebounds. Oder, wie Baldi es beschreibt: „Johannes ist der Prototyp eines modernen Basketballers. Er versteht alles und ist in der Lage, jeden Mitspieler besser zu machen.“ Einer, der sogar der Startruppe aus Russland noch etwas hinzufügen kann.

Alba buhlte vergeblich um den Thüringer

Fast wäre er einmal bei Alba gelandet. 2012 war das, Voigtmann wechselte aber lieber vom Zweitligisten Jena zu den Frankfurt Skyliners. „Dort war die Chance am größten, dass ich Spielzeit bekomme“, begründet er seine Entscheidung. Heute mit Aito Reneses als Alba-Trainer würde sie vielleicht anders ausfallen. In jedem Fall hat Voigtmann nichts zu bereuen. Nach vier Jahren am Main, in denen er sich stetig weiterentwickelte, kam der Sprung in die Euroleague zu Baskonia Vitoria und nach drei weiteren Jahren nun nach Moskau. Höher geht’s nicht.

Außer in die NBA. Voigtmann hatte sogar die Chance, bei den Washington Wizards zu unterschreiben. „Das war mir alles zu unsicher“, erklärt er seine Ablehnung, „für mein Alter konnte man mir nichts anbieten, was mich zufriedengestellt hätte.“ An Moskau reizt ihn, für ein Team zu spielen, das Titel gewinnen kann, in dem er seine Rolle genau kennt. Und letztlich wird er bei ZSKA wie alle dort fürstlich entlohnt. Die Mannschaft reist mit einem eigenen Charterflug – das hat schon NBA-Niveau. Voigtmann hat Frau und Kind mit nach Moskau genommen; die Drei versuchen gerade, sich dort einzuleben. Er will auch Russisch lernen. In Vitoria ist ihm das mit dem Spanischen schließlich auch gelungen.

Ex-Trainer vergleicht ihn mit Chris Welp

Vor allem möchte er sich aber im besten Team Europas durchsetzen. „Ich versuche, alles auf mich zukommen zu lassen und schaue, was ich machen muss, um hier mitzuhalten“, sagt der gebürtige Thüringer. Glaubt man Klaus Perwas, seinem ehemaligen Individualtrainer in Frankfurt, muss man sich um seinen Ex-Schützling keine Sorgen machen. „Seine größte Stärke“, sagt er, „ist, dass Johannes vom Kopf her sehr stark ist. Egal, ob es gegen Alba Berlin geht, Fenerbahce Istanbul oder die Los Angeles Lakers: Johannes macht einfach. Wenn man sich um alles zu viel Gedanken macht, kann man nicht spielen. Er ist vom Typ her so wie Chris Welp.“ Der Europameister von 1993 gewann 1996 mit Olympiakos Piräus die Euroleague und absolvierte eine Saison auch im Alba-Dress.

Wobei Voigtmann sich gar nicht so gern als Center direkt unter den Körben aufhält. Physisch ist er für einen 2,11 Meter großen Basketballer nicht herausragend. „Wenn Johannes auch noch diese Physis hätte, wäre er längst in der NBA“, glaubt Perwas. Baldi findet allerdings, Voigtmann sei in Europa besser aufgehoben. „Er berauscht sich nicht so am Eins-gegen-Eins. Und er ist einen guten Weg gegangen“, meint der Manager. Immer schön einen Schritt nach dem anderen, immer geduldig geblieben beim Bau seiner Karriere. „Er ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung.“

ZSKA ist noch viel professioneller als Vitoria

Voigtmann hatte mit Handball begonnen – nicht ganz ungewöhnlich in Eisenach, das über eine große Tradition in dieser Sportart verfügt. Aber in einem Feriencamp wechselte er zu den größeren Bällen und den kleineren Zielen. Nun ist er allerdings an einem Ziel angekommen, das für die meisten unerreichbar bleibt. In Moskau erlebt er auch in Sachen Organisation und Professionalität noch einmal eine neue Welt im Vergleich zu Vitoria. Und das ist ja bereits ein Topklub. „Ich würde sagen, hier ist es noch einmal zwei Stufen professioneller“, staunt Voigtmann. Es ist schließlich kein Zufall, dass sein Klub der erfolgreichste in Europa ist.