Basketball

Alba reist mit viel Rückenwind zum Topspiel nach Bamberg

Nach ihrem kräftezehrenden Euroleague-Coup wollen die Berliner am Sonntag in Bamberg nachlegen. Nur bleibt kaum Zeit zur Erholung.

Center Landry Nnoko (l.) war mit 16 Punkten Albas bester Werfer gegen St. Petersburg.

Center Landry Nnoko (l.) war mit 16 Punkten Albas bester Werfer gegen St. Petersburg.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Sich selbst überrascht zu haben, weil man besser war, als man es sich selbst erträumt hatte – ein schönes, aber eher seltenes Gefühl. Mit genau diesem bestritt Albas Team nach dem überragenden Start in die Euroleague-Saison am Freitagabend in der Mercedes-Benz Arena jedoch seine Ehrenrunde.

Zenit St. Petersburg, millionenschwer und als Favorit angereist, wurde zuvor nicht gerade so eben niedergerungen, sondern dank eines kollektiven Kraftakts von der ersten bis zur letzten Minute dominiert. Zehn Spieler wurden eingesetzt, keiner stand länger als Rokas Giedraitis (26:18 Minuten) auf dem Parkett, alle punkteten und staunten nach der Schlusssirene mit einem breiten Lächeln über sich selbst. 85:65, Berlin grüßt Europa.

Baldi lobt hohe Intensität

„Wir haben einfach ein Superspiel gemacht“, strahlte Tim Schneider, und zählte dann auch gleich die Zutaten zu dem unerwartet klaren Erfolg auf. „Wir haben gleich unseren Rhythmus gefunden, ihn dann auch behalten und sind nicht im dritten Viertel eingebrochen, was uns in der vergangenen Saison öfter passiert ist.“ Alle seien viel gelaufen, hätten den Ball gut bewegt, erklärte der 22-Jährige. „Wir haben unsere Würfe getroffen und sie bei 65 Punkten gehalten.“

Ein Auftakt, wie er kaum besser hätte laufen können, weil das Team „mit einer unfassbaren Intensität gespielt“ habe, wie Marco Baldi stolz resümierte. So intensiv, dass Albas Geschäftsführer fürchtete, „dass uns die Luft ausgeht, weil wir uns schon zur Halbzeit völlig verausgabt hatten. Mit dem Vorsprung im Rücken sind wir aber immer sicherer geworden. Wir hatten gegen ein Team, das sich nie aufgab, auf alles eine Antwort.“

Dass Alba gleich zum Auftakt das völlig neu formierte Starensemble aus Russland kalt erwischte, schmälere „die sehr, sehr starke Leistung, die so nicht zu erwarten war“, nicht, sagte Baldi. Wissend, dass nur Marcus Eriksson und Niels Giffey jemals zuvor ein Euroleague-Spiel bestritten hatten. „Das Tempo war enorm“, gestand dann auch Jonas Mattisseck (19). „Ich habe ganz schön gepustet.“

Starke Leistung von Youngster Mattisseck

Auf den jungen Mann – der 16:13 Minuten lang die verletzten Spielmacher Peyton Siva, Makai Mason und Stefan Peno mit Bravour vertreten hatte – und seine Kollegen wartet an diesem Wochenende gleich die vielleicht wichtigste Lektion dieser Saison. Sie lautet: Nichts ist so alt wie der Sieg von gestern.

Bereits am Samstagmittag, knapp 16 Stunden nach der Euro-Gala, bestieg Albas Team den ICE nach Bamberg, wo die Mannschaft an diesem Sonntag (18 Uhr, Magentasport) in der Bundesliga antreten muss. Ein traditionell schwieriges Pflaster, wie nicht zuletzt das in letzter Sekunde verlorene Pokalfinale in der vergangenen Saison gezeigt hatte. Andererseits dürften Schneider, Mattisseck und Co. mit Rückenwind der Stärke zwölf ins Fränkische gereist sein. Der soll jetzt zum Gegenwind für die Bamberger werden.