Basketball

Alba in der Euroleague – Wie ein Stichling im Haifischbecken

Alba Berlin misst sich in der Euroleague mit Gegnern, bei denen einzelne Spieler mehr kassieren als die gesamte Alba-Mannschaft.

Nikola Mirotic (M.) vom FC Barcelona im Duell mit Reals Gabriel Deck (l.) und Jeffery Taylor. Madrid gewann am vergangenen Sonntag den spanischen Supercup mit 89:79.

Nikola Mirotic (M.) vom FC Barcelona im Duell mit Reals Gabriel Deck (l.) und Jeffery Taylor. Madrid gewann am vergangenen Sonntag den spanischen Supercup mit 89:79.

Foto: Juan Carlos Garc a Mate via www.imago-images.de / imago images/Pacific Press Agency

Berlin. Als Anfang Juli die Nachricht kam, dass der FC Barcelona Nikola Mirotic für fünf Jahre verpflichtet hat, war das wie ein Signal an die Basketball-Welt. Ein 28-Jähriger verlässt im besten Alter die ach so großartige NBA. Angeblich, weil ihm der Wettbewerb fehlte. Aber sicher hat den Montenegriner mit spanischem Pass auch sein künftiges Gehalt nicht gerade abgeschreckt. Die Katalanen zahlen ihm mindestens vier Jahre lang 5,5 Millionen Euro netto per anno. Willkommen in der Euroleague.

Mirotic nur die Spitze des Geldbergs

Mirotic ist aktuell die Spitze des Geldbergs, aber andere wie Nando de Colo (Fenerbahce Istanbul), Mike James (ZSKA Moskau) oder Nick Calathes (Panathinaikos Athen) werden immerhin bei drei Millionen Euro taxiert. Viele Euroleague-Stars haben schon und könnten auch wieder in den USA auflaufen. Aber warum? Bei Real Madrid und FC Barcelona gibt es jeweils ein halbes Dutzend Profis, die siebenstellige Gehälter einstreichen. In Moskau, Istanbul, Athen oder Tel Aviv ist es kaum anders.

Stellt sich die Frage: Und was will Alba Berlin in dieser Liga, in der einzelne Spieler mehr Geld bekommen als die gesamte Mannschaft von Trainer Aito Reneses? Selbst Bundesliga-Krösus Bayern München, mit rund 25 Millionen Saisonetat ausgestattet, hat es schwer, in dieser erstmals achtzehn Klubs starken Liga einen der begehrten ersten acht Ränge zu ergattern, die den Einzug ins Play-off bedeuten.

Alba setzt auf Talente und Kontinuität

„Wir wollen das genießen und uns langfristig dort etablieren“, antwortet Alba-Vorstandsboss Axel Schweitzer, „wir sind froh, dort zu sein.“ Dabei werden sich die Berliner sicher nicht in eine solche finanzielle Schieflage begeben wie zum Beispiel Real Madrid, das die vergangene Saison laut Schweitzer mit einem Budget von 46 Millionen Euro antrat und mit einem Minus von 29 Millionen abschloss. Es gibt dort ja einen großen Fußballklub im Hintergrund, der Lücken wie diese schließen kann ...

Nicht Albas Methode, schon allein wegen der nicht vorhandenen Fußballer. „Wir haben uns bewusst auf den Weg gemacht, eigene Spieler weiterzuentwickeln“, so Schweitzer. Seien es frische Talente aus dem mehrfach preisgekrönten Nachwuchsprogramm, seien es Profis wie Luke Sikma, Peyton Siva oder Niels Giffey, die sich zum Bleiben entschieden und mittlerweile langfristig zum Alba-Stamm zählen. Dafür musste auch in Berlin der Personaletat erhöht werden. Aber in Bereichen, über die der europäische Basketball-Adel nur müde lächeln würde. Albas Gesamtetat liegt bei rund zwölf Millionen Euro, deutlich weniger als die Hälfte wird für Spieler ausgegeben.

Berliner sind dort, wo sie hinwollten

Sportdirektor Himar Ojeda beharrt dennoch darauf: „Es ist eines unserer Ziele, uns mit den Stärksten Europas zu messen. Was uns dabei helfen kann, ist unsere Kontinuität.“ Trotzdem ist ihm sehr wohl bewusst: „Wir müssen uns alle daran gewöhnen, dass wir oft verlieren.“ Ein Gefühl, das die Berliner im vergangenen Jahr nicht kennengelernt haben. Gut möglich und irgendwie realistisch, dass Alba am Ende der strapaziösen Euroleague-Saison dort landet, wo 2018/19 Khimki Moskau (9 Siege/21 Niederlagen), Herbalife Gran Canaria (8/22), Buducnost Podgorica (6/24) oder Darüsssafaka Istanbul (5/25) ankamen.

Der Anspruch ist ein anderer. Wie ein Stichling im Haifischbecken will der Außenseiter seine Chancen nutzen, wann immer sie sich bieten. Angst haben die Berliner nicht, schließlich sind sie dort, wo sie hinwollten. „Wir wollen beweisen, dass wir wettbewerbsfähig sind“, sagt Ojeda. Warum nicht einem Beispiel wie Zalgiris Kaunas nacheifern, das vergangenes Jahr das Viertelfinale erreichte und im Jahr davor sogar das Final Four? Obwohl es nicht zu den Superreichen zählt.

Kann Alba auch, was Zalgiris geschafft hat?

Weil die Intensität der Euroleague Neuland ist für Alba. Bis zu vier Spiele pro Woche mit sich ändernden Aufstellungen, um die Kräfte zu bewahren. Gegen Teams, die das gewohnt sind, weil sie seit Jahren dort mitspielen. Sie sind dadurch stärker und stärker geworden. „Zalgiris“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „ist auch in diese Rolle hineingewachsen. Sie haben Jahre gebraucht, um da hinzukommen.“

Das will Alba auch. Im nationalen Wettbewerb in den letzten Spielen dabei sein, also, wenn es um die Titel geht. Und international aufsteigen. Willkommen in der Euroleague.