Basketball

Debakel für den deutschen Basketball

Die deutschen Basketballer sind geschockt: Bei der WM scheitern sie am krassen Außenseiter Dominikanische Republik.

Sprachlos: Dennis Schröder mochte nach dem Spiel nichts sagen zum unerwarteten WM-Aus.

Sprachlos: Dennis Schröder mochte nach dem Spiel nichts sagen zum unerwarteten WM-Aus.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Berlin/Shenzhen. Victor Liz, Eloy Vargas, Gelvis Solano – Namen, die selbst viele Basketball-Fans in Deutschland sicher noch nie gehört hatten. Vermutlich waren sie auch für die NBA-Profis Dennis Schröder, Maximilian Kleber oder Daniel Theis bisher unbekannte Kollegen.

Und doch musste sich die deutsche Mannschaft bei der Basketball-Weltmeisterschaft in China den drei erwähnten Herren und ihren wackeren Mitstreitern aus der Dominikanischen Republik mit 68:70 (39:37) geschlagen geben.

Basketball-WM in China: Eine Blamage sondergleichen

Das Ergebnis ist eine Blamage sondergleichen. Doch schwerer wiegt, was daraus resultiert: das unerwartet frühe WM-Aus des Teams von Henrik Rödl. Dazu kommt, dass der Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio in weite Ferne gerückt ist. Ob es überhaupt möglich ist, in der anstehenden Platzierungsrunde noch eines der 16 Tickets für eines der vier Qualifikationsturniere zu ergattern, hängt von den weiteren Spielen in den acht Vorrundengruppen ab. Auch vom Ausgang des Spiels der Deutschen am Donnerstag (10.30 Uhr/Magentasport) gegen Jordanien.

Der Bundestrainer, und nicht nur er, hatte vor der WM von der talentiertesten deutschen Mannschaft aller Zeiten gesprochen. Nun kommentierte Rödl die zweite Vorrunden-Niederlage nach dem 74:78 gegen Frankreich zum Auftakt zerknirscht: „Wir sind in beiden Spielen weit unter unseren Möglichkeiten geblieben.“ Und zum WM-Aus: „Das ist jetzt bitter, aber da müssen wir durch.“ Während Schröder sich wortlos davonstahl, sagte der Münchner Maodo Lo: „Das ist ein richtiges Desaster.“ Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes, kritisierte: „Wir haben nicht abgeliefert. Das ist traurig, das ist bedauerlich. Das ist großer Mist.“ Rödl stehe allerdings nicht zur Diskussion.

Wieder starten die Deutschen viel zu lässig

Wer erwartet hatte, dass Schröder und Co. aus dem desaströsen Start gegen die Franzosen (0:14 nach sechs Minuten) ihre Lehren gezogen hätten, wurde enttäuscht. Der Außenseiter aus der Karibik, der durch diesen Erfolg zum ersten Mal in seiner Geschichte eine WM-Vorrunde übersteht, lag schnell mit 8:0 vorn. Die deutsche Mannschaft vergab in der Offensive leichte Würfe, danach liefen die Spieler viel zu langsam zurück, ihr Kontrahent sammelte einfache Punkte und gewann mehr und mehr Selbstvertrauen.

Wieder ein viel zu lässiger Start der Rödl-Schützlinge, die sich dadurch selbst in die Bredouille brachten. Schröder haderte mit sich, den Schiedsrichtern und sogar seinen Mitspielern, seine Rolle als Anführer füllte er nicht aus. Zwar war der Profi von Oklahoma City Thunder mit 20 Punkten und sieben Korbvorlagen in diesen Statistiken bester Deutscher. Aber er verwandelte andererseits nur fünf seiner 18 Würfe aus dem Feld – zu wenig. Außerdem musste der 25-Jährige schon in der ersten Halbzeit am Rücken behandelt werden.

Maximilian Kleber wirft nicht einmal auf den Korb

Doch es war nicht nur er, der weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Maxi Kleber von den Dallas Mavericks etwa warf nicht ein einziges Mal auf den Korb der Dominikaner. Johannes Voigtmann, der kürzlich einen Vertrag beim Euroleague-Champion ZSKA Moskau unterschrieben hatte und gegen Frankreich noch herausragte, nur zweimal. Paul Zipser, ebenfalls NBA-erfahren, fand kaum statt. Theis (Boston Celtics/12 Punkte) traf schlecht. Die Dreierquote des Teams (drei Treffer bei 19 Würfen) insgesamt war armselig. Einziger grundsolider Mann bei den Deutschen war ausgerechnet Lo (zehn Punkte), der ohne Fehlwurf blieb, obwohl seine WM-Teilnahme wegen einer Verletzung vor Turnierstart lange fraglich war.

Wer Basketball spielte und auch mehr für den Sieg arbeitete, zeigt sich an zwei Statistiken. Bei den Korbvorlagen lag die Dominikanische Republik mit 22:10 vorn; allein der in Argentinien sein Geld verdienende Gelvis Solano kam auf elf. Bei den Rebounds, den vom Korb abspringenden Bällen, lag der Außenseiter mit 37:35 vorn, Indiz für die seltsam leblose deutsche Vorstellung.

Jetzt geht es um die Plätze 17 bis 32

Auch wenn die zum heimlichen WM-Mitfavoriten hochgelobte Rödl-Truppe das 0:8 bald aufgeholt hatte und über weite Strecken in Führung lag, zum Beispiel aus einem 52:60 in der 31. Minute ein 62:60 machte: Das Momentum des Spiels kippte nie auf ihre Seite. Sie hätte es trotzdem gewinnen können, hatte beim Stand von 68:70 gut eine Minute vor Schluss drei Gelegenheiten, wenigstens auszugleichen. Mal versuchte sich Schröder an einem irren Alley-oop-Pass, das nächste Mal rannte er sich bei einem Solo fest, den letzten Dreier vergab der Münchner Danilo Barthel.

Die Spieler aus der Karibik legten beglückt ein Tänzchen aufs Parkett, die deutschen Stars schlichen bedrückt vom Feld im riesigen Shenzhen Bay Sports Center – um eine riesige Enttäuschung reicher und der wenig verheißungsvollen Aufgabe vor sich, jetzt um die WM-Ränge 17 bis 32 zu spielen. Immerhin: Victor Liz, Eloy Vargas und Gelvis Solano werden sie dort nicht wiedersehen.