Basketball

„Nichts schlägt Alba“

Tyler Cavanaugh und Makai Mason sollen Alba in Europa und in der Bundesliga vorwärts bringen. Besonders auf Cavanaugh ruhen große Hoffnungen.

Makai Mason (l.) und Tyler Cavanaugh bestreiten beide ihre erste Profisaison in Europa. Für Alba Berlin.

Makai Mason (l.) und Tyler Cavanaugh bestreiten beide ihre erste Profisaison in Europa. Für Alba Berlin.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Bevor die erste Einheit beginnt, stellt sich Himar Ojeda in den Mittelkreis der Trainingshalle an der Schützenstraße. Elf Spieler von Alba Berlin haben sich um den Sportdirektor versammelt, mit leichter Verspätung stößt noch Landry Nnoko hinzu. Der Nigerianer kommt vom Medizin-Check und verpasst so die kurze Rede Ojedas zum Vorbereitungsstart. Deren Kernsatz: „Wir stehen vor einer sehr wichtigen Saison.“ Alba hat nicht vor, in der Euroleague nur ein bisschen mitzuspielen. „Wir wollen dort bleiben“, sagt der Spanier, „und mit unseren Möglichkeiten beweisen, dass wir mithalten können.“

Spielmacher mit hohen Schussqualitäten

Zwei, die ganz besonders genau zuhören, sind Tyler Cavanaugh (25) und Makai Mason (24). Neben Marcus Eriksson (25) sind sie die einzigen Zugänge des deutschen Meisterschaftszweiten, der sein Team in großen Teilen zusammengehalten hat. Doch der Schwede hat in spanischen Klubs schon jede Menge Europa-Erfahrung gesammelt, sogar in der Euroleague. Cavanaugh und Mason dagegen spielen erstmals außerhalb ihrer Heimat USA.

Mason, 1,85 Meter groß, ein Spielmacher mit hohen Schussqualitäten, beendete im Sommer wegen einer zweijährigen Verletzungspause relativ spät seine College-Ausbildung an der Baylor University in Waco/Texas. Er erzielte in seiner letzten Saison im Schnitt 15 Punkte und gab 3,4 Korbvorlagen. Unter Bundestrainer Henrik Rödl bestritt Mason auch bereits 15 Länderspiele für Deutschland. Seine Mutter wurde in Mainz geboren. Deutsch spricht er dennoch nicht, seine Mutter auch kaum, weil sie schon als kleines Kind in die USA übersiedelte.

Auf die Profis wartet ein hartes Programm

„Mein Vater kann das am besten“, sagt Albas Zugang lachend – der war nämlich als Soldat in Bamberg stationiert. Und der Senior erhob auch Einspruch, als seine Frau für den gemeinsamen Sohn den Namen Wolfgang ausgesucht hatte. Man einigte sich auf Makai. Das bedeutet im Hawaiianischen so viel wie: dem Meer entgegen. Mason ist mit der Wahl sehr einverstanden: „Makai gefällt mir besser als Wolfgang.“

Ojeda erwartet von dem 24-Jährigen keine Wunderdinge. „Die Euroleague wird für ihn noch eine große Herausforderung sein“, sagt der Alba-Sportdirektor, „aber wir hoffen, dass er uns in der Bundesliga gleich helfen kann.“ Die Spielzeiten müssen auf viele Schultern verteilt werden, das Programm hat es in sich: 67 Pflichtspiele sind der Mannschaft sicher; es können mehr als 80 werden. Je nach Erfolg.

Ojeda setzt auf den vielseitigen Cavanaugh

Eine deutlich gewichtigere Rolle soll Tyler Cavanaugh einnehmen. Ojeda beschreibt ihn als einen Profi, der das Basketballspiel sehr gut versteht, erkennt, was der Gegner vorhat, und darauf kluge Entscheidungen trifft. „Drei Dinge, die wir brauchen. Er passt genau zu uns“, sagt der Spanier. Der 25 Jahre alte Center und Flügelspieler ist dazu für einen 2,06 Meter großen Mann ein sehr guter Werfer aus allen Lagen. „Wir sind sehr optimistisch, dass er die Leute in Europa überraschen wird“, sagt Ojeda, „er ist ein Spieler von hoher Qualität.“

Immerhin hat Cavanaugh 50 Einsätze in der NBA vorzuweisen, 39 für die Atlanta Hawks, elf für Utah Jazz. Aber ganz hat es nicht gereicht für eine Karriere in der besten Basketball-Liga der Welt. Deshalb entschied er sich für die zweitbeste, die Euroleague, heiratete noch schnell in den USA und entschloss sich, das Angebot Albas anzunehmen. Bevor er vor einer guten Woche nach Berlin kam, war er nie in Europa gewesen.

Rivalität zu den Bayern ist bekannt

„Ich will dem Team in jeder Weise helfen, wie ich es kann“, sagt Cavanaugh. Mason formuliert den gleichen braven Text so: „Es ist speziell, meine Profikarriere bei Alba zu starten. Ich versuche, dem Team zu geben, was es braucht.“ Aber instinktiv sprechen beide auch das aus, was die Fans hören wollen. Cavanaugh: „Über die Bundesliga weiß ich nicht viel. Aber dass es hier einen großen Rivalen gibt. Der Gegner, den wir schlagen wollen, ist Bayern München.“ Mason antwortet auf die Frage, ob er als Spieler mit deutschem Pass nicht auch Angebote von anderen Bundesligisten erhalten habe: „Ja, die gab es schon. Aber nichts schlägt Alba.“