Basketball

Ein weiteres Jahr mit Aito

Europaligist Alba Berlin wird auch in der kommenden Saison vom Spanier Aito Reneses trainiert. Das gab der Verein am Donnerstag bekannt.

Mit Alba in die Euroleague: Aito Reneses verlängert seinen Aufenthalt beim Berliner Basketballteam.

Mit Alba in die Euroleague: Aito Reneses verlängert seinen Aufenthalt beim Berliner Basketballteam.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin.. Am Tag der Verkündung weilten die Protagonisten gar nicht in Berlin. Himar Ojeda und Alejandro Garcia Reneses waren einer Einladung der französischen Basketball-Liga LNB und der Spieler-Vereinigung SNB nach Paris gefolgt, wo es bei einem Seminar um die Art der Zusammenarbeit zwischen Profis, Sportdirektoren und Trainern ging. „Ein interessantes Thema“, berichtete Ojeda. Gespräche mit allen Beteiligten sind immer dazu geeignet, Verbesserungen auf den verschiedenen Ebenen des Sports zu generieren. Antworten auf wichtige Fragen zu finden.

Zwei Jahre, die alle Erwartungen übertrafen

Eine für die Fans von Alba Berlin weit drängendere Frage, die ihnen seit Ende der vergangenen Saison viele unruhige Momente bereitet hatte, wurde zur gleichen Zeit in der Geschäftsstelle des achtmaligen deutschen Meisters in der Charlottenburger Knesebeckstraße endlich von der Liste gestrichen. „Wir gehen mit Cheftrainer Aito Garcia Reneses in die Saison 2019/2020, sein Vertrag wurde um ein Jahr verlängert“, hieß es da im ersten Satz einer lange herbeigesehnten Mitteilung.

Aito, wie der 72 Jahre alte Spanier nicht nur in seiner Heimat und überall sonst in Europa, sondern mittlerweile auch in allen Bundesliga-Städten respektvoll genannt wird, will das fortführen, was er in den vergangenen beiden Spielzeiten schon maßgeblich vorangetrieben hat. „Die beiden Jahre haben meine Erwartungen übertroffen. Die Erfahrungen mit Spielern, Trainern, Mitarbeitern und Fans waren großartig, und die gute, produktive Atmosphäre zwischen allen Beteiligten war ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Entwicklung in dieser Zeit“, sagte er.

Augenoperationen gut überstanden

Grund für die lange Ungewissheit bezüglich seines zukünftigen Engagements waren operative Eingriffe an seinen Augen. Reneses litt unter der Krankheit Grauer Star. Deshalb war er schon am Ende der vergangenen Saison bei den Spielen mit einem Basecap aufgetreten, um sich vor dem grellen Hallenlicht zu schützen. Die Eingriffe sollen gut verlaufen sein, so schildert es Ojeda. Deshalb steht einer Fortsetzung nichts im Wege. „Es ist noch nicht komplett okay, aber das ist normal bei diesen Operationen“, sagte Albas Sportdirektor, „so etwas dauert eben ein bisschen.“

Bis zum Saisonstart Ende September ist ja noch Zeit. Und wenigstens ist jetzt die Unsicherheit weg, was die Trainerfrage bei Alba angeht. „Aito ist einer der besten Coaches in Europa. Wir sind sehr froh, dass wir weiter mit ihm zusammenarbeiten können“, sagte Ojeda zu der Vertragsverlängerung, „wir wollen gleichzeitig auf höchstem Level wettbewerbsfähig sein, unsere jungen Spieler weiterentwickeln und attraktiven Basketball spielen. Aito passt perfekt zu dieser Philosophie und zu unserem Programm.“

Teenager zu NBA-Stars entwickelt

Reneses hatte seine Trainerlaufbahn 1973 begonnen – als noch keiner seiner aktuellen Spieler auf der Welt war. Er wurde mit dem FC Barcelona neunmal spanischer Meister, viermal Pokalsieger und dreimal Europapokalsieger. Joventut Badalona führte er zum Gewinn des Eurocups, mit Gran Canaria erreichte er wie mit Alba das Finale dieses Wettbewerbs. Als spanischer Nationalcoach gewann er Olympia-Silber, als er 2008 in Peking in einem der spannendsten olympischen Endspiele mit seinem Team den USA 107:118 unterlag. Nicht zuletzt entwickelten sich unter ihm junge Spieler wie die Spanier Pau Gasol und Ricky Rubio oder der Lette Kristaps Porzingis so rasant, dass sie zu Stars in der NBA aufstiegen, in der besten Liga der Welt. Auch bei Alba schenkte er von Beginn an Talenten wie Franz Wagner, Bennet Hundt, Tim Schneider oder Jonas Mattisseck viel Vertrauen und Einsatzzeit.

Noch ist seine Arbeit in Berlin zwar eine sehr erfolgreiche, weil Alba eine gut harmonierende, offensiv ausgerichtete und erfolgreiche Mannschaft beisammen hat wie lange nicht. Sie ist aber auch eine unvollendete. Bei aller Begeisterung über fünf erreichte Endspiele (von sechs möglichen) schwingt mit, dass alle fünf Finals letztlich verloren wurden. Wobei das Erreichen der Eurocup-Finalserie gegen Valencia sicher zu den Höhepunkten der Alba-Historie zählt. Im deutschen Pokal dagegen gaben die Berliner zweimal (einmal gegen Bayern München, einmal gegen Brose Bamberg) den greifbaren Titel unnötig aus der Hand. Danach wurden auch mal kritische Stimmen am Coaching von Reneses laut.

Jetzt fehlt noch ein Assistenztrainer

Die Konkurrenz ist nicht schwächer geworden, im Gegenteil: Die Bayern haben Leistungsträger abgeben müssen, aber durch noch stärkere Spieler ersetzt. Auch in Oldenburg, Bamberg oder Ulm wird verbissen daran gearbeitet, aus dem nationalen Zweikampf München – Berlin wieder einen Mehrkampf zu machen. Dennoch geht der alte und neue Cheftrainer mit Optimismus an die kommenden Aufgaben heran. „In der kommenden Saison warten in der Euroleague äußerst starke Gegner auf uns“, sagte er, „ich bin daher sehr froh, dass wir fast das komplette Team zusammen gehalten haben. Es ist für die meisten Basketballklubs in Europa sehr schwierig, ihre Spieler nach starken Leistungen weiter zu verpflichten. Diese Kontinuität ist sehr wichtig für uns.“ Elf Spieler sind geblieben, drei neue wurden verpflichtet.

An diesem Freitag oder Anfang nächster Woche will Alba auch bekanntgeben, wer den nach Bonn gewechselten Assistenztrainer Thomas Päch ersetzen soll. Auf das Team und Reneses wartet eine noch anstrengendere Saison mit bis zu neunzig Spielen einschließlich Vorbereitung. Das bedeutet auch: mit vielen strapaziösen Reisen. Manche Beobachter treibt da schon die nächste Sorge um: Wie wird Reneses, der im Dezember 73 Jahre alt wird, das verkraften? Die Antwort hat er mit seiner Vertragsverlängerung selbst gegeben. Er traut es sich zu.