Basketball

Thomas Päch: „Berlin bleibt immer mein Zuhause“

Alba-Urgestein Thomas Päch trainiert nächste Saison Bonns Basketballer. Ein Gespräch über Berlin und seine lehrreiche Zeit mit großen Trainern.

Bereit für die neue Aufgabe: Thomas Päch wird diese Saison erstmals als Cheftrainer beginnen, bei den Telekom Baskets Bonn.

Bereit für die neue Aufgabe: Thomas Päch wird diese Saison erstmals als Cheftrainer beginnen, bei den Telekom Baskets Bonn.

Foto: Soeren Stache / picture alliance / Soeren Stache/dpa

Berlin. Thomas Päch verlässt Berlin, mal wieder. Aber er wird zurückkommen, spätestens, wenn die Baskets aus Bonn, deren Headcoach er jetzt ist, in der Bundesliga bei Alba Berlin antreten werden. Bei dem Klub, mit dem ihn so vieles verbindet. Der 36-Jährige, der in San Salvador geboren wurde und in den USA und Thailand aufwuchs, war nach fünf Jahren in Albas Jugendprogramm und weiteren fünf als zweiter Mann hinter Henrik Rödl in Trier 2015 als Assistenztrainer zu Alba zurückgekehrt. Jetzt ist er erstmals Chef.

Berliner Morgenpost: Sie übernehmen einen Klub, der fast immer um die Play-off-Plätze mitspielt und in europäischen Wettbewerben präsent ist. Sind Sie von diesem rasanten Aufstieg selbst überrascht, Herr Päch?

Thomas Päch: Sicherlich ist das ein großer Schritt, aber auch der nächste in einem ganz langen Prozess. Letzte Woche waren einige alte Freunde zu einer Art Abschiedsparty bei uns, die mich damals für verrückt hielten, als ich mein Studium geschmissen hatte, um hauptberuflich Basketballtrainer zu werden. Damit, dass ich jetzt Cheftrainer werde, erfüllt sich natürlich ein Traum. Davon, dass ich diese Chance jetzt bei einem renommierten Klub wie Bonn bekommen würde, habe ich aber nie zu träumen gewagt.

Sie hatten Ihre Visitenkarte ja schon vor zwei Jahren abgegeben, nachdem Sie Albas Mannschaft nach der Trennung von Ahmet Caki übernahmen. War es richtig, dann noch mal ins zweite Glied zurückzutreten?

Schon allein wegen der Chance, unter einem Cheftrainer wie Aito Reneses zu arbeiten. Auch die Veränderungen, die es bei Alba in den vergangenen beiden Jahren unter Himar Ojeda als Sportdirektor gegeben hat, brachten mir viele neue Erfahrungen. Ich hätte sicherlich auch in Berlin weiterhin viel gelernt, jetzt, da Alba in der Euroleague spielt. Aber mit dem Angebot aus Bonn bot sich die Möglichkeit für den nächsten Schritt, den ich immer gehen wollte und zu dem ich mich auch bereit fühle.

Wie unterscheidet sich der Sommer eines Cheftrainers von dem eines Assistant Coaches?

Man telefoniert fast nur noch. Mit meinem neuen Sportdirektor Michael Wichterich telefoniere ich mehrmals täglich, aber noch öfter mit Agenten der Spieler. Ob bei der Sommerliga der NBA in Las Vegas, oder am Telefon: Den Satz: Ich habe genau den richtigen Spieler für Sie! habe ich so oft gehört wie nie zuvor. Als Assistent äußert man seine Meinung, als Chef muss man entscheiden und steht in der Verantwortung, eine Mannschaft zusammenzustellen.

Joshiko Saibou wird mit Ihnen Berlin Richtung Bonn verlassen. War es kompliziert, ihn von einem Wechsel zu überzeugen?

Ich kenne Joshiko ja schon seit der U12. Er war in Albas NBBL-Mannschaft, die Deutscher Meister wurde und dann zwei Jahre bei Henrik und mir in Trier. Er ist einer der feinsten Menschen überhaupt, und die Möglichkeit, einen deutschen Nationalspieler zu verpflichten, hat uns gereizt. Ich kann ihm in Bonn eine Situation bieten, die zu ihm passt. Ich denke, damit habe ich ihn überzeugt. Ich freue mich sehr, dass er kommt.

Ihrem Klub ist ein Startplatz im viertklassigen Fiba-Eurocup sicher. Sie können sich aber auch noch für eine Liga höher qualifizieren, die Champions League, in der auch Bamberg und Vechta antreten. Wie wichtig ist Ihnen der internationale Wettbewerb?

Sehr wichtig. Unser Ziel ist natürlich die Champions League, auch wenn unsere Saison durch die Qualifikation gleich mit zwei Endspielen beginnt. Wer international spielt, ist für einen größeren Kreis von Spielern interessant. Zudem ist Wettbewerb bei der Entwicklung eines Teams durch nichts zu ersetzen. Die Belastung lässt sich steuern, und mit nur einem Spiel pro Woche wird die Saison sehr, sehr lang. Spiele sind das beste Training, wenn man aus den Erfahrungen lernt.

Wie schwer fällt Ihnen der Abschied aus Berlin?

Berlin ist mein Zuhause und wird es auch immer bleiben. Ich habe ja schon oft woanders gelebt und bin immer wieder zurückgekommen. Berlin ist auch das Zuhause meiner Freundin und unseres Sohnes. Wir werden unsere Wohnung hier behalten, Berlin bleibt für uns der Ort, an den wir immer zurückkehren können.

Sie waren sehr lange Assistent vom jetzigen Bundestrainer Henrik Rödl, dann arbeiteten Sie ein Jahr lang mit Sasa Obradovic und die letzten zwei Jahre mit einer Legende wie Aito Reneses zusammen. Wodurch haben die drei Sie geprägt?

An Henrik beeindruckt mich, wie er Menschen führen kann. Er haut nicht drauf, ist aber auch nicht der Kumpel. Er begeistert und schafft es, dass Spieler aus einer eigenen Motivation heraus handeln, womit man ja in der Regel auch mehr erreicht. Sasa steckt tagtäglich unfassbar viel in seine Arbeit. Seine Teams sollen extrem physisch, aber sauber verteidigen. An guter Beinarbeit und gutem Positionsspiel arbeitet er akribisch und unterbricht im Training sofort, wenn er ein Foul sieht. Von Aito kann man lernen, wie man Basketball lehrt und sich dann daran erfreut, dass auf dem Parkett etwas passiert, dass nicht von einem selbst kommt, sondern etwas, dass die Spieler gelernt haben, selbst zu kreieren, weil sie sich entwickeln und Verantwortung übernehmen. Ich glaube, bei jedem Coach findet man Dinge, die einem gefallen oder auch nicht gefallen, so war es übrigens auch bei Ahmet Caki. Man speichert alles ab, aber wichtig ist, herauszufinden, wer man selbst ist und was zu einem passt.