Kommentar

Alba Berlin braucht sinnvolle Verstärkung

Basketball-Reporter Dietmar Wenck über die Folgen der fünf Alba-Finalniederlagen.

Am Ende hatte der FC Bayern mal wieder den längeren Arm: Leon Radosevic von München (l) und Mannschaftskamerad Derrick Williams (r) nehmen Landry Nnoko von Alba Berlin den Ball ab.

Am Ende hatte der FC Bayern mal wieder den längeren Arm: Leon Radosevic von München (l) und Mannschaftskamerad Derrick Williams (r) nehmen Landry Nnoko von Alba Berlin den Ball ab.

Foto: Matthias Balk / dpa

Es hat wieder nicht gereicht. Zum fünften Mal in zwei Jahren stand Alba Berlin in einem Finale oder einer Finalserie. Zum fünften Mal stemmte der Gegner die Trophäe in die Höhe und geht mit einem Lächeln in den Urlaub.

Das Déjà-vu nervt die Alba-Spieler, sie haben es satt. Wer immer das Endspiel erreicht, will auch mal etwas anderes mit nach Hause nehmen als den Trostpreis. Verlieren ist Silber, gewinnen ist Gold.

Ist Alba jetzt in Anlehnung an die Fußball-Profis von Bayer Leverkusen das Vizekusen des deutschen Basketballs, wie schon gespöttelt wird? Der Begriff wurde Anfang der 2000er-Jahre geprägt, als sich die Werks-Kicker vom Rhein selbst um manch mögliche Titelehre brachten.

Doch der Vergleich hinkt. Eigentore wie seinerzeit Michael Ballack beim Saisonfinale in Unterhaching haben die Berliner Basketballer ja nicht geschossen.

Das junge Team vergibt zu viele hochkarätige Chancen

Nüchtern betrachtet, sind sie in der Meisterschaft schlicht zum zweiten Mal in Folge einem in spielerischer und finanzieller Hinsicht besser aufgestellten Kontrahenten unterlegen, genau wie schon im Eurocup gegen Valencia.

Das Unmögliche möglich zu machen, diese Fähigkeit hat das aktuelle Team des achtmaligen deutschen Meisters bisher nicht nachgewiesen. Alba hat sich tapfer gewehrt, nur war der Triumph nie wirklich zum Greifen nah.

Anders war es bei beiden Pokalfinal-Niederlagen. 2018 wurde gegen die Bayern eine klare Führung hergegeben, in diesem Jahr gegen Bamberg eine seltsam uninspirierte Vorstellung abgeliefert. Verschenkte Gelegenheiten.

Es liegt also nicht allein an der Übermacht der Bayerns und Valencias dieser Basketball-Welt. Die junge Alba-Mannschaft nutzt im finalen Moment zu häufig ihre Chancen nicht, die sich auch in der jüngsten Meisterschaftsserie ergeben hatten. Die vermeintlichen Anführer tauchen dabei auffällig unter.

Es wäre gut, wenn das Team zusammenbliebe

Das kann selbst in einer noch so gut harmonierenden Mannschaft zum Zündstoff werden. Obwohl von überall Lob kommt wegen des begeisternden und attraktiven Basketballs, den Alba zelebriert. Es ist verdient. Schließlich will jedes Finale erst erreicht werden.

Aber da können die Verantwortlichen noch so sehr für ihren Weg mit Nachwuchs und Charakter und Freundschaft werben: Spieler wollen nicht nur spielen, sondern auch etwas gewinnen, das sich anfassen lässt.

Nächste Saison ist Alba in der Euroleague gefordert. Da treffen die Berliner die Bayern und Valencia wieder. Und viele andere, die noch stärker sind. Man darf jetzt schon gespannt sein, mit welchem Team Alba antritt. Es wäre gut, wenn es zusammenbliebe. Aber es braucht auch sinnvolle Verstärkung. Sonst lächeln am Ende nur die anderen.