Basketball

NBA-Star Schröder macht Alba Hoffnung

Alba will das Unmögliche schaffen und trotz der zweiten Niederlage die Serie gegen München drehen. Zuletzt gelang das vor 30 Jahren.

Im Würgegriff des Meisters: Der Münchner Devin Booker (l.) und Albas Landry Nnoko lieferten sich erbitterte Duelle. Am Ende waren die Bayern erneut eine Armlänge voraus.

Im Würgegriff des Meisters: Der Münchner Devin Booker (l.) und Albas Landry Nnoko lieferten sich erbitterte Duelle. Am Ende waren die Bayern erneut eine Armlänge voraus.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin.  Alle Beteiligten gaben sich größte Mühe, die Bedeutung des Ergebnisses vom Mittwochabend ein bisschen kleiner zu reden. „Es macht mir Hoffnung, dass es zweimal sehr knapp war“, sagte etwa Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda nach dem 77:82 (46:45) seiner Mannschaft im zweiten Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft gegen Bayern München, „wir werden nicht aufgeben.“ Der Münchner Kapitän Danilo Barthel formulierte es ähnlich: „Wir haben zwar eine gute Ausgangslage, aber uns ist bewusst: Alba wird sich jetzt nicht ergeben.“

Bayreuth gelang vor 30 Jahren das „Wunder“

Die Ausgangslage ist so: Der Titelverteidiger aus der bayerischen Metropole hatte auch die erste Partie 74:70 gewonnen und führt in der Endspielserie nach dem Modus „Best of five“ mit 2:0. Am Sonntag (18 Uhr, Sport1 und Magentasport) kann er mit einem weiteren Sieg seinen fünften Meistertitel unter Dach und Fach bringen. Es spricht einiges dafür, dass dies im heimischen Audi Dome gelingt.

Die Münchner haben in der Bundesliga in dieser Saison kein einziges Heimspiel verloren. Und das letzte Mal, dass im Finale ein Team einen solchen 0:2-Rückstand drehte, datiert aus der Spielzeit 1988/89. Damals schaffte die BG Bayreuth gegen Bayer Leverkusen das unmöglich Erscheinende und setzte sich mit 3:2 durch. Genau 30 Jahre also ist das her. Da gab es Alba Berlin noch gar nicht.

Sehr realistisch schätzte Alba-Trainer Aito Reneses die Situation ein. „Die Bayern haben sehr gut gespielt. Auch meine Mannschaft hat ihr Maximum gegeben“, sagte der spanische Coach. „Ich hoffe, wir kommen noch mal zurück nach Berlin. Dass meine Spieler fokussiert bleibe, wieder so intensiv spielen und 100 Prozent geben. Wenn wir dann verlieren sollten, wäre ich trotzdem glücklich.“ Zwischen diesen Sätzen lässt sich schon heraushören, dass der Gegner so eingeschätzt wird, wie er sich am Mittwoch präsentierte: als ein für die Berliner nur sehr schwer überwindbares Hindernis.

Die Münchner bleiben in jeder Phase eiskalt

Jedenfalls, wenn es erneut nicht gelingt, die Bayern von ihrem Weg abzubringen. Beeindruckend war, wie die Gäste vor 14.000 enthusiastischen Alba-Fans ihrer Linie in jeder Situation treu blieben. Nicht verunsichert durch einen 7:0-Start der Berliner. Nicht durch deren nimmermüden Kampfgeist, die kurz vor Schluss deutliche Rückstände einmal auf 72:73 und noch einmal auf 77:78 verkürzten. Die Münchner blieben immer eiskalt.

„Sie haben auf jede unserer Waffen eine gute Antwort gehabt“, erkannte Ojeda. Sie ließen Leistungsträger wie Peyton Siva, Niels Giffey (je sieben Punkte), Luke Sikma (6) und vor allem Martin Hermannsson (4) wenig zur Geltung kommen. „Bei uns muss alles gut laufen, wenn wir mithalten wollen mit einem Team, das besser besetzt ist als wir“, sagte Ojeda. Und das tat es eben nicht.

Bookers Dunkings tun Alba sehr weh

Die Bayern spielten dabei ihre große Erfahrung aus, die sie aus 30 Euroleague-Partien gegen die besten Teams des Kontinents gesammelt haben. Und doch gibt es Stellschrauben, an denen Reneses noch drehen kann. Sein Team muss die Zahl der Ballverluste (20) geringer halten. Der Münchner Center Devin Booker darf nicht noch einmal so viele Offensiv-Rebounds ergattern und in den Alba-Korb stopfen.

Diese Punkte waren wie Schläge ins Genick der wacker verteidigenden Berliner. Die offensichtlich bei ihrer intensiven Verteidigungsarbeit auch viel Kraft und Lockerheit einbüßten, die dann in ihren Angriffsaktionen fehlten. Auch an der Freiwurflinie wurden sechs Punkte verschenkt. Das alles lässt sich gegen Bayern in der aktuellen Form nicht wettmachen.

Etwas unter ging dabei, dass es auch Lichtblicke im Alba-Spiel gab. Etwa das „Double-Double“ von Landry Nnoko mit zehn Punkten und elf Rebounds. Besonders imponierte die Leistung des 17-jährigen Franz Wagner, der sehr gut verteidigte, ohne Fehlwurf blieb und mit 14 Punkten gleichauf mit Rokas Giedraitis Topscorer seiner Mannschaft war.

Es ist anzunehmen, dass Bayern-Trainer Dejan Radonjic und seine Kollegen sich für Sonntag auch etwas für den Youngster einfallen lassen. „Wir wollen die Saison zu Hause perfekt zu Ende bringen“, ließ der einstige NBA-Star Derrick Williams keine Zweifel zu, dass die Münchner nicht dazu neigen, jetzt die Zügel schleifen zu lassen.

Knappe Niederlagen geben kleine Hoffnung

Insgesamt hat sein Team nun 72 Spiele in Europa, Bundesliga und Pokal in den Knochen, bei den Berlinern sind es mit 70 nur unwesentlich weniger. Erstaunlich genug, welche Leistungen sie nun immer noch abrufen. Und wie die Berliner sich nicht damit abfinden wollen, bald Urlaub zu haben. „Die Saison ist noch nicht vorbei“, sagte Giedraitis kämpferisch. Sikma ergänzte: „Es gibt immer eine Chance. Alle unsere Spiele gegen die Bayern in dieser Saison waren eng. Daraus sollten wir Selbstvertrauen ziehen.“ Einen Mutmacher gab es sogar vom in der Mercedes-Benz Arena zuschauenden deutschen NBA-Star Dennis Schröder. „Wenn sie in München mit Selbstbewusstsein rangehen, können sie erstmal ein Spiel holen. Sie müssen jetzt von Spiel zu Spiel denken“, empfahl der Aufbauspieler der Oklahoma City Thunder.