Basketball

Guter Start, dramatisches Ende: Alba unterliegt FC Bayern

Nach gutem Start verliert Alba auch das zweite Finalspiel gegen den Titelverteidiger mit 77:82. Der hat Sonntag den ersten Matchball.

Volle Pulle: Albas Derrick Walton Jr. (r.) im Zweikampf mit Bayerns Maodo Lo.

Volle Pulle: Albas Derrick Walton Jr. (r.) im Zweikampf mit Bayerns Maodo Lo.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Der Mittwoch war ein schöner Tag für die Berliner Schulkinder. Zeugnisvergabe, das bedeutet: endlich Ferien. Die Spieler von Alba Berlin wünschten sich genau das Gegenteil: bloß nicht schon so bald in den Urlaub geschickt zu werden. Doch sie verpassten es im zweiten Spiel der Endspielserie um die deutsche Basketball-Meisterschaft gegen Titelverteidiger Bayern München, dass ihre Saison ganz sicher mindestens noch bis zum kommenden Dienstag dauert.

Die Mannschaft von Trainer Aito Reneses verlor 77:82 (46:45), nach dem 70:74 am vergangenen Sonntag steht es im Play-off-Finale nach dem Modus „Best of five“ nun 0:2. Spiel drei findet am Sonntag (18 Uhr, Sport1 und Magentasport) in der bayerischen Metropole statt. Sollte Alba dort gewinnen, folgt Spiel vier am folgenden Dienstag (20.30 Uhr) in der Mercedes-Benz Arena.

Sollte dann immer noch keines der beiden Teams dreimal gewonnen haben, fände das finale Finale am Donnerstag, den 27. Juni, erneut in München statt. Doch danach sieht es im Moment wahrlich nichts aus. Kapitän Niels Giffey sagte: „Wir haben nicht übers ganze Spiel so mutig gespielt wie im ersten Viertel. Wir sind sehr enttäuscht.“

Aufgeladene Atmosphäre in der Mercedes-Benz Arena

Die Atmosphäre war aufgeladen nach dem ersten Aufeinandertreffen im Audi Dome. Die Berliner fühlten sich von den Schiedsrichtern um den Sieg gebracht, die in der Schlussphase in mehreren Situationen mit ihren Entscheidungen das Alba-Team klar benachteiligt hatten. Nicht mit Absicht sicherlich, aber sogar die Basketball-Bundesliga (BBL) hatte zwei Tage darauf ein Video veröffentlicht, in dem diese falschen Pfiffe erklärt wurden. Doch das nutzte dem Herausforderer Alba auch nicht mehr. Er brauchte jetzt vor allem eins: einen Sieg im zweiten Spiel.

Dabei erhielten die Gastgeber von ihren Fans die größtmögliche Unterstützung. Mit 14.044 Zuschauern war die Mercedes-Benz Arena zwar nicht ganz ausverkauft, doch in bester Finalstimmung. Die Fans peitschten ihre Mannschaft nach vorn, schon 15 Minuten, bevor die Partie begonnen hatte. Die Bayern dagegen wurden gnadenlos ausgebuht. Reneses veränderte seine Zwölf nur auf einer Position: Für Joshiko Saibou kam Kenneth Ogbe in den Kader.

Die Energie der Arena übertrug sich sofort auf die Mannschaft. Konzentriert begann Alba und lag wie schon in München gleich vorn. Mit Alba-Spiel: schnelle Offensive, schnelle Abschlüsse, 7:0 nach zwei Minuten. Besonders Landry Nnoko legte mit acht Punkten im ersten Viertel einen Superstart hin, wurde aber auch glänzend freigespielt.

Diesmal waren die Bayern allerdings schneller wieder in ihrem Rhythmus, brachten ihren Distanzschützen Petteri Koponen gut in Stellung. Und ihr Center Devin Booker griff sich viele Offensivrebounds, um sie gleich darauf im Berliner Korb zu versenken. Dennoch sah es gut aus für Alba, als Tim Schneider per Dreier auf 23:12 stellte (9. Minute).

Bärenstarker Franz Wagner

Im zweiten Viertel allerdings war München besser im Spiel, Koponen traf wieder aus der Ferne, auch dem gebürtigen Berliner Maodo Lo gelang dies aus schwierigen Situationen. Die Berliner dagegen leisteten sich zu viele Fehler, vergaben wieder einmal Freiwürfe.

Bärenstark präsentierte sich der erst 17-jährige Franz Wagner, den Reneses bereits in die Startaufstellung genommen hatte. Hoch kochte die Stimmung in der Arena, als der Münchner Vladimir Lucic nach einem Rempler von Rokas Giedraitis auf dem Boden lag. Er war schon der Buhmann der Alba-Fans in München gewesen. Nun allerdings wurden beide mit einem Foul bestraft, der Litauer Giedraitis mit einem unsportlichen. Eine richtige Entscheidung von Hauptschiedsrichterin Anne Panther.

Nun waren die Emotionen noch stärker und die Partie völlig offen. Die Münchner hatten sich eingeworfen. Alba hatte zwar die besseren Wurfquoten und lag bei den Rebounds vorn (16:8), hatte aber zur Halbzeit nur einen Punkt Vorsprung. Weil Luke Sikma und Co. sich zu viele Turnover leisteten und manche gute Chance zum Punkten ausgelassen wurde. Unnötig knapp aus Berliner Sicht das 46:45 zur Pause.

Als die Berliner aus dem Spiel flogen

Mehr und mehr übernahmen die Gäste die Kontrolle, die hart, aber meist fair verteidigten. Alba dagegen hatte im dritten Viertel schon nach drei Minuten fünf Fouls – und die Bayern trafen gut von der Freiwurflinie. Bei den Berlinern fand kaum noch ein Wurf sein Ziel, ob Giedraitis, Martin Hermannsson oder Derrick Walton jr. – niemand hatte das nötige Schussglück.

Das Geschehen entglitt den Gastgebern gegen die nun ihre ganze Cleverness ausspielende Bayern. Hatte man sich nach 20 Minuten gewundert, dass Alba nur mit einem Punkt führte, konnte man sich nach drei Vierteln wundern, dass es nur 59:63 zurücklag.

Es war also durchaus noch eine Chance da. Aber die Berliner schienen völlig aus dem Spiel. Zwei Dreier von Nihad Djedovic und Derrick Williams brachten den Titelverteidiger 69:59 in Front, Leon Radosevic erhöhte gar auf 71:59. Statt ruhig zu bleiben, verzettelten sich jetzt die Alba-Spieler in sinnlose Diskussionen mit den gut pfeifenden Schiedsrichtern.

Giedraitis war sechs Minuten vor dem Ende mit dem fünften Foul draußen, auch Peyton Siva und Luke Sikma, die von den Münchnern sehr gut kontrolliert wurden, hatten zu viel Gesprächsbedarf.

13 Sekunden vor Schluss nur noch ein Punkt Rückstand

Die Bayern waren jetzt in ihrem Element, blieben cool – doch vielleicht ein bisschen zu cool. Noch einmal rafften sich die Berliner auf, trotz des fünften Fouls gegen Sikma, hatten sie sich durch einen Wurf Niels Giffeys 2:40 Minuten vor dem Ende auf 72:73 herangekämpft. Die Bayern blieben trotzdem ruhig, ausgerechnet der bei den Fans so ungeliebte Lucic traf zum 72:78.

Und immer noch nicht Schluss, Giffey und mit stoischer Ruhe der 17-jährige Wagner per Dreier 13 Sekunden vor Schluss verkürzten nochmals auf 77:78. Doch je zwei Freiwürfe von Koponen und Lucic beendeten die Berliner Hoffnungen. Obwohl Giffey noch glaubt: „Die Serie ist noch nicht vorbei.“

Bester Münchner war diesmal Booker (16 Punkte). Bei Alba waren Giedraitis und Youngster Wagner (je 14) die erfolgreichsten Werfer. Wagner sagte: „München ist eben eine Mannschaft, die 40 Minuten ihr Ding macht. Wir müssen jetzt diesen einen Sieg holen, um am Dienstag noch mal nach Berlin zu kommen.“ Und die Ferien doch noch hinauszuschieben.