Play-off-Halbfinale

„Wir sind auf dem Weg nach oben“

Sportdirektor Himar Ojeda spricht im Morgenpost-Interview über Albas Euroleague-Zukunft – und zählt auf Trainer Reneses.

Peyton Siva ganz groß: Der Alba-Spielmacher (blaues Trikot) war im ersten Halbfinale nicht zu halten. Die Berliner Fans würden ihn gern auch in der nächsten Saison in der Euroleague für Alba kämpfen sehen.

Peyton Siva ganz groß: Der Alba-Spielmacher (blaues Trikot) war im ersten Halbfinale nicht zu halten. Die Berliner Fans würden ihn gern auch in der nächsten Saison in der Euroleague für Alba kämpfen sehen.

Foto: Friso Gentsch / dpa

Berlin. Natürlich ist der nächste Gegner der schwerste, und das nächste Spiel muss immer erst noch gespielt werden, auch Alba Berlins zweite Partie in der Halbfinalserie gegen Oldenburg an diesem Mittwoch in der Mercedes-Benz Arena (20.30 Uhr, Magentasport und Sport1). Aber andererseits trennen Albas Basketballteam, sollte es im Endspiel auf den FC Bayern München treffen, jetzt nur noch zwei Siege zum Euroleague-Ticket für die kommende Saison. Sportdirektor Himar Ojeda (46) wäre ein Amateur, wenn ihn das Startrecht in der Königsklasse überraschen würde, zumal der Präsident der Euroleague, Jordi Bertomeu, vor Kurzem bei einem Besuch in der deutschen Hauptstadt durchblicken ließ, dass die Chancen der Berliner auf eine Wildcard auch nicht gerade schlecht stünden.

Berliner Morgenpost: Planen Sie fast nur noch Albas Zukunft, oder sind Sie auch bei der Mannschaft im Hier und Jetzt, Herr Ojeda?

Himar Ojeda: Natürlich beides, aber es stimmt schon, ich bin der einzige, der über das nächste Spiel hinausgucken darf. Wir haben am Sonntag in Oldenburg einen wichtigen Sieg errungen. Wenn wir das in Spiel zwei in unserer eigenen Halle nicht bestätigen, zählt das nichts mehr. Die Oldenburger sind ein sehr gutes Team und werden heiß sein. Für Trainer und Spieler zählt einzig, dass auf sie eine große Herausforderung wartet.

Die wäre die Euroleague auch.

Aber eine, die wir mit Begeisterung und nicht etwa Furcht in Angriff nehmen würden. Wir hätten mehr Spiele, noch stärkere Gegner als zuletzt im Eurocup und würden einen tieferen Kader benötigen. Natürlich arbeite ich daran. Aber über allem steht: Noch sind wir nicht qualifiziert.

Wie groß ist der Schritt von einem Team, das im Finale des Eurocups stand, zu einem, das in der Euroleague passabel mithalten kann?

Ich glaube, diesen Unterschied hat man im Endspiel gegen Valencia gesehen. Wir haben großartig gekämpft und ein Spiel gewonnen, aber vor allem im dritten und entscheidenden Spiel war Valencia das bessere Team. Wir denken darüber nach, uns mit Qualität und Erfahrung zu verstärken, ohne unseren Weg und unsere Ideale zu verlassen. Wenn wir in der Euroleague spielen, wollen wir auch dort wettbewerbsfähig sein und gleichzeitig unserer Philosophie treu bleiben, beispielsweise weiterhin junge Spieler entwickeln.

Für all das bräuchten Sie auch mehr Geld.

Natürlich, und wir werden unseren Etat auch erhöhen. Mit Malaga, Valencia oder auch hier in Deutschland mit den Bayern oder Bamberg werden wir uns dann immer noch nicht vergleichen können. Aber wir sind ein Klub mit Ambitionen, wachsen von Jahr zu Jahr und konnten uns ja auch schon in dieser Saison gegen Klubs mit höheren Budgets durchsetzen.

Jetzt würden konkrete Zahlen weiterhelfen.

(lacht) Ja, ich weiß, aber die kann ich nicht nennen. Nur so viel: Wir, und auch der Etat, werden weiter wachsen. Es bleibt jedoch dabei, dass wir nichts Verrücktes tun oder über unsere Verhältnisse leben werden. In Europa verfolgen übrigens nicht allzu viele Klubs einen ähnlich soliden Plan.

Ich entwerfe mal ein Szenario: Coach Reneses hört auf, und Albas Erfolg weckt woanders Begehrlichkeiten. Luke Sikma geht nach Moskau, bekommt für halb so viel Spielzeit doppelt so viel Geld und Peyton Siva zu Panathinaikos Athen, weil dort mit Rick Pitino der Coach verlängert, mit dem er mit Louisville US-Collegemeister wurde.

Das wäre ein sehr unschönes Szenario, aber ich bin sehr optimistisch, dass es dazu nicht kommen wird. Ich mache ja meinen Job, bin mit allen im Gespräch.

Es gibt das Gerücht, dass Sie mit Sikma bereits verlängert hätten.

Ehrlich? Ich bleibe lieber dabei, dass ich sehr optimistisch bin, und zwar auch bezüglich der beiden anderen, die sie genannt haben, Trainer Reneses und Siva. Ich kann auch Gründe dafür nennen: In Berlin zu leben und das Umfeld des Teams passen. Wir sind ein Klub auf dem Weg nach oben, eine Organisation, die sich entwickelt und weiter investiert. Und das sieht man nicht nur von außen, sondern macht auch einen Unterschied, wenn man jeden Tag zur Arbeit geht. Das klingt zwar ein wenig romantisch, aber ich selbst habe ja auch aus diesen Gründen meinen Vertrag bis 2023 verlängert. Ich glaube, man merkt es den Spielern und den Coaches auch an, dass sie zusammen nicht nur Erfolg, sondern auch miteinander Spaß haben.

In Bamberg wird nach dem Viertelfinal-Aus gegen Vechta sicherlich gründlich durchrenoviert. Aus Frankfurt ist zu hören, dass eine neue Arena kommt und der Klub in drei Jahren eine Mannschaft mit Meisterschafts-Potenzial haben will. Wenn Sie sich jetzt für die Euroleague qualifizieren, wären Sie der Konkurrenz schon mal einen großen Schritt voraus.

Sicherlich, aber ganz wichtig: Wir wollen nicht durch den Misserfolg anderer stärker werden, sondern aus uns selbst heraus. Deshalb haben wir uns auch gefreut, dass Hamburg in die Bundesliga aufgestiegen ist, was der Liga sicherlich gut tut. Von einer stärkeren Liga werden auch wir profitieren.