Alba Berlin

Halbfinale: Wenn Alba ins Rotieren kommt

Das Halbfinale gegen Oldenburg ist völlig offen. Für Alba spricht ihre größere Spielerzahl, für die Baskets ihre große Eingespieltheit.

Schwer zu stoppen: Oldenburgs Center Rasid Mahalbasic (2.v.l.) versucht, an Albas Landry Nnoko vorbeizukommen.

Schwer zu stoppen: Oldenburgs Center Rasid Mahalbasic (2.v.l.) versucht, an Albas Landry Nnoko vorbeizukommen.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Es gibt nur wenige Vorhersagen, mit denen man sich vor der Halbfinalserie der Basketball-Bundesliga zwischen den Oldenburger Baskets und Alba Berlin aus der Deckung wagen sollte. Die eine ist: Einen Mangel an Körben wird es nicht geben, denn es treffen die beiden offensivstärksten Mannschaften der Saison aufeinander.

Kein Team erzielte in der Hauptrunde mehr Punkte als Oldenburg (Schnitt 93,4), die Berliner (92,7) lagen nur knapp dahinter. In den drei Viertelfinalspielen gegen Ulm kam Alba auf beachtliche 101,6 Punkte pro Spiel, die Niedersachsen gegen Bonn auf 99,6.

Nur acht Spieler regelmäßig auf dem Feld

Ebenso risikoarm ist die Prognose, dass es nicht nur an diesem Sonntag (15 Uhr, Sport1, Magentasport) im ersten der maximal fünf Spiele darum gehen wird, dem jeweils anderen seinen Rhythmus aufzuzwingen. Denn so sehr beide Teams die üppige Punktausbeute eint – der Weg dorthin und die Philosophie dahinter unterscheiden sich fundamental.

Während Albas Coach Aito Reneses mit mindestens 14 Spielern trainiert, daraus dann von Spiel zu Spiel einen 12er-Kader formt, von dem dann auch schon während des ersten Viertels fast alle Spielzeit bekommen, setzt sein Gegenüber, Oldenburgs Mladen Drijencic, in dieser Saison auf eine Rotation von lediglich acht Spielern.

Verzicht auf Europa hat Oldenburgs Kräfte geschont

Der Nachwuchs, wie beispielsweise der ehemalige Berliner Center Marko Bacak (23), füllen lediglich die Spielberichtsbögen auf. Von einer Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb hatte der Klub angesichts des überschaubaren, aber handverlesenen Kaders um Oldie Ricky Paulding (36), MVP Will Cummings und Center Rasid Mahalbasic vor Saisonbeginn abgesehen.

„Die Entscheidung, nicht in Europa zu spielen, hat die Mannschaft sicherlich stark gemacht. Sie ist mit jedem Sieg gewachsen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi vor der Serie, in der die Baskets als Vorrundenzweiter Heimrecht haben. „Sie hatten so gut wie keine Verletzte und konnten sich auf jeden Gegner gut vorbereiten. Eine Saison wie unsere mit teilweise vier Spielen pro Woche hätten sie wohl kaum überstanden.“

Mahalbasic gelangen vier „Triple Doubles“

Man muss kein Meistertrainer sein, um zu erahnen, mit welcher Marschroute Alba in die Serie geht. „Wir brauchen einen guten Rhythmus, müssen schnell spielen, gut rebounden, verteidigen und mit viel Energie spielen“, sagt Reneses dann auch wenig überraschend. „Wir sind jünger, tiefer besetzt und müssen sie mit unserem Tempo müde machen“, fasst Johannes Thiemann die Forderung seines Chefs noch mal knapp zusammen.

Wobei auf Albas Center mit dem Duell gegen Mahalbasic eine besondere Herausforderung wartet. Dem Österreicher gelangen in dieser Saison bereits vier „Triple Doubles“, Spiele, in denen er zweistellig punktete und auf mehr als zehn Rebounds und zehn Assists kam. Um das einzuschätzen, sollte man wissen, dass in der Datenbank der Bundesliga seit der Saison 1998/99 nur insgesamt neun „Triple Double“ dokumentiert sind.

Stabilstes Team der Liga

Auf Albas lange Garde wartet sicherlich auch der eine oder andere Ellbogen, denn Mahalbasic spiele „sehr physisch“, weiß Thiemann, der aber auch „von großer Qualität“ spricht. „Am besten ist, dass er gar nicht erst den Ball bekommt, weil wir die anderen unter Druck setzen“. Es gelte, die „Passwege zuzumachen und Ballverluste zu erzwingen“, fordert Luke Sikma.

Damit, dass sein Team den Gegner überraschen wird und schnell kapitulieren lässt, rechnet Baldi nicht. „In Oldenburg sind schon einige Teams heiß gelaufen, und sie haben immer die Ruhe bewahrt.“ Die Baskets seien „die stabilste Mannschaft der Liga, total ausbalanciert, da weiß jeder, was zu tun ist“.

Alba braucht einen Auswärtssieg

Sicher ist, dass Alba auswärts ein Spiel stehlen muss, um mit drei Siegen ins Finale einzuziehen. Und die Frage muss erlaubt sein, warum das nicht gelingen sollte. Die Berliner trafen im Play-off bislang fünfmal auf Oldenburg und zogen immer in die nächste Runde ein (2006, 2011, 2015 und 2018 jeweils im Viertelfinale und 2008 im Halbfinale).

In dieser Saison könnte Alba auch „Diebstahl Berlin“ heißen. Sie warfen die Bayern in deren eigener Halle aus dem Pokal und zogen mit Auswärtssiegen in Krasnodar, Malaga und Andorra – um nur einige zu nennen – bis ins Finale des Eurocups. Und nicht zuletzt: Alba hat Oldenburg in dieser Saison die einzige Heimniederlage (93:84) beigebracht. Das war im Januar – aber immerhin.