Basketball

Alba Berlin: Angekommen im wichtigsten Moment

Weil Albas Spielmacher Peyton Siva verletzt ausfiel, musste sein Ersatzmann Derrick Walton Jr. ran.

Ideengeber im Spiel gegen Ulm: Derrick Walton Jr. zeigte, dass er ein guter Vertreter von Peyton Siva ist.

Ideengeber im Spiel gegen Ulm: Derrick Walton Jr. zeigte, dass er ein guter Vertreter von Peyton Siva ist.

Foto: Andreas Gora / picture alliance

Berlin. Der größte Gewinner des Abends wollte von Lobhudeleien nichts hören. „Das war heute ein guter Start in die Serie“, richtete Derrick Walton Jr. seinen Blick lieber aufs große Ganze. Erst auf Nachfrage fügte er hinzu: „Ich habe einfach versucht, dem Team zu geben, was es braucht.“ Alba Berlins Spielmacher wurde nach dem 107:78 gegen Ulm im ersten Play-off-Viertelfinale um die deutsche Basketball-Meisterschaft dennoch am meisten gefeiert.

Peyton Siva fällt vielleicht noch länger aus

Denn nie zuvor hatte er sein Potenzial so für Alba aufs Feld gebracht wie am Samstagabend. Elf Punkte, zwölf Korbvorlagen, nur ein Ballverlust gegen die stets mit spitzen Fingern verteidigenden Süddeutschen: „Derrick“, lobte Manager Marco Baldi, „hat super für Peyton übernommen.“

Das genau machte die Aufgabe so schwierig für den 24-jährigen Amerikaner. Eigentlich ist Walton der Back-up für Peyton Siva. Der Mann, der dem ersten Spielmacher von Alba Berlin ein paar Minuten Verschnaufzeit gibt. Doch sein Landsmann war im Training umgeknickt, hatte sich eine Bänderverletzung zugezogen und war nicht einsatzbereit. Walton musste ran, ausgerechnet jetzt die volle Verantwortung übernehmen, wo die Saison in ihre entscheidende Phase geht. Und bereitete dann Ratiopharm viel mehr Kopfschmerzen, als die Gäste erwartet hatten.

Die Kritiker sind leiser geworden

Vom „hohen Basketball-IQ“ Waltons schwärmte Baldi, von einem „Qualitätsspieler“. Manche Skeptiker hatten den Mann aus Detroit mit anderen Augen betrachtet, als der im Februar vom Europaligisten Zalgiris Kaunas an die Spree wechselte. Verstanden nicht so recht, warum und wie er den schwer am Knie verletzten Stefan Peno ersetzen sollte. Inzwischen sind die Kritiker leiser geworden, nicht erst wegen des Auftritts gegen Ulm.

Schon zuvor hatte sich das 190 Zentimeter große Kraftpaket allmählich gesteigert. Je acht Assists gab er im April bei den Siegen über Crailsheim und den Mitteldeutschen BC, 19 Punkte steuerte er am 10. Mai zum Erfolg gegen Bremerhaven bei. Und jetzt die bärenstarke Leistung im ersten Viertelfinale. Bei zehn Punkten und fünf Korbvorlagen pro Partie haben sich seine Saisonwerte eingepegelt – Tendenz steigend. Nicht schlecht für jemanden, der erst dreieinhalb Monate zur Mannschaft gehört. Besonders auf seiner Position. Nun ist er im wichtigsten Moment angekommen bei Alba Berlin.

Mal ein Dreier, mal zum Korb gezogen

Baldi erklärte: „Point Guards brauchen etwas länger, sich zurechtzufinden.“ Walton lebe davon, das Spiel, das Alba spiele, total zu verinnerlichen. Seine Kollegen kennenzulernen, ihre Laufwege, wer ist eigentlich wo? Gegen Ulm wurde sichtbar, dass er dabei große Fortschritte gemacht hat. Immer wieder fand er genau die Stelle in der Abwehr der Gäste, wo die Berliner einen körperlichen Vorteil hatten. Oder er setzte seine individuellen Qualitäten ein, mal per Dreier, mal per Zug zum Korb. Um im letzten Moment dem freien Mitspieler die Vorlage zu servieren.

Ihm half allerdings, dass sein Team insgesamt eine überragende Vorstellung ablieferte, in allen Bereichen. Bissig in der Verteidigung, variabel im Angriff: Sechs Alba-Profis punkteten zweistellig, jeder eingesetzte Spieler traf mindestens einmal in den Korb des Gegners. Die Ulmer, die ein ähnliches, schnelles Spiel aufziehen, nur auf schwächerem Niveau, waren überfordert und gaben sich früh geschlagen. Etwas, das sie sich vor eigenem Publikum am Dienstag (19 Uhr, Magentasport) kaum erlauben dürfen.

Walton warnt vor zu viel Euphorie

Das ist auch Derrick Walton Jr. bewusst: „Jetzt geht es darum, das Momentum aus diesem Spiel mitzunehmen und zu nutzen. Wir dürfen nicht zu euphorisch werden.“ Trotzdem ist es angenehm, mit dem Gefühl aufzulaufen, gegen Ulm auch in dem Fall bestehen zu können, dass Peyton Siva noch etwas länger bis zur Rückkehr braucht.