Basketball

Javonte Green ist der Meisterdieb der Bundesliga

Alba Berlin trifft im Play-off-Viertelfinale auf Ulm. Dabei müssen die Berliner besonders auf Javonte Green achten, den besten Balldieb der Liga.

Schnell unterwegs: Javonte Green nach einem Ballgewinn.

Schnell unterwegs: Javonte Green nach einem Ballgewinn.

Foto: EIBNER/Frank Wenzel / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Es kann kaum ein größeres Lob für einen sportlichen Kontrahenten geben als diese zwei Worte von Marco Baldi: „Der stört.“ Das ist nicht despektierlich gemeint vom Geschäftsführer Alba Berlins, wie es vielleicht klingen mag, sondern pure Anerkennung. Seine Mannschaft empfängt am Sonnabend (18 Uhr, Mercedes-Benz Arena) im ersten Play-off-Viertelfinale um die deutsche Basketball-Meisterschaft Ratiopharm Ulm. In Reihen der Schwaben spielt Javonte Green. Niemand stiehlt dem Gegner so viele Bälle wie der 25 Jahre alte US-Amerikaner.

Steals mit Dunking sind seine Spezialität

„Green“, ergänzt Baldi, „hat großen Anteil daran, dass die Ulmer nach ihrem schwachem Saisonstart noch auf Rang sechs geklettert sind.“ Mit seiner enormen Athletik, seiner riesigen Sprungkraft, seiner Schnelligkeit. 14 Punkte sammelt er durchschnittlich pro Spiel, fünf Rebounds. Doch seine Spezialität sind die sogenannten Steals, 2,3 im Schnitt.

Das klingt nach wenig. Aber zum einen ist er damit der Meisterdieb der Bundesliga. Ihm sind auch etwa gegen Braunschweig schon mal sechs solche Ballgewinne gelungen. Und außerdem gibt es nichts, was einen Gegner so ärgert wie ein Spieler, der in den Passweg rennt, sich mit seinen langen Armen den Ball schnappt und ihn dann noch, die zweite große Stärke des Amerikaners, am Ende des Konters genussvoll in den Korb stopft. Das stört nicht nur, das nervt sogar.

Seine Blicke folgen den Augen des Ballführers

Um diese Aktionen zu initiieren, braucht es besondere Fähigkeiten. Green hat beim Online-Portal „Basketball.de“ einmal erklärt, was er genau dafür tut. Er verfolge nicht nur, wo sein Gegenspieler stehe, sondern auch die anderen Akteure auf dem Feld. Auch die Augen des Ballführers beobachte er, um eventuell aus dessen Blicken zu lesen, wohin der das Spielgerät als nächstes passen könnte.

Wenn er meint, jetzt ist der Moment, dann rennt er los und mischt sich ein. Ulms Trainer Thorsten Leibenath sagt, es habe mit dem „generellen Spielverständnis“ zu tun und mit dem Vermögen, „schnell komplexe Situationen zu entschlüsseln“.

Javonte Green erzählt, dass ihn sein Trainer an seiner Oberschule in Brunswick/Virginia zum Balldieb geschult habe.

Im Eurocup noch besser als in der Liga

Trotzdem begann er seine Profikarriere in Europa relativ weit unten in der dritten spanischen Liga bei BC Peixefresco, wechselte danach für zwei Jahre in die zweite italienische Liga zu Pallacanestro Trieste, wo er Leistungsträger wurde. Wie jetzt in Ulm, wo er im Eurocup sogar noch reichere Beute auf seinen Diebeszügen machte. Sechs Steals gegen Galatasaray Istanbul, sechs gegen Roter Stern Belgrad – im internationalen Wettbewerb gelangen nur Albas Rokas Giedraitis so viele Ballgewinne (38) wie ihm. Der Litauer brauchte dafür aber 24 Spiele, der Ulmer nur 15.

Nun geht es also gegen Alba für Green. Das erste Spiel in der Liga hatte er verpasst, im zweiten gelang ihm nur ein Schnäppchen – unterdurchschnittlich für ihn. Dabei sollte ihm das oft sehr lässig wirkende Passspiel der Berliner entgegenkommen. Allerdings geht der Meisterdieb auch ein hohes Risiko ein. Misslingt sein Vorhaben und hat er sich zu weit nach vorn gewagt in der Defensive, steht sein direkter Gegenspieler frei.

Sein Trainer ist nicht so schnell sauer

Das ist ihm schon bewusst, allerdings rechnet er nicht damit, dass es ihm einen Anraunzer von Leibenath einbringen würde. „Wenn es mir ein- oder zweimal misslingt“, sagt er, „ist der Coach nicht sauer.“ Außerdem: Ihn selbst stört es am meisten.